Weibliche Superkräfte

Endlich habe ich mit einer lieben Freundin den Film Wonder Woman (USA 2017) im Kino angesehen. Verschiedene Kritiker haben den Film als beste Comic-Verfilmung seit einer Weile gefeiert, die hohen Zuschauerzahlen und Einspielergebnisse haben das untermauert und allgemein gilt der Film jetzt als gelungene Öffnung für mehr Weiblichkeit im Superheldengenre.

Spaß macht der Film auf jeden Fall: die Schauspieler sind gut, die Story funktioniert und die Figuren sind spannender und etwas tiefgründiger, als man vielleicht erwartet. Besonders großartig ist er fürs Auge: phantastische Ausstattung, tolle Kamera, guter Schnitt und eindrückliche Spezialeffekte und natürlich Action, Action, Action: es wird gejagt, gekämpft und zerschlagen, dass es schier eine Oper von Scheppern, Krachen und Knallen ist. Und die Hauptdarstellerin macht das alles großartig mit der richtigen Mischung aus Anmut, Eros und Aggression! Wonder Woman wird dargestellt von der jungen Israelin Gal Gadot, deren Karriere als Miss Israel begann. Außerdem war sie in der heimischen Armee und hat offensichtlich ein kämpferisches und tänzerisches Talent – sie verfügt über die entsprechende Körperbeherrschung. Im Übrigen ist sie verheiratet und hat zwei Töchter – und als sie auf einer großen Filmgala zwar im Abendkleid, jedoch flachen Schuhen erschien, wurde sie von verblüfften Reportern gefragt, wieso sie denn keine High Heels trage und sie erklärte freundlich: ‚Weil es bequemer ist!‘ Also offenbar bodenständig und sympathisch die Dame!

Interessant ist außerdem anzumerken, dass mit Patty Jenkins eine Frau Regie führte und mit dem Film den höchsten Umsatz einfuhr, den eine weibliche Regisseurin bisher geschafft hat. D.h. der Film war deutlich auch für Männer tauglich und hoffentlich muss man das in näherer Zukunft auch nicht mehr ausdrücklich erwähnen. Denn natürlich können sich Männer auch für eine weibliche Superheldin begeistern, erst recht in ihren favorisierten Genres – und Jenkins scheut die traditionell männlichen Genres wie Action und Horror keineswegs, wie ihre Filmographie zeigt.

Jenkins meinte zu ihrem Film, dass Wonder Woman am Ende erkennt und es auch sagt, dass es ultimativ um die Liebe geht! So wahr ich das finde, so finde ich es doch nicht so richtig schlüssig im Film – zumal ihr der Gedanke kommt, als sie einen Panzer über ihrem Haupt schwingt, um ihn auf dem kauernden weiblichen Bösewicht niedergehen zu lassen. Mir kam da eher der Gedanke, dass sie das Potential für ein Sequel nicht ruinieren will..

Aber ja, am Ende erklärt Diana Prince, alias Wonder Woman, dass es sich immer lohne für Liebe und Gerechtigkeit zu kämpfen – und wer würde ihr da widersprechen wollen?

Wonder Womans Ursprung

Wonder Woman ist traditionell deutlich eine Amerikanerin – in der Regel ist ihr Heldenkostüm in den Farben der US-Flagge gehalten. Im Film jedoch weniger, da wird ihre griechisch-göttliche Herkunft betont und die Handlung spielt in einem vom ersten Weltkrieg gebeutelten Europa. Aber die Figur ist viel älter als der Film, sie wurde 1941 dem Comic Universum hinzugefügt. Max Gaines, der Herausgeber der DC Comics machte sich Anfang der 40er Jahre Gedanken, dass die Comics vielleicht zu gewaltvoll für die jugendlichen Leser seien und wandte sich an seinen Berater William Marston, der nicht ebenfalls nur ein Comicbuch Autor war, sondern auch ein Psychologe und selbst stark geprägt von unkonventionellen und selbstbewussten Frauen seiner Zeit geprägt: er selbst lebte mit seiner Frau und seiner Geliebten und vier gemeinsamen Kindern unter einem Dach. Nach der Legende sagte Marston zu Gaines: ‚Was du brauchst, ist ein weiblicher Superheld. Sie wird so stark wie Superman, aber im wesentlichen Pazifistin sein. Sie wird für die Demokratie kämpfen, aber für die Gleichberechtigung der Frau. Und ihre Superkräfte werden Liebe, Wahrheit und Schönheit sein.‘ Max Gaines wollte einen Versuch wagen – und ich kenne die Originalcomics nicht, weiß also nicht, in wie weit sich dieser Ansatz durchsetzte.

Aber wenn man mich jetzt fragen würde, ob ich finde, dass die jüngste Wonder Woman spezifisch weibliche Kräfte hat, die ihr Superheldentum auszeichnen – müsste ich passen. Sie ist zwar zweifellos schön und steht auf Wahrheit – im Film konfrontiert sie andere, vornehmlich Männer gnadenlos mit ihrer Haltung zur Rettung Unschuldiger und klagt sie des mangelnden Mitgefühls an. Und Liebe mag ihre Motivation sein, ist aber entschieden nicht ihre Kraft – diese besteht, wie auch bei ihren männlichen Kollegen, vor allem in einer physischen Überlegenheit gegenüber den Gegnern. Das heißt, sie wirkt zwar femininer – nicht nur wegen ihrer herrlichen sexy Ausrüstung, aber auch sie lässt die herrschenden Konflikte, wie ihre männlichen Kollegen letztlich mit Kraft, Gewalt, etwas Magie (sie kann fliegen und Kraftwellen erzeugen) und Kampfeskunst.

Ähnliches gilt auch für die neue TV-Serie ‚Supergirl‘, die mit der Einführung von ‚Supermanns Cousine‘ (und noch einen ganzen Rattenschwanz an Verwandtschaft vermeintlich bei der planetaren Katastrophe abhanden gekommener Kryptoniden) ebenfalls versucht, das Genre auf das weibliche auszudehnen.

