Die unsichtbare Magie der Tradition

 

Ein Maibaum ist  eine Art Megablumenstrauß.

Ich war dieses Jahr Ende April/Anfang Mai in Bonn und wurde eines Nachts durch eigentümlichen Lärm geweckt. Neugierig schlich ich ans Fenster und beobachtete, wie junge Männer gemeinsam einen Maibaum am Haus gegenüber aufstellten, komplett mit bunten Bändern aus Krepppapier und einem roten Herz auf dem der Name der jungen Nachbarstochter stand.

Im Rheinland ist es seit ewigen Zeiten Brauch, dass junge ledige Männer ihrer unverheirateten Angebeteten in der Nacht vom zum 1. Mai eine geschmückte Birke an ihr Wohnhaus stellen. Früher wurde damit die Liebesverbindung in der Gemeinde öffentlich gemacht und oft die Absicht des Maibaumstellers bekundet, die Empfängerin zu seiner Braut zu machen. Aber das ist im Zeitalter der Emanzipation unbedeutend geworden. Heute ist es charmanter Liebesbeweis, zu dessen Erstellung sich Gruppen von jungen Männern – oft aus demselben Junggesellenverein – zusammentun und sich gegenseitig beim „Liebesmaien“ helfen.

Der Baum bleibt traditionsgemäß bis zum ersten Juni stehen – dann wird er wieder von der gleichen Crew abtransportiert, die ihn aufgestellt hat. Wenn die so geehrte Mädchen ihren „Maibaumsteller“ mag, dann bewirtet sie ihn mit einem Kuchen und die Helfer erhalten einen Kasten Bier – manchmal erhält er auch vom Mädchen einen Kuss, von ihrer Mutter Kuchen und vom Vater einen Kasten Bier… Sie darf sich dann vor dem Abtransport des Baumes eine Scheibe vom Stamm absägen und diese als Souvenir behalten. In einem Schaltjahr ist es übrigens umgekehrt, dann stellen die jungen Frauen Maibäume für ihre Herzbuben auf und manchmal auch verheiratete Männer für ihre Ehefrau.

Im Rheinland wird in manchen Gemeinden auch ein Maikönigspaar ermittelt: Junggesellenvereine veranstalten eine Versteigerung, bei der der Mann, der die höchste Summe „Maimark“ für seine Auserwählte anbietet zum Maikönig und die so geehrte die Mainkönigin.

Auch jene Maibäume, die oft mit einem Kranz im Wipfel geschmückt in manchen Gegenden auf Dorfplätzen stehen, sind zentrales Element der Maifeierlichkeiten. Oft sind sie mit langen Bändern geschmückt, die dann bei einem Reigentanz um den Baum zu kunstvollen Mustern verwoben und wieder aufgelöst werden.

 Walpurgisnacht und Beltane

Die Nacht vom 30. April galt im vorchristlichen Nord- und Mitteleuropa als heilig. In dieser Nacht war der „Trennungsschleier zur Anderswelt“ besonders dünn und es war ein leichtes mit der unsichtbaren Welt in Kontakt zu kommen. Aber auch Vorsicht war geboten… denn als sterblicher war es gefährlich dem Zauber zu erliegen, der die Atmosphäre durchdrang… Traditionell ist am 30. April auch die „Hexentanznacht“, in der neben Hexen, auch Geister und Dämonen ihr Unwesen treiben. Dies war sicher schon lange so, bevor der 30. April zum Namenstag von St. Walpurgis wurde, einer britischen Äbtissin des 7. Jahrhunderts.

Auch den alten Kelten war der 1. Mai heilig. Sie feierten dann Beltane und damit den Beginn des Sommers. Sie waren große Anhänger des Zyklischen in der Natur und feierten also auch den 1. November (Samhain), den 1. Februar (Imbolc) und den 1. August (Lughnasadh) mit jahreszeitlich entsprechenden Festen. Noch heute wird in keltisch geprägten Gegenden, wie in England, Beltane unter anderem mit der Wahl einer Maikönigin und Maibaumtänzen gefeiert.

Trampelpfade der Tradition

Doch für diie meisten ist der Ursprung der Rituale unwichtig. Sie folgen einfach den lokalen Trampelpfaden der überlieferten Traditionen, wie sie auch zu Karneval oder in der Adventszeit gelebt werden. Diese Trampelpfade haben offenbar trotz der christlichen „Straßenbegradigung“ – weg von der „Vielgötterei“ hin zum Glauben an den einen (wahren) Gott – überlebt und ihren Platz in lokalem Brauchtum gefunden. Und nicht nur das: sie erfreuen sich wachsender Beliebtheit!

