Seelenpartner – Ideal? Mythos? Wirklichkeit?

Lange dachte ich, der Seelenpartner sei vor allem ein romantisches Ideal: das, was der Prinz für Cinderella ist – die Erlösung von einer traurigen Vergangenheit… oder Baucis für ihren Philemon…die aufgrund ihrer tiefen Liebe zueinander  die Gnade des gleichzeitigen Sterbens erfahren durften… oder Romeo und Julia – die trotz aller Widrigkeiten zueinander zu kommen… und – anders als bei Shakespeare  – natürlich dann idealerweise auch bitte zusammen lebendig bleiben dürfen!

In jedem Falle ein ziemlich ewig glückliches Miteinander in diesem Leben und anderen, mit tirilierenden den Vögeln und jubilierenden  Engeln oder umgekehrt  und natürlich ganz viel Sonnenschein… Oder so ähnlich.

Da wir Menschen und aus unserer Perspektive keine fiktiven Figuren sind und uns also in weit menschlicheren, alltäglichen und weniger romantischen Gefilden bewegen…ist das auf der Ebene nichts als ein illusorisches Konzept.

Das gilt auch für all die verquasten Vorstellungen von einstmals vereinten Seelen, die sich dramatischerweise plötzlich „spalten“ und ihrem ewigen Glück ein Ende setzen mussten und nun einsam, verirrt und verwirrt, von ewiger Sehnsucht getrieben, dazu verdammt sind, einander in den Weiten des Multiversums und unendlichen Zeiten zu suchen… Das ist schlicht esoterischer Kitsch.

Und es gibt sie doch

Doch damit hat sich die Sache nicht erledigt. Denn viele Menschen sprechen nicht nur von ihrem idealen Partner als ihrem Seelenpartner, sondern auch von ihrem realen Partner. Für sie ist ihr Partner ihr Traumpartner und ihre Partnerschaft/Ehe hat die Qualitäten, nach der sich viele Singles so sehr sehnen: geistige, emotionale, spirituelle und körperliche Kompatibilität und Harmonie, übereinstimmende Wertesysteme und Lebensentwürfe, selbstverantwortliches, aber auch fürsorgliches Handeln, inspirierte Monogamie, guter Sex, finanzielle Beschwerdefreiheit, Vertrauen, Verlässlichkeit, Geborgenheit und Stabilität usw. usf – und natürlich immer wieder Freude an der Existenz des anderen und dem Erhalt der Beziehung.

Einer Seelenpartnerschaft werden auch bestimmte magische Qualitäten zugeordnet, die nicht unbedingt von Anfang an da sind, sondern sich auch entwickeln können.  Wie das Gefühl, beim Blick in die Augen des anderen „zuhause zu sein“, oder gelegentliche Telepathie oder das Erkennen, dass es tatsächlich einen gesunden Mittelweg gibt, zwischen Unabhängigkeit und Co-Abhängigkeit, nämlich die gesunde Interdependenz.

Das gute an dieser Auffassung ist, dass all dies eine Beziehungsqualität beschreibt, die also nicht abhängig von bestimmten Menschen ist, sondern im bewussten Miteinander entstehen und gestaltet werden kann. Damit sind mehrere Seelenpartnerschaften in einem Leben möglich, sogar bei Liebesbeziehungen und jede Partnerschaft kann zu einer Seelenpartnerschaft ausgebaut werden – wenn beide das wollen.

Und so wird in vielen Diskussionen über Seelenpartnerschaft betont, dass es nicht ausreicht, eine schier magische Anziehungskraft zum Partner zu verspüren oder zu entwickeln…sondern dass eine gemeinsame Alltagstauglichkeit, eine gemeinsame Bereitschaft an der Beziehung zu arbeiten; und an und mit ihr zu wachsen unerlässlich sind, um eben jene magischen Qualitäten zu entwickeln.