Supergöre

Auch ich fand während meiner Filmstudienzeit Ende der 90er Jahre in den USA, dass es dafür Zeit wäre und hatte so eine Geschichte kreiert, in der Supermann mal eine Affäre mit einer Australischen Olympia-Schwimmerin hatte und die Frucht dieser Begegnung mit Einsetzen ihrer Periode von ihren Superkräften überwältigt wird. Nach verschiedenen Besuchen bei Ärzten und Psychologen, die alle erklären, dass dies keine vorübergehende Erscheinung der Pubertät ist und in der Tat außergewöhnlich, rückt dann Mutti mit der Sprache heraus und erzählt, dass sie mal eine Nacht mit einem Amerikaner mit rotem Umhang verbracht hat…

Daraufhin entschließt sich die Heldin ihren Papa aufzusuchen – natürlich entgegen dem Wunsch der Mutter, aber wer kann sich schon gegen einen Teenager mit Superkräften durchsetzen? Also reißt sie nach Amerika und lernt dabei mit ihren Fähigkeiten immer besser umzugehen – zieht allerdings auch die Aufmerksamkeit gegnerischer Kräfte (das Genre erfordert diese) auf sich. Das ganze kulminiert darin, dass sie auf der Suche nach ihrem Vater direkt in die Arme ihrer Feinde läuft, nur um festzustellen, dass diese bereits Superman in ihrer Gewalt haben. Aber gemeinsam schaffen sie es (natürlich) sich zu befreien und die Welt erneut zu retten.

Zwei Dinge setzten der weiteren Entwicklung dieser schönen Idee ein Ende. Zum einen erklärte der Professor, in dessen Kurs ich das Konzept entwickelt hatte, dass die Rechte an Supermann und allem, was da dran hängt, bei DC-läge (Detective Comics) und dass sie diese Rechte nie abtreten und auch nicht bereit seien, Vorschläge, die nicht exakt den Regeln für ihre Superhelden entsprechen – die ja etablierte Charaktere im Marvel-Universum sind – akzeptieren würden. Und meine Supergöre würde da deutlich aus dem Rahmen fallen.

Des weiteren meinte ein Kommilitone, es gemahne ihn an den Roman Carrie von Stephen King, in dem eine sechzehnjährige von klein auf und erst recht ab ihrer ersten Periode massive telekinetische Fähigkeiten entwickelt. Wie bei Stephen King üblich eskaliert das ganze auf äußerst gruselige Weise und endet mit einem Massaker, bei dem auch die Heldin stirbt. Solche Assoziationen zu wecken, hatte ich natürlich überhaupt keine Lust.

Aber auch ich erlag damals der Verführung, einfach eine Frau mit supermännlichen Kräften auszustatten.

Heute frage ich mich, ob mich das als junge Zuschauerin wirklich inspiriert hätte – ich meine sicher würden ein paar Mädels daraufhin mehr Neugier auf Kampfsport etc. haben, aber das war nie meins. Das wirft also die Frage auf, welche superweiblichen Kräfte denn wirklich inspirierend und so motivierend wären, dass man Lust hätte mit ihrem Einsatz unsere Welt zu einer besseren zu machen. Denn das ist ja immer das Ziel aller Comic-Helden!

Und ja, natürlich fände ich es spannend, Telekinese zu beherrschen, wie Carrie oder, die klassischen Supermanfähigkeiten, wie fliegen – mit Cape und ohne hängen zu bleiben – Den Röntgenblick, das Supergehör, die relative Unverwundbarkeit und natürlich die Superkraft: die Einkäufe mit dem kleinen Finger tragen zu können und falls nötig, das Auto hochkant parken zu können hätte seinen Reiz.

Aber trotzdem sind das irgendwie supermännliche Fähigkeiten: die gewaltige Körperkraft, und immer wieder der Kampf für Gerechtigkeit und das Beenden von kriegerischen Auseinandersetzungen indem man alles in Schutt und Asche legt – das finde ich nicht nur unbefriedigend, sondern irgendwie auch langweilig!

Echte weibliche Superkräfte

Aber was wären denn Möglichkeiten, mit weiblicheren Superkräften Ordnung in unsere chaotische, gewaltvolle und ungerechte menschliche Welt zu bringen? Und damit meine ich nicht Telekinese wie bei Mary Poppins oder der bezaubernden Jeannie die mit einem Zwinkern mal eben das Kinderzimmer auf Vordermann bringen oder den Haushalt mit einem Kopfnicken erledigen.

Nach einigem Nachdenken habe ich mich für folgende entschieden:

  • Gefühle dekodieren können, bzw. ihren Ursprung erkennen können und damit die Ursache jeglichen Konflikts
  • Menschen von der Angst ins Mitgefühl führen können  – ein Gegner wird ziemlich ohnmächtig, wenn man auf seine Schwäche, seinen Schmerz fokussiert…
  • Durch zärtliches Hand auflegen oder einen warmen Blick heilen können
  • Jegliche Waffen durch einen Blick unschädlich machen zu können.
  • Schwierige Aufgaben in Gemeinschaft bewältigen, wenn z.B. der bedrohliche Tanker durch die Hilfe von Walen unschädlich gemacht wird
  • Mit einer Geste Landschaften wieder ergrünen lassen zu können – aus Kriegsschauplätzen blühende Gärten machen können!

In Anlehnung an meine aktuelle Forschung, was denn nun diese spezifische weibliche Energie, die sich derzeit in unserem kollektiven Bewusstsein Bahn brechen will, würde ich außerdem – wenn ich könnte – ALLE Superhelden dazu ermutigen, künftig von Gewalt und Zerstörung abzusehen und einen weiblicheren, vielleicht softeren, aber sicher auch nachhaltigeren Weg zu wählen:

Denn meiner Meinung nach ist jeder Bösewicht nur böse, weil er zutiefst verletzt und gekränkt wurde, das zu heilen und Vergebungsarbeit zu machen, wäre sicher lohnender, als sie einfach nur auszuschalten. Des weiteren fände ich Kooperation spannend, nicht nur zwischen den Superhelden und die findet ja immerhin auch schon statt, z.B. bei den Fantastic Four usw.) sondern vor allem zwischen den Menschen und ein Schulen ihres Bewusstseins darin, dass viele Menschen gemeinsam durchaus eine Superkraft darstellen können!

Richtig schick wäre auch, wenn sie eine solch friedvolle Kraft ausstrahlen würden, dass keiner mehr Lust auf Kampfeshandlungen hat – gibt es eigentlich Buddha schon als Superhelden? Natürlich auch Liebe und Schönheit – welche Superkräfte daraus erwachsen können, auch für Menschen, weiß jeder, der liebt und von Schönheit schon nachhaltig und zutiefst berührt wurde.

Und wer mir jetzt entgegenhalten möchte, dass das aber weniger unterhaltsam ist und weniger Action erfordert, dem entgegne ich, dass ich absolut sicher bin, dass man das reizvoll visuell umsetzen kann und auch bei mehr psychologischem Tiefgang nicht mehr Dialog braucht. Im Gegenteil. Außerdem bin ich der ewigen Kriegsszenen müde – ich fände visuell den Einsatz von Fischen bei der Rettung der Ozeane oder der Vögel zur Rettung der Lüfte viel origineller!

Ich bin sicher, da ist noch viel Spielraum – und ich bin gespannt, wie sich das Genre weiterentwickelt und welchen Wandel Wonder Woman und Kollegen noch erfahren werden – denn gerade die Comicheftliteratur spiegelt unseren Zeitgeist besonders deutlich…

Das weibliche Bewusstsein der Schöpfung

Readymade: the breath of the goddess
the breath of the goddess | Holzboote – vergoldet, Salbei und Zeder aus Taos – New Mexico | 2016 born in Timmendorfer Strand

Die Bilder von der Kunstaktion 1000 Gestalten, einer Art stiller Demonstration während des G20 Gipfels am 5.7.17 in Hamburg haben mich tief berührt. Auf eindrückliche Weise zeigt sie die Ohnmacht der vielen einzelnen, die zunächst als graue, anonyme Masse sich dann – Mensch für Mensch – und doch auch gemeinsam befreien und die Macht der Vielen durch Gemeinschaft offenbaren. In tiefer Ruhe, friedlich und äußerst kraftvoll vermittelten diese Performancekünstler eine äußerst starke Botschaft: der Mensch ist mehr als nur seine Funktionen und Rollen und sehnt sich nach Frieden und Freiheit… Dann fielen mir Yael Deckelbaum, Miriam Toukan und die „Women Wage Peace“ Bewegung ein – wieder Kunst, diesmal Musik, die in den Dienst des weltweiten Friedens gestellt wird. Und immer wieder ist die Rede vom Erstarken des Weiblichen in der Welt. Gibt es da einen Zusammenhang?

Beim weiteren Nachdenken über dieses Thema fiel mir meine gute Freundin Casmina Magdalena Haas ein, die ich nicht nur sehr als Freundin schätze, sondern auch als Künstlerin. Ich empfinde sie als wahrhaft weiblich und wenn mich jemand fragen würde, ob es so etwas, wie eine weibliche Kunst gibt, dann würde ich unbedingt auf Casmina verweisen.

Außerdem ist Casmina seit ihrer Kindheit hochgradig hellsichtig und hellhörig und in der Lage, den Schöpfungsimpuls selbst in seinen vielfältigen Gestalten wahrzunehmen. Sie kann buchstäblich mit allem telepathisch kommunizieren, was beseelt ist – wenn es auch mit ihr kommunizieren will… Hunde sind beispielsweise oft sehr mitteilsam, Katzen dagegen eher verschwiegen… Aber Casmina „spricht“ auch mit Steinen, Pflanzen, Wüsten, Meeren und Bewusstseinsformen, für die wir gar keine Worte haben, die jedoch dennoch Teil unserer Welt sind und oft mit uns in Wechselwirkung stehen. Die meisten Menschen haben dafür  leider keinen Sinn, Casmina mit ihrem erweiterten Bewusstsein jedoch schon und also fand ich es als naheliegend, sie einmal zu den Themen Kunst und Weiblichkeit in unserer Zeit zu befragen:

Welche Aufgabe hat Kunst deiner Meinung nach für den Menschen?

Kunst ist ein Werkzeug unseres ureigenen inneren Feldes, uns selbst und das, was wir sind, in der Welt sichtbar und erfahrbar zu machen. Kunst führt uns, als Schöpfer sowie als Betrachter, im Optimalfall in das Zentrum unserer eigenen Kraft. Sie erinnert uns an das, was wir sind und an das, was durch uns in der Welt platziert und verankert werden kann.

Kunst ist ein Mittel der Schöpfung in uns und durch uns hindurch. Sie erstreckt sich in alles hinein, was aus der Schöpfung heraus Leben erhält. 

Gemälde: female release
female release | Erde, Piniennadeln, Gold, Acryl, Kreiden auf Leinwand Panel | 30 x 30 cm | 2015 born in Orange Grove, Tucson – Arizona

Meine Kunst entsteht in Zusammenarbeit mit dem Schöpfungsfeld der Erde, das heißt der Natur und exponiert auf diese Weise den heiligen Raum materialisierten Lichts. Und zwar in jedem von uns, in allem was lebt und vor allen Dingen, in dem, was wir nicht erklären, aber erfühlen können. Durch meine Liebe zum Feld der Kreativität, die unser Universum, unsere Erde und auch uns selbst ständig erschafft und erneuert,  bündelt meine Kunst den schöpferischen Ausdruck des Lebens selbst. Meine Kunst dokumentiert mit all meiner Liebe den unermüdlichen heiligen Kreislauf von Leben und Sterben und Neuwerdung.

Die Idee und Umsetzung der interdimensionalen Kunst (Bezeichnung für ihr derzeitiges Werk, Anm. E.) entstand auf meinem langjährigen künstlerischen Weg. Sowohl aus dem konkreten Schöpfungsprozess heraus, als auch aus meiner Liebe zur Natur, zur Erde, zum Leben selbst  und besonders dem tiefen Raum des Ursprungs eines jeden Neubeginns, der wiederum Leben erschafft.

Aus dieser Begeisterung heraus reise ich um die Welt, gehe in die Kommunikation mit Regenwäldern, Wüsten, Bergen, Kontinenten… Während meiner meditativen Retreats in diversen Ländern entsteht in dieser sensiblen und gleichzeitig kraftvollen Begegnung mit der Erde und ihren Schöpfungen meine Kunst. Dabei sammele ich Hölzer, Gräser, Sand, Steine, Blätter, Federn, Tierfelle, Knochen usw. in der Natur. Diese webe ich in meine Kunstwerke ein, seien es Bilder, Installationen oder Readymades (zum Kunstobjekt erklärte Gegenstände, die Casmina in besonderer Weise arrangiert oder gestaltet, Anm. E.) Oftmals entstehen auch aus den gesammelten Naturmaterialien heraus eigenständig Kunstwerke. Dabei erlebe ich mich in einer schöpferischen Synthese mit dem materialisierten Leben selbst. In dieser Weise wurden in den letzten Jahrzehnten rund um die Welt meine Werke geboren. Diese sind immer auch ein Verweis auf die besondere Energie, Geschichte, aber auch das Potenzial einer bestimmten Landschaft, eines Landes oder Kontinentes.

So drückt sich die Erde durch mich als Teil des Weiblichen aus. Als Teil dessen, was wir alles sind – ein immer noch unerforschtes Wunder des Lebens selbst, welches niemals wirklich verstanden, aber umfassend empfunden und so erlebt werden kann. Meine Kunst ist ein Verweis auf die Unendlichkeit der Schöpfung selbst und – im Optimalfall  – eine tiefe Erinnerung an das, dem wir uns nur hingeben können, dem Leben, dem „Göttlichen“ und der unendlichen Ewigkeit…

Readymade: das Monumentale muss nicht groß sein
das Monumentale muss nicht groß sein | Holz, Rosenquarz – vergoldet | 2016 born in Timmendorfer Strand

Deine Werke heißen: „Atem der Göttin“ oder „Freiheit der Erdseele.“ Wie kommst du zu diesen Titeln?

Die Titel meiner Arbeiten entstehen aus dem Prozess des Erschaffens heraus. Oder während des Schöpfungsprozesses, indem immer mehr und mehr fühlbar wird, was für eine Frequenz des Lebens sie transferieren. In einigen Fällen offenbart sich die Intention, die einem Kunstwerk innewohnt, im Zusammenspiel mit einem Betrachter oder häufiger noch einem Käufer, der in der Regel immer eine sehr intime und gefühlsbetonte Beziehung zu einem Werk von mir entwickelt.

Was glaubst Du, warum das Weibliche gerade so hoch im Kurs ist?

In der heutigen Zeit dehnt sich die Sehnsucht nach der Wahrheit unseres Lebens immer mehr aus, da Religion, Gesellschaft und Wissenschaft an ihre natürlichen Grenzen stoßen. Die Kunst ist das Feld, durch das wir bewusst an der Schöpfung teilnehmen können. Durch die Kunst geben wir der Schöpfung in unserem Leben und in unserer Gesellschaft mehr Raum.

Das weibliche Feld erinnert uns gerade heute an die Tiefe des Friedens alles Seienden. Ganz natürlich und wie selbstverständlich, erschafft es immer wieder aus sich selbst heraus Leben und läßt es weiterfließen.

Das Weibliche in der Kunst ist ein Feld, welches in der Tiefe weiß, aber nichts will. Es ist ein stiller Raum, der jenseits aller Worte durch Manifestation ständig über die Schönheit, Würde und Einzigartigkeit jeder Schöpfung informiert. So können wir wieder an das Wunder angeschlossen werden, welches wir als Teil der Schöpfung selbst sind.

Diese Rückanbindung, kann uns die Einsicht schenken, dass es nichts zu verbessern gibt. Es geht nur darum, die Fülle und die Freiheit, die der Schöpfung inne wohnt, anzunehmen und miteinander zu teilen. In und durch dieses Kraftfeld ist Frieden nicht nur möglich, sondern eine natürliche Konsequenz der Achtung vor dem Leben selbst. Das kann jeder einzelne von uns und gemeinsam verstärkt es sich. Ist das nicht wunderbar?

Gemälde: freedom of the earth soul
freedom of the earth soul | Federn, Gold, Sand, Acryl, Öl auf Leinwand Panel | 30 x 30 cm | 2016 born in Tucson – Arizona

Über Casmina Magdalena Haas und ihr Werk:

Von Beginn unserer Freundschaft an, war die Erforschung der Kreativität und gerade von Frauen als Schöpferinnen eines unserer Lieblingsthemen. Immer wieder durfte ich beobachten, wie Casminas Arbeiten entstehen und sich im Laufe ihrer Entwicklung wandeln. Von jeder Reise bringt sie neue Impulse, neue Bilder und neue Readymades mit.

Immer deutlicher wurde dabei ein Aspekt, der all ihren Werken seit 2012 auf besondere Weise inne wohnt: ein materieller Ausdruck der Ehrerbietung an unsere Natur und die Schöpfung selbst. Sie scheinen beinahe wie Gestalt gewordene Gebete der Liebe, Verehrung und Dankbarkeit. Es geschieht häufig, dass Menschen beim Anblick ihrer Werke die Tränen kommen oder sie ganz still werden, als ob sie in eine sakrale Sphäre eingetaucht sind. Tatsächlich wird in gewisser Weise jeder Raum, in dem sich ihre Kunst befindet und ihre Kraft entfalten kann, im besten Sinne heilig und kann diesen regelrecht zu einem Heilraum machen. Denn wer dafür offen ist, kann in seinem tiefsten inneren Wesen berührt werden und erinnert sich so daran, wer er in Wahrheit ist. Das ist eine zutiefst heilsame Erfahrung.

Inzwischen ist beobachtet worden, dass Casminas Bilder im Dunkeln leuchten – ohne Blitz fotografiert scheint es, als wären sie Lampen. Diese offensichtlich besondere Kraft, die ihre Werke ausstrahlen ist mittlerweile von einem Radiästheten gemessen worden. Er stellte fest, dass ihre Bilder und Skulpturen Werte von bis zu 200.000 Boviseinheiten erreichen. D.h. sie erhöhen die Frequenz ihrer Umgebung mit einer Reichweite von bis zu 20 Kilometern. Sensitive Menschen können die Strahlung ihrer Heilkraft oft  wahrnehmen. Tatsächlich können die Bilder im Betrachter den persönlichen Zugang zur Schöpfung und die heilige Präsenz alles Seienden eröffnen und damit die Frequenz der universellen Liebe in den Herzen der Menschen.

Nach Studien der Malerei an der Kunstakademie in München und der Hochschule der Künste in Bremen ist Casmina seit 2000 freischaffend als Künstlerin tätig. Derzeit lebt und arbeitet sie an der Ostsee und auf der ganzen Welt. Fast überall, wo sie dem Gesang der Schöpfung lauscht und diesem in ihrer Kunst auf einmalige Weise Ausdruck verleiht, hat sie ihre Werke auch ausgestellt, ob in Deutschland oder Amerika, den Arabischen Emiraten oder Indien und an vielen anderen Orten auf der ganzen Welt! So verbreitet sich die besondere Frequenz des Friedens, der Harmonie und des Feierns der Schöpfung, die Casminas Werk und Wesen auszeichnen, auf natürliche, sanfte und doch nachhaltige Weise immer weiter. So kann Kunst immer weiter zu Frieden und Freiheit führen – auf einem wahrhaft weiblichen Weg!