Diese Zunahme an Attraktivität von Maitraditionen ist in Zeiten der „seriellen Monogamie“ und „Dating Apps“ meines Erachtens einer echten Sehnsucht nach einem gesunden Miteinander von Mann und Frau geschuldet, sowie dem bewusst-unbewussten Bedürfnis eine transzendente Dimension der Liebe (und Partnerschaft) zu erfahren.

Mythologisch betrachtet ist es nämlich weit mehr als ein harmloser Jugendbrauch: psycho-energetisch sind alle Maifeiernden mit all jenen verbunden, die diesen Weg vor ihnen gegangen sind. Dabei ist es zweitrangig, ob der Weg durch den Raum führt – wie z.B. der Wanderweg der Jakobspilger – oder durch die Zeit, wie der Liebesreigen jener, die im Mai in der einen oder anderen Form um die Birke tanzen. Die Birke ist in der nordischen und germanischen Mythologie der heilige Baum der Liebes- und Fruchtbarkeitsgöttin Freya. Also feiern alle, die Teilnehmer eines Birkenrituals sind, in gewisser Weise auch die nordische Liebesgöttin und damit besonders die Liebe, die die Voraussetzung für die Schöpfung selbst ist. Das ist magisch.

Hirnkraft durch Balance

 

Für eine optimale Balance sollten beide Hirnhälften aktiv sein!

Viele sind der Meinung, dass wir als Menschen am gesündesten und glücklichsten sind und unser Bestes am besten zum Ausdruck bringen, wenn beide unserer Gehirnhälften gemeinsam zum Einsatz kommen… dann ist wahrscheinlich auch unser persönliches yin-yang im Gleichgewicht…

Je nach Bedarf entweder mit dem einen Schwerpunkt (Berechnungen anstellen) oder dem anderen (Ein Bild malen) oder eben beiden Hirnhälften gemeinsam, welches beides optimiert… Dazu gibt es inzwischen jede Menge Übungen, hier eine kleine Auswahl:

Hirngymnastik

Die amerikanischen Autoren und Bewusstseinsforscher Jean Houston und ihr Ehemann Robert Masters haben in den 70er Jahren mit ihren Studien zur Erhöhung neuronaler Aktivitäten und entsprechend der Steigerung von Intelligenz Aufsehen erregt. Sie haben u.a. eine Übung entwickelt, bei der man sich auf der linken bzw. rechten Seite unterschiedliche Dinge sinnlich ausmalen soll und das eine ganze Stunde lang:

Z.B.: sich links ein Atom vorstellen, rechts eine Galaxie…links einen Sonnenaufgang…rechts einen Sonnenuntergang… links eine Feuerwehrsirene, rechts Vogelgesang, links zirpende Grillen, rechts Stargeräusche eines Autos usw. mit Reizen für alle primären Sinne (Auge, Ohr, Nase, Zunge und Tastsinn).

Zu den bemerkenswertesten Folgen dieser Übung gehören neben dem naheliegenden Einschlafen, eine Steigerung von Vorstellungs- und Konzentrationsvermögen. Manchmal auch die plötzliche Fähigkeit zur Synästhesie, sowie mystische Erfahrungen. Die Wirkung der Übung ist zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich – auch bei denselben Menschen und gibt einen Einblick in die wahre Kapazität unseres meist „unterbenutzten“ Gehirns… (Mehr dazu in: Jean Houston: „Der mögliche Mensch: Handbuch zur Entwicklung des menschlichen Potentials.“)

Physische Stimulation

Dr John Veltheim, der australische Erfinder des Body-Talk-Systems, zur Stimulierung und Aktivierung der körperlichen Gesundheit, hat in umfangreichen Studien festgestellt, dass seine Techniken sich auch eignen, das psychisch-emotionale Wohlbefinden, sowie geistige und kreative Leistungen zu steigern.

Viele seiner Techniken kann man auch bei sich selbst anwenden. Die von ihm entwickelte „Cortex Balance Technik“ ist dazu bestimmt, die Hirnhälften miteinander zu synchronisieren. Laut Veltheim hat diese die schulischen Leistungen von Kindern verbessert, aber auch die Darbietung einer Tanzgruppe während eines Wettbewerbs vom Stress befreit und damit in der Qualität optimiert.

Die Übung dauert keine Minute und viel einfacher, als sie hier zu beschreiben, ist es, sich die beiden kurzen Videos dazu bei Youtube anzusehen. Sie sind sogar ins Deutsche übersetzt. Einfach bei Youtube „Veltheim Cortexbalance“ eingeben.