Das gilt nicht nur für romantische Liebesbeziehungen

Aus der Sicht der höheren Weisheit und in der Spiritualität hat eine sogenannte Seelenpartnerschaft noch weitere Aspekte, die sich nicht nur auf Liebesbeziehungen beschränkt. Nach Auffassung der geistigen Welt beschreibt Seelenpartnerschaft vor allem die Qualität der Verbindung zweier Menschen, die gemeinsam einer besonderen Aufgabe nachgehen wollen. Zu diesem Zweck ist es manchmal sinnvoll, eben nicht als Liebespaar zu inkarnieren, sondern als Geschwister, oder Elternteil und Kind oder Freunde, oder Geschäftspartner… Spektakuläre Repräsentanten dieser Art von Seelenpartnerschaft sind beispielsweise Winston Churchill und Adolf Hitler.  Teil ihres gemeinsamen Seelenplans war es, eine wichtige Rolle in der Welt- und Bewusstseinsgeschichte zu spielen.

Diese Begegnungen und Beziehungen sind vorherbestimmt und wenn die Betroffenen dieser vorgeburtlichen Absprache aus dem Weg gehen, können sie seelisch erkranken. Ganz besonders dann, wenn ihre Partnerschaft an eine höhere Frequenz angeschlossen ist, die auch auf andere wirken kann und soll und dem besonderen Schutz und der Unterstützung der geistigen Welt untersteht.

Zwillingsflammen oder Dualseelen

Unter den Seelenpartnerschaften gibt es die Besonderheit der sogenannten Zwillingsflammen- oder Dualseelenverbindung. Diese Beziehungen entstehen zwischen Menschen, die aus derselben Seelengruppe heraus in unser duales Universum inkarniert sind, in ihrem Ursprung jedoch eins sind. Um eine gewisse Erfahrungen zu machen, die nur durch die Aufteilung möglich sind, inkarnieren sie als einzelne, scheinbar getrennte, Wesen. Eine Zwilllingsflammenbegegnung ist außerdem nicht unbedingt in jedem Leben vorgesehen. Denn Teil des Seelenplans kann auch sein, eben nicht gemeinsam zu inkarnieren oder sich zu begegnen, damit Erfahrungen der Trennung voneinander gemacht werden können.

Begegnen sich jedoch Mitglieder derselben Seelengruppe – die Mitgliederzahl variiert zwischen zwei und neun – erkennen sie sich meist an einer unerklärlichen Vertrautheit. Man kann im Laufe seines Lebens auch mehreren von ihnen begegnen. Und nicht immer muss dies eine romantische Liebesbeziehung zur Folge haben. Doch in jedem Fall ist der Kontakt meist sehr intensiv.

In der Regel ist so, dass wenn ein Mensch die Sehnsucht nach einem Seelenpartner oder gar seiner Zwillingsflamme hat, dann ist diese Begegnung auch in ihrem aktuellen Leben vorgesehen, denn sonst gäbe es das Bedürfnis danach erst gar nicht. Für die Begegnung bedarf es in der Regel einer gewissen Reife und deswegen sind Begegnungen vor dem vierzigsten Lebensjahr eher selten,  sind jedoch bis ins hohe Alter möglich.

Liebespaare, die aus Zwillingsflammen bestehen, zeichnen sich oft durch folgende Eigenschaften aus:

  • Hellsichtige Menschen nehmen bei ihnen oft eine horizontale „Licht-8“ wahr, die das Paar permanent umströmt, wobei sich jeder von ihnen in einer der Hälfte des Unendlichkeitszeichens befindet.
  • Aufgrund ihrer hohen energetischen Kompatibilität ist ihr Sex von hoher Qualität
  • Doch genau diese Schwingungsähnlichkeit macht das gemeinsame Zeugen von Kindern unmöglich – denn dafür bedarf es eines gewissen Spannungsfeldes, einer Polarität und Unterschiedlichkeit…
  • In ihrem unmittelbaren Kontakt geht es also grundsätzlich nicht um Fortpflanzung oder das Aufziehen von Kindern – sondern um gemeinsames Erreichen und Erfahren von totaler Verschmelzung in Einheit
  • Oft entspricht der Seelenpartner nicht dem üblichen Beuteschema
  • Die Begegnung kann ein Schock sein – weil sie zutiefst erschüttert
  • Manche haben vor ihrer live-Begegnung schon von einander geträumt oder hatten Visionen
  • Die Partner spiegeln einander ihre Schatten – also unerlösten Aspekte, aber auch ihr Licht – ihre Begabungen und Talente – das kann zu höchster Harmonie, aber auch zu besonders schmerzhaften Konflikten führen. Denn die gemeinsame Aufgabe ist es, sich gemeinsam in die beste Version des eigenen Selbst zu katalysieren – jenseits aller Widerstände.