Readymade: und sie träumen fort und fort...
und sie träumen fort und fort… | Engelsflügel aus Gips – vergoldet, Kojotenköpfe | 2016 born in Timmendorfer Strand

Anmerkung: 

Diese zweidimensionalen Abbildungen werden der tatsächlichen Kraft der mehrdimensionalen Kunst leider kaum  gerecht. Auf Casminas eigener Webseite gelingt dies viel besser  und mehr Informationen über sie gibt es dort auch!

Kraftquelle Haar – Teil 2: Haarige Zeiten

Das Thema scheint merkwürdig banal im Angesicht all der derzeit viel welt-bewegenderen Themen, wie der neuen amerikanischen Präsidentschaft, den Debatten über Fake-News, den Gerüchten über einen dräuenden weltweiten ökonomischen Kollaps und die irgendwie ersehnte, aber auch gefürchtete Neuordnung der Welt. Dem werde ich mich sicher widmen. Aber jetzt erst mal was eher Banales… Etwa im Geiste dessen, was eine liebe Freundin mal vor Jahren zu mir sagte: „Gerade wenn es einem schlecht geht, ist ein vernünftiger Lippenstift von großer Wirkung.“ Und entgegen der meist verpönten Haltung, dass wenn es „ernst“ ist, Äußerlichkeiten nicht so eine Rolle spielen sollten…nach dem Motto: die innere Schönheit zählt usw.

Stimmt natürlich, doch auch die drückt sich eben in der Regel auch im Außen aus – bzw. jemand, der mit sich im Reinen ist, sich selbst bedingungslos liebt..strahlt das auch aus und das macht ihn oder sie auch schön…und noch schöner werden alle, wenn sie geliebt werden… Und letztlich läuft alles auf einen bewussten Umgang mit dem eigenen Wesen und dem anderer hinaus und das schließt auch das Erscheinungsbild und eben Haare mit ein!

Meine persönliche Haltung dazu hab ich ja bereits geschildert. Jetzt folgt der versprochene allgemeinere Artikel zum Thema, den ich allerdings eher kurz halten werde – denn interessanterweise gibt es dazu inzwischen jede Menge Material online.

Alte Zöpfe

Jeder kann problemlos im Internet die berühmte Bibelepisode von Samson nachlesen und Dalilas den ihm kräfteraubenden Haarschnitt, oder die Geschichte von Rapunzel, die sich mit ihren langen Flechten einen Prinzen geangelt hat und auch von Feen, die mit ihren Haaren Netze spannen oder von Fledermäusen, die sich angeblich in unordentlichen Frisuren verfangen…

Und auch die Geschichte der Haarmode ist vielfältig dokumentiert – in verschiedenen Ländern, zu verschiedenen Zeiten. Beispielsweise, dass zu Zeiten des römischen Reiches sich reiche Römerinnen die Schädel kahl rasierten, nur um dann Perücken aus den blonden Flechten der eroberten Germaninnen zu tragen…

Es gab Zeiten und Kulturen, in denen totale Entfernung des Körperhaars als wichtig war und es zu behalten als primitiv galt, wie bei den alten Ägyptern. Aber auch Zeiten und Kulturen, wo das Schneiden der Haare ein Sakrileg darstellt, wie z.B. bis heute in der Religion der Sikhs, wo langes ungeschnittenes, gepflegtes Haar u.a. eine Respektsbekundung gegenüber der Schöpfung darstellt.

Und auch in der Moderne setzt sich die modische Bedeutung von Haartracht fort. Dank moderner Medien so weit, dass bestimmte Frisuren, ein bestimmter Look nach der Person benannt oder grundsätzlich mit ihr assoziiert werden, die als erstes die Welt damit beglückte. Wie z.B. die legendäre Bienenkorb-Frisur von Audrey Hepburn im Kinofilm „Frühstück by Tiffany´“ in den Sechziger Jahren oder in den Siebzigern der „Afro“ der afro-amerikanischen Schauspielerin Pam Grier und die silberblonden Wellen der Seriendarstellerin Farrah Fawcett in „Drei Engel für Charlie“, die als „Farrah Flicks“ in die Haargeschichte eingingen.

Neue Zöpfe

Und jüngst fiel wieder auf, dass nach der letzten Fußballeuropameisterschaft plötzlich noch mehr junge Männer in Berlin allen Alters und ethnischer Herkünfte, ihre Haare wie der walisische EM Teilnehmer Gareth Bale trugen. Ein etwas eigentümlicher pseudo-ethno Look: Bei der das vordere Deckhaar länger ist als hinten und dann mit einem Gummi zusammengeknotet wird, was entfernt an den Deckel und die Silhouette einer Teekanne erinnert.

Zu den aktuell interessanten Entwicklungen in der Haarszene gehört meines Erachtens, dass seit einigen Jahren Bärte wieder in sind, überhaupt unter Männern so ein „Nerd-Look“ mit viel Haar überall und am besten noch einer Brille.

Dann, dass das eine wachsende Anzahl von weißen westlichen Männern, sich auch die Kopfhaare länger wachsen läßt und sich Frisuren bedient, die sonst eher mit Frauen assoziiert werden: komplizierte Zöpfe, Dutt und andere Frisuren um die Haare hoch- oder zurückzubinden, mit Kämmen, Klemmen und Bändern. Erwähnenswert hier auch der Amerikaner Burt Rutherford mit seinem Clip „The Man Braid“, wo er auf lustige und charmante Weise den „Herrenzopf“ propagiert. Nicht im Sinne des Perückenzopfs, wie wir das von Barockgemälden kennen…Sondern eine virile Form, wie man sie sich bei einem gepflegten alten germanischen Kriegers vorstellen kann. Es muss hinzugefügt werden, dass Langhaarfrisuren unter Männern in anderen Kulturen und Ethnien durchaus weit verbreitet sind.

Inzwischen gibt es auch die ersten alleinerziehenden Väter die an Kursen teilnehmen oder inzwischen selbst geben, wie sie ihren Töchtern die erwünschten Frisuren selbst machen können. Mehr als ein Vater hat so festgestellt, dass er nicht nur im Umgang mit Hammer und Kochlöffel Geschick hat, sondern auch mit Haarbürsten und Seidenschleifen.

Ich würde zu sagen wagen, dass wir nun endlich so weit sind, dass auch an der Front Männer endlich auch mit dem Kopf in weibliche Territorien vordringen. (Die Doppeldeutigkeit ist zwar nicht ausdrücklich beabsichtigt, aber natürlich herrlich passend.) ohne sofort als Hippie verschrien zu werden oder durch entsprechende Vorurteile an Männlichkeit einzubüßen. Im Gegenteil! Lange Haare bei Männern können genauso sexy wirken, wie bei Frauen…vorausgesetzt es steht dem/der Trägerin.

