Angewandte Mythologie

Was ist angewandte Mythologie?

Wer glaubt, dass es heute keine Ritter mehr gibt, die ausziehen einen Drachen zu töten, um damit das Herz einer Jungfrau zu erobern, der hat nur noch nicht begriffen, dass Ritter heute oft Motorrad oder Auto fahren; sich oft jahrelang durch verschiedene Prüfungen quälen – sei es um eine Ausbildung oder ein Geschäft abzuschließen –  alles, um am Ende ihrer Herzensdame einen lang ersehnten Wunsch erfüllen zu können: einen Pelzmantel, eine Fernreise, ein Eigenheim…

Die Magie verwirklichter Träume!

Und immer wieder faszinieren uns die Geschichten und Erlebnisse jener, die trotz größter Widerstände ihr Ziel erreichen – und uns zeigen: es ist möglich! Man kann seine Träume zur Wirklichkeit werden lassen. Diese Faszination ist immer unwiderstehlich – egal, ob eine Geschichte aus der Wirklichkeit oder der Fiktion kommt. Entscheidend ist dabei der Blickwinkel auf das Geschehen, nämlich jener, der aus der Hauptfigur einen Helden macht und aus seinen Handlungen ein Abenteuer.

Die Begeisterung für mythologisch funktionierende Filme, Bücher und Geschichten ist ungebrochen. Das ist oft auch die Ursache für ihren Erfolg: es ist wenig überraschend, dass auf der Wikipedia Liste der 300 erfolgreichsten Filme kein Film dabei ist, der sich nicht der „mythologischen Schwerkraft“ bedient: die meisten davon sogar ziemlich offensichtlich. Sie verleiht den Fantasy- und Sciencefictionstoffen ihre emotionale Kraft und Glaubwürdigkeit.

Mythologie vermittelt uns Wissen über das scheinbar Unsagbare

Das betrifft im übrigen nicht nur Stoffe, die offensichtlich mythologische Aspekte betonen, wie z.B. „Krieg der Sterne“ oder die aktuelle US-TV Serie „Game of Thrones“. Selbst in Filmen, die scheinbar Alltägliches thematisieren, kann eine „mythologische Bassstimme“ die Wirkung verstärken. Meiner Meinung nach ist beispielsweise der Erfolg in Deutschland von „Good Bye Lenin“ (D 2000) auch damit zu erklären: Millionen von ehemaligen DDR-Bürgern gingen in den Film, um noch einmal Kontakt zu ihrer verlorenen Heimat aufzunehmen. Denn der Film erzählt auch den Untergang einer Kultur – und weckt  bei vielen die gleichen Gefühle und Sehnsüchte, wie alles was an das unwiderruflich Verlorene rührt, seien es die Sagen um “Atlantis” oder der Film “Titanic” (USA 1997).

Jedes menschliche Leben hat eine mythologische Dimension

Jeder von uns ist der Held oder die Heldin seines eigenen Lebens und alles kann aus der Perspektive zum Abenteuer werden: vom Erwerb des Führerscheins, über die Blinddarmoperation bis hin zu Begegnungen und Erfahrungen, die den Lauf unseres Lebens bestimmen.
Und fast jede Geschichte kann eine Verstärkung ihrer Wirkung erfahren, wenn man ihre mythologischen Aspekte betont: nämlich das universelle, das, was uns alle interessiert und oft zutiefst berührt und im allerbesten Fall sogar anregende Hinweise auf die Dimensionen des eigenen Lebens gibt.

Angewandte Mythologie ist eine ergiebige Betrachtungsweise

Der sakrale Blick auf unser Leben und auch auf unseren oft so profan scheinenden Alltag ermöglicht förderliche Erkenntnisse für das Bewusstseinswachstum.  Denn auch dort bestimmen archetypische Dynamiken,  mehr oder weniger intuitive “mystische” Ahnungen und urpsychologische Muster unsere Identität, unser Handeln, unser Denken und unsere Rolle in der großen Geschichte des Lebens und oft genug über das persönliche hinaus!

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