Doch nicht immer gelingt es den Beteiligten sich selbst im miteinander zu heilen und die Beziehung zerbricht. Es ist wichtig zu erwähnen, dass man ohne seine Zwillingsflamme nicht weniger oder unvollständiger ist – es ist nur so, dass man mit ihr Einheitserfahrungen machen kann, die alleine oder mit einem anderen Menschen so nicht möglich sind.

Bedingungslose Liebe ist Voraussetzung

Voraussetzung für die so oft ersehnte Begegnung mit einem Seelenpartner, insbesondere mit der sogenannten „Dualseele/Zwillingsflamme“ ist die bedingungslose Liebe zum eigenen Wesen. Denn unsere Beziehung zu uns selbst erzeugt das Resonanzfeld für einen potenziellen Partner. Und wenn wir wirklich jemanden möchten, der uns bedingungslos liebt, müssen wir uns selbst bedingungslos lieben. Und gemeinsam gilt es dann, diese Liebe zum Selbst und zum anderen in stetig größerem Maß zum Ausdruck zu bringen, da nun – nach der Erfahrung der Trennung – Verschmelzung und Vereinigung in der höchsten Form erfahren werden kann,

Aus noch höherer spiritueller Sicht ist auch all dies nur eine Stufe der ultimativen Einheitserfahrung. Denn in Wahrheit ist alles eins und ein einziges Bewusstsein und nichts ist außerhalb davon: jegliche Trennung ist Illusion.

Noch sind die meisten von uns noch recht weit von dieser Erfahrung im Bewusstsein, diesem gelebten Wissen, entfernt. Doch letztlich streben wir alle dahin – und die Sehnsucht nach einer Seelenpartnerschaft oder gar der Begegnung mit der Dualseele ist nur ein Ausdruck dieser seelischen Sehnsucht, die ultimative Wahrheit auf allen Ebenen unseres Seins zu erfahren.

Dies im Leben zu wollen und zu erfahren bedarf einer gewissen seelischen Reife – denn zumindest anfänglich kann eine Zwillingsflammenbeziehung weit konfliktreicher und schwieriger sein, als eine gute Seelenpartnerschaft. Oft kommt eine solche Begegnung total überraschend und erfordert eine völlige Neuordnung des eigenen Lebens, manchmal werden andere Partner dafür verlassen, Arbeitsstellen und Länder gewechselt…und andere Menschen vor den Kopf gestoßen…

Man muss das wirklich wollen

Plötzlich ist im Leben dieser Menschen nichts wichtiger, als ihr Miteinander. Das kann einerseits anstrengend sein, aber andererseits auch inspirierend: sie weisen den Weg zu einer höheren Liebe, einem vereinteren Sein – nicht in Co-Abhängigkeit, sondern in echter Harmonie. Denn wenn zwei Seelen sich bedingungslos lieben und sämtliche Ängste davor überwinden, sich im Großen und Ganzen aufzulösen, können sie mit dem Göttlichen in sich und dem anderen in Kontakt treten und machen gemeinsam die Erfahrung bedingungsloser Liebe und Einheit – jenseits aller ursprünglichen Vorstellungen davon. Zu zweit kann man damit weiter kommen, als jeder für sich allein. Tatsächlich ist es so, dass je mehr Paare miteinander diese Einheitserfahrung machen – umso mehr Frieden wird auf Erden sein.

Eine Liebesbeziehung mit einem Seelenverwandten zu führen bedarf also wirklichen Muts. Man muss das richtig wollen, dazu bereit sein und gegebenenfalls auch etwas dafür tun – was das im Einzelnen ist, ist individuell verschieden – geht aber zweifellos mit dem Sterben einiger liebgewordener Überzeugungen, gelegentlich großer Veränderungen in der Lebensgestaltung und massivem Bewusstseinswachstum einher. Denn auch hier ist beständige Mehrung der bedingungslosen Liebe – zum anderen, zu sich selbst und zum Leben überhaupt – Weg und Ziel. Wer das von ganzem Herzen will, wird es eines Tages auch erfahren, zu seinem Wohl und dem Wohl allen Seins, denn wir sind eins!