Doch neben dem, was gut aussieht, oder dem, womit er oder sie sich wohlfühlen und es also als authentischen Ausdruck ihrer Selbst empfinden, gibt es noch einige andere, interessante Aspekte, die vielleicht den bewussten Umgang mit den eigenen Haaren erhellen und unterstützen können.

Haare als Antennen der Seele

Geradezu legendär ist in diesem Zusammenhang ist folgende Geschichte, die aus den frühen Neunzigern stammt, und vor etwa sechs Jahren ihren Weg ins Internet fand und seitdem dort kursiert. Wer Indianer, Haare und Vietnamkrieg in die Suchmaschinen eingibt, wird sie sicher finden. Hier eine Kurzversion: Zu Zeiten des Vietnamkriegs ließ das amerikanische Militär junge Indianer rekrutieren, die besonders begnadete Fährtensucher und Überlebensexperten auf schwierige Gebiet waren. Diese jungen Indianer mussten dann natürlich zu Soldaten werden und entsprechend wurden ihre langen Haare zugunsten des militärischen Kurzhaarschnitts gestutzt. Doch als sie dann zum Einsatz kamen, versagten sie kläglich. Auf die Frage, warum es ihnen nicht mehr gelang, den Feind „zu fühlen“ erklärten sie, dass sie seit dem Abschneiden ihrer Haare dies nicht mehr könnten. Es folgten entsprechende Untersuchungen, die bestätigten, dass ein Indianer mit langen Haaren zuverlässig Fährten aufspüren konnte, doch sobald ihm die Haare kurz geschnitten wurden, kläglich scheiterte. Dies führte dann dazu, dass diesen indianischen Rekruten künftig erlaubt wurde, ihre Haare lang zu tragen. Und interessanterweise begannen auch alle Männer, zum Teil sehr konservative Wissenschaftler, nach dieser Forschungsarbeit ihre Haare lang wachsen zu lassen und trugen Bart.

Einer lieben medialen Freundin wurde von der geistigen Welt davon abgeraten, ihre Haare allzu kurz zu schneiden – um ihre Empfangssicherheit zu garantieren. Allerdings hab ich bisher keine Informationen darüber gewonnen, ab welcher Länge die Haare ihre Antennenkraft entfalten.

Vielleicht sollte einem in diesem Zusammenhang auch zu denken geben, dass es in Indien Frauen noch immer ihre Haare vorwiegend lang tragen und auch Männer dies lange taten – und sie Vertreter einer metaphysisch höchst reichhaltigen Kultur sind – inklusive einer Heerschar von langhaarigen Göttern und Göttinnen…

Dieses Thema wird übrigens auch im US-Film Avatar (2009) aufgegriffen, wo die langen Haare auch ein Sinnesorgan nicht nur in der Wahrnehmung, sondern auch im Ausdruck sind.

Die Haare der Erde

Einer lieben anderen medialen Freundin teilten sich die Erdkristalle mal mit der Bemerkung mit, sie seien die „Haare“ der Erde. Und Kristalle sind bekanntermaßen ein Speichermedium.

Tatsächlich kann eine Haaranalyse schon auf wissenschaftlicher Ebene physischen Aufschluss geben: über die DNS (und also biologische Herkunft) geben, sowie auch über den Gesundheitszustand der betreffenden Person zum Zeitpunkt des Haarverlusts. Aber auch metaphysisch ist die Macht der Haare, gar der einzelnen Haare enorm, wenn man sie anzuzapfen weiß. Haare spielen bei Voodoo-Ritualen eine Rolle und einem psychokinetisch fähigen Menschen können sie eine Menge über den Besitzer verraten.

Außerdem speichern sie natürlich auch unsere Geschichte und gerade wenn diese jüngst von unangenehmen Ereignissen erschüttert wurde, haben wir oft das Bedürfnis, uns die Haare schneiden zu lassen…Auf dass „das Alte“ gehen darf. Aber Vorsicht, wie viel abgeschnitten werden soll: viele Frauen empfinden regelrecht körperliche Schmerzen, wenn es dann zu kurz wird und nicht nur, weil die eigene Schönheit verringert scheint.

Meine Frisörin, die sich selbst auch als eine Art ‚Haar-Schamanin‘ empfindet meinte auch mal zu mir, dass unsere Haare den Kontakt zur Erde stärken. Sie habe beobachtet, dass Frauen, die sich entscheiden ihre Haare länger wachsen zu lassen zunächst mal ein bißchen zunehmen – als ob sie an ‚Schwerkraft‘ und ‚Materie‘ dazu gewännen. Es sind natürlich nicht die Haare, die den Gewichtszuwachs ausmachen, sondern nur auslösen: der gesamte Körper nimmt an Gewicht zu.

Aber, wie immer, muss das nicht unbedingt so sein. Es gibt schließlich auch immer wieder Ausnahmen, von Menschen die mit wenig oder gar keinem Haupthaar eine grandiose Erdanbindung haben und/oder metaphysisch bestens vernetzt sind, wie so mancher kahlköpfiger Guru beweist. Genauso wie auch längst nicht jeder Langhaarträger automatisch sensibler und für metaphysisches empfänglicher ist. Die Haare allein sind´s sicher nicht…

Der Trend hält weiter an

Obwohl ich ein großer Fan der alten Friseurweisheit bin, „Bei kurzem Haar geht´s ums Gesicht, bei langem Haar um die Haare“ war ich meiner etwa 15 Jahre währenden Pagenkopffrisur vor drei Jahren schließlich überdrüssig. Ich ließ meine Haare wachsen und nehme den deutlich höheren Pflegeaufwand in Kauf. Ob das länge Haar allerdings meine medialen Fähigkeiten verändert hat, kann ich nicht sagen.

Trotzdem glaube ich, dass es bei diesem Trend um mehr geht, als nur um eine modische Entscheidung. Mein Gefühl ist, dass es eine Begleiterscheinung eines allgemeinen Trends ist, weg vom Künstlichen zum Natürlichen, wie wir das ja auch seit einer Weile in der Ernährung und der Popularität von Biosupermärkten erleben.

Und wenn es die Sehnsucht nach dem Natürlichen ist, der Natur und der natürlichen Ordnung der Dinge, gehört dazu vielleicht auch, dass wir (wieder) gesunde Männer und Frauen sein können und wollen, die sich auch als solche auf Augenhöhe begegnen können. Ob nun er nun einen Rock trägt und einen langen Zopf und sie einen Kurzhaarschnitt und einen Anzug…oder umgekehrt oder in sonst irgendeiner Kombination. In jedem Falle, frei zu sein, wer man gerade ist, unabhängig von Konventionen! Das ist sicher eine lohnende Perspektive – und ich glaube, dieser Trend hält langfristig und weltweit an, egal wie viel Widerstand ihm auch kurzzeitig gerade irgendwo begegnen mag.

Kraftquelle Haar – Teil 1: Färben oder nicht färben?

Dieser Blog sollte eigentlich eine aktuelle Bestandsaufnahme zum Mythos Haare sein… aber, wie das immer so ist, wenn man seinen Fokus auf ein bestimmtes Thema lenkt, so drängt sich auch der persönliche Bezug ins Bewusstsein und also habe ich mich auch mal wieder mit meinen eigenen Haaren auseinander gesetzt… Und so ist dieser Blogeintrag schließlich zum Zweiteiler geworden. Der erste Teil widmet sich meinen persönlichen Fragen, der zweite eher einer allgemeinen Betrachtung. Aus jüngsten Erfahrungen drängt sich mal wieder die  fundamentale Frage für mich auf: Färben oder nicht färben?

Die Macht der Natur

Die, die mich kennen, wissen, dass die Grauhaarigkeit bei mir mit auf natürliche Weise Mitte zwanzig begann – damals hab ich natürlich noch gefärbt… Diese ganze Geschichte habe ich schon vor drei Jahren in meinem alten Blog mit dem Titel „Powergrau“ niedergeschrieben. (Siehe unten)  Und damals war ich noch uneingeschränkt der Meinung, dass man die konditionierte Wahrnehmung von Grauhaarigkeit = alt,  wandeln könnte und dachte, dass die vielen Menschen, die sich die Haare aus modischen Gründen grau färben ein ermutigender Ausdruck dessen sind. Denn um die Haare grau zu färben muss man es wirklich wollen und bereit sein, Zeit und Geld zu investieren – das ist mit einer Schnellpackung vom Drogisten nicht getan.

Ich persönlich färbe seit nunmehr neun Jahren nicht mehr und finde es in vielerlei Hinsicht wunderbar: kein finanzieller und zeitlicher Stress mehr mit den Biofärbemitteln. Es gibt da natürlich ganz wunderbare, die hinterher super aussehen und auch für den Stoffwechsel keine Belastung sind. Doch sind sie für jemanden, wie mich, bei dem die weißen Haaransätze spätestens nach zehn Tagen schon wieder sichtbar werden – eine kostspielige Angelegenheit und da die Einwirkzeit vier Stunden berät eben auch zeitaufwendig. Und außerdem liebe ich Natürlichkeit und Authentizität…

Ungefärbt und lang

Außerdem habe ich Glück, mein Haar ist voll und kräftig und nachdem ich zehn Jahre lang einen Pagenkopf trug, stand mir der Sinn nach was anderem und so habe ich inzwischen so etwas wie eine über schulterlange Silberfuchsmähne. Weil mir das glücklicherweise einigermaßen steht und meine Gesichtszüge ansonsten vielleicht sogar jünger wirken, als ich tatsächlich bin, ist dies eine wilde Mischung, die vielen gefällt oder mindestens auffällt. Tatsächlich drehen sich gelegentlich sogar Menschen auf der Straße nach mir um oder starren mich in der Bahn unverhältnismäßig lange an…

Am meisten Eindruck macht dies bei Frauen und so manchen Männern, die mein Bekenntnis zum grauen Haar aus verschiedenen Gründen mutig finden. Und ganz besonders anziehend finden das viele Männer, die sich bereits dem Pensionsälter nähern oder schon längst darin sind…

Und das ist mein Problem: Oft stelle ich fest, dass die meisten Männer sich in der Regel für jüngere Frauen begeistern, und/oder für jene, welche Unschuld, Frische und Jugendlichkeit ausstrahlen…

Die Macht der Konditionierung

Ich wußte, als ich aufhörte zu färben, dass ich damit umgehend mindestens zehn Jahre älter aussehen würde als ich tatsächlich bin… und dachte jetzt, mit beinahe fünfzig, würde es allmählich stimmig wirken. Aber weit gefehlt: denn jetzt habe ich ein wenig die Aura der „weisen, alten Indianerin“ was sicherlich grundsätzlich attraktiv ist, aber womit ich offenbar oft aus dem Beuteschema vieler Männer falle, die ich meinerseits attraktiv finde.

Denn die unterbewusste Konditionierung „Frau mit grauem Haar = Großmutter“ greift auch bei Männern, die es natürlich eigentlich besser wissen. Doch wir wählen unsere potentiellen Partner zunächst einmal nicht mit dem Verstand – irgendeine kryptische multidimensionale Chemie aktiviert sich…die zu entschlüsseln Parfumeure, Modedesigner und Datingcoachs, Sexualtherapeuten und Heiratsvermittler seit Beginn unserer Paarkultur zu ergründen versuchen…

Aus lauter Ratlosigkeit nennen wir das Magie und die läßt sich vielleicht ein bißchen verstärken oder schwächen aber nicht grundsätzlich und auf Dauer manipulieren. Da greifen Dynamiken, die wir bisher noch nicht vollkommen erfassen können und irgendwie ist das ja auch beruhigend, denn dann spielt letztlich auch die Haarpracht nur noch eine untergeordnete Rolle… Wenn´s passt, passt´s, wenn nicht, eben nicht.

Chancen erhöhen!

Doch um herauszufinden, ob „es“ passt oder nicht, muss ja erst einmal ein gewisser Kontakt zustande kommen und genau da hakt es gerade bei mir. Denn obwohl ich nicht im mindestens Lust habe, meine Haare zu färben, habe ich noch viel weniger Lust, bei den Beutekategorien ständig weiter in der Rentnerrubrik zu landen. Also habe ich mir Input von Freunden und Freundinnen geholt und natürlich erklären die einen, sie würden unbedingt färben, oder wenigstens tönen oder Strähnchen machen lassen… Die anderen erklären, ich könnte mich doch keineswegs nur wegen des „Markts“ und für potentielle Partner verbiegen… Und die ganz schlauen erklären, maßgeblich sei doch das Gefühl meiner eigenen Attraktivität: wenn ich mich selbst – egal wie – attraktiv und sexy fühlte…würde sich das doch auch möglichen Interessenten vermitteln! Und schließlich gibt es noch jene, die vorsichtig darauf hinweisen, dass ich vielleicht Männern, die mich interessieren, meinerseits deutlichere Signale zur Kontaktbereitschaft geben müsste, damit sie zwischen all den Häschen, Gazellen, Löwinnen  und sonstigen Beutetieren…durchaus auch mal eine Silberfüchsin in Erwägung ziehen können.

Ich bin in mich gegangen und habe entschieden, dass das Färben meiner Haare für mich wirklich nicht in Frage kommt. Allerdings habe ich gezielt meinen Kleidungsstil überprüft, damit er weder der Kategorie „Spätes Mädchen“ noch der Kategorie „Flotte Oma“ entspricht, entschieden doch gelegentlich etwas mehr Make-Up zu benutzen,  und mir auch vorgenommen, noch selbstbewusster zu meinem Äußeren zu stehen… in der Absicht künftig weniger das Bild der weisen, abgeklärten, alten Indianerin in anderen zu erwecken, sondern dass einer klugen, forschungsfreudigen, abenteuerlustigen und sinnenfrohen Frau im besten Alter!

POWERGRAU

Mein erster Artikel zum Thema vom 23. März 2013, aus meinem alten Blog „Notizen einer Alltagsgöttin“.

Heute fiel mir zum ersten Mal eine Anzeige in der Zeitung für „Powergrau“ auf – eine deutsche Haarschampoofirma scheint seit einiger Zeit ein Herrenprodukt gezielt mit dem Slogan „Die neuen grauen Männer“ zu bewerben – bisher habe ich damit immer die grauen Herren, die Zeitdiebe in Michael Endes Roman Momo assoziiert.

Aber nicht so der Haarwaschmittelhersteller, sie empfehlenden Gebrauch ihres Haarwaschmittels, weil es den „schmuddeligen Gelbstich“ in eben jenes Powergrau umwandelt. Weiter heißt es in der Anzeige, dass zunehmend mehr Männer in der Öffentlichkeit von dem Powergrau Gebrauch machen… Subtext: es macht alle seriöser und sexier… Von jeher gelten die grauen Schläfen bei Männern von Cary Grant bis George Clooney als ultra attraktiv.

Aber bei den Frauen? Was ist mit Powergrau für die Powerfrau? Wer mich persönlich kennt, weiß, dass ich seit ich dreißig bin erstaunlich grau für meine jungen Jahre war – tatsächlich fing es schon mit Mitte 20 an – damals färbte ich voller Empörung mein Haar sofort und hatte dann in den folgenden Jahren mal rotes, mal blondes, mal gestreiftes (blond und dunkelbraun) Haar….

Mit 33 hatte ich dann das erste Mal den Mut wirklich dazu zu stehen – denn ein junges Gesicht und diese stählerne Haarfarbe haben einen gewissen Charme. Aber nur wenn man gerade nicht blass ist. Mit diesem Look war ich 2001 in China und sah leider nicht immer so fit aus, wie ich es mir gewünscht hätte: die Zeitverschiebung und die miese Luft in den chinesischen Hotels forderten einen gewissen Tribut. Die Folge: viele völlig erstaunten Chinesen starrten mich an und bei einer Gelegenheit erkundigte sich eine Chinesin mittels des Dolmetschers, ob ich früh sterben wolle…

Genauso erfuhr ich mit gewissem Interesse, dass wenn Frauen graues Haar haben, dies eine Botschaft der Natur ist, dass die Frau ihre Fruchtbarkeit eingebüßt hat… Und also sind zeugungswillige Männer von Frauen mit grauen Haaren bewusst oder unbewusst eher abgetörnt.

Entsprechend interessant waren auch immer die Reaktionen verschiedener Männer auf meine ach so authentische Haarfarbe: von vielen kriege ich bis heute richtig schöne Komplimente. Tatsächlich haben mir schon wildfremde Männer auf der Straße oder in Bahn deswegen sehr nette Dinge gesagt.

Andererseits habe ich beim Onlinedating die Erfahrung gemacht, dass kaum, dass ich mein Foto – mit dem deutlich grauen Haar – freigeschaltet hatte, die vorher schier euphorischen Herren sich abwandten. Übrigens je älter, desto schneller…

2005 habe ich dann meine Haare wieder eine Weile gefärbt – weil mir nach einer gründlichen Veränderung war und der 50er Jahre Effekt mit neuem Hut oder neuen Schuhen in unserer Zeit so schrecklich wirkungslos ist. Also habe ich dank eines wunderbaren Bioprodukts einen phantastischen Dunkelschokoladenbraunen Schopf gehabt.

Der Effekt hielt genau zehn Tage – denn meine Haare wachsen so schnell, dass in Nullkommanichts meine Ansätze wieder zu sehen waren und ich verlor bald die Lust, dauernd meine Ansätze zu färben – Bio bedeutet nämlich dass die Färbeaktion 4 Stunden dauerte…und außerdem Kostspielig war: eine Packung kostete über 20 Euro…

Also hat meine Faulheit und schließlich mein Bedürfnis nach Authentizität gesiegt und nach einer mutigen Phase, in der ich praktisch zwei Haarfarben hatte: grau vorne und rotbraun hinten, habe ich alles Gefärbte abschneiden lassen, und hatte einen sexy Kurzhaarschnitt – ganz in grau. Jetzt sind sie wieder etwas länger und ich habe im Allgemeinen einen grauen Pagenkopfhaarschnitt.

Kleine Kinder sprechen von mir gerne als Oma und die Assoziation zur Hexe schwingt auch immer wieder mit. Dazu passt auch die mythologische Sichtweise: ein Bekenntnis zur eigenen Grauhaarigkeit ist auch immer ein Ausdruck von großer Weisheit und innerem Frieden: Menschen mit grauem Haar sind mit sich und dem Leben im reinen und versuche nicht, etwas zu sein, was sie nicht sind… Das gefällt mir!

Meine Erkenntnis: wir Grauhaarigen werden – in Deutschland schon aus demographischen Gründen – immer mehr. Schon seit einigen Jahren bezeichnen Schauspieler das Publikum vor ihnen als „Baumwollfelder“.  Ich bin gespannt, ob graues Haar irgendwann eine Neubewertung erfährt – weg von alt, biologisch unfit und hexig…hin zu weise, von reifer Sexualität jenseits von Fortpflanzung und zauberhaft… Ich jedenfalls bin bereit, meinen Beitrag dazu zu leisten!