Musik und Lichtgeometrie

Der amerikanische Autor, Psychotherapeut, Wissenschaftler und Klangheiler Tom Kenyon hat eigens Musik komponiert (z.B. die CD „Infinite Pool“, um die Hirnhälften zu synchronisieren und ihre Aktivität zu steigern. Außerdem empfiehlt er lichtgeometrische Übungen. Beispielsweise kann man sich vor seinen inneren Augen, quasi inwendig auf der Höhe des Nasenansatzes das Unendlichkeitszeichen ∞, d.h. eine liegende 8 vorstellen. Auf dieser liegende Acht bewegt sich ein kleiner Lichtpunkt zunächst in die eine, dann in die andere Richtung. Oftmals fällt einem die eine Richtung leichter als die andere – es gilt bei beiden einigermaßen entspannt zu sein und die 8 nicht mit den physischen Augen „zu malen“ – dann wird einem oft schwindlig.

 Stärkung der Zirbeldrüse

Auch Michael Roads, Autor und spirituelle Lehrer aus Australien, der über die Fähigkeit verfügt metaphysisch durch Raum und Zeit reisen zu können, hat sich gründlich mit dem Hemisphärenmodell befasst. Denn er musste früh akzeptieren, dass er „anders tickt“ als die meisten anderen Menschen. Er sagt von sich selbst gerne, dass er zu der Minderheit von Menschen gehört, bei denen die rechte Hirnhälfte dominant ist und er zwar im Universum immer weiß, wo er ist – sich aber in jeder Kleinstadt verläuft und der Anblick eines Stadtplans macht ihn nervös.

Roads hat das Modell durch eigene Beobachtungen erweitert und ergänzt – und legt größten Wert auf die gesunde Verbindung beider Hirnhälften, weil dies die Funktion von Zirbeldrüse und Hirnanhangsdrüse unterstützt und steigert, die wiederum die Brücke zu unseren metaphysischen Fähigkeiten und die Erfahrung dessen, wer wir in wirklich sind. Er empfiehlt zur Stärkung der Verbindung der Hirnhälften auf die Zirbeldrüse zu meditieren und sich vorzustellen, wie diese langsam aber sicher immer größer wird.

Was vielleicht für die eigene – innere und äußere – Balance wirklich wichtig ist

Jeder von uns ist männlich und weiblich – auch wenn die Geschlechtsmerkmale einem physischen Ausdruck den Vorrang geben. Aber jeder hat schon die Erfahrung gemacht, dass manchmal manche Männer weiblicher als manche Frauen wirken und umgekehrt…

Und auch wenn es vielen möglicherweise banal erscheinen mag, so ist mir doch wichtig noch einmal ausdrücklich zu sagen: das eine ist nicht besser oder schlechter als das andere… Es ist nur eine ANDERER Ausdruck – ähnlich wie man mit den Noten ja auch immer verschiedene Akkorde erklingen lassen kann!

Dieses Balanceding ist offenbar unendlich. Denn zum einen ist eine gesunde Balance immer dynamisch und zum anderen ist die Wippe nur das einfachste Modell dafür. Genau genommen ist es eine multidimensionale Gestalt, ein neuronales Netzwerk, physisch und metaphysisch, was wie ein magisches Bewusstseinssystem (im Sinne eines Öko-Systems) beständig in Bewegung und Entwicklung ist. Dennoch lohnt es sich, die optimale Balance zu suchen. Denn wenn es gelingt, diesen magischen Moment auch nur für einen Augenblick zu erreichen, dann sind Wunder möglich. Dann machen wir oft einen Quantensprung im Bewusstsein, weil aus dem theoretischen Modell des universellen Gleichgewichts plötzlich eine praktische Erfahrung wird.

 

Kein Wunder, dass wir oft so gespalten sind

Selbst unser Gehirn bedarf der Balance

Im 19. Jahrhundert stellten die ersten Hirnforscher fest, dass das Gehirn aus zwei Hälften mit dem Corpus callosum in der Mitte besteht und dass bestimmte Reize vorwiegend oder ausschließlich in der einen oder anderen Hirnhälfte verarbeitet wurden und dass in der Regel die eine oder andere Hirnhälfte und ihre Funktionsschwerpunkte das Wesen des jeweiligen Menschen stark prägten.

Man hatte auch beobachtet, dass die linke Hirnhälfte die rechte Körperseite steuerte und die rechte Hirnhälfte die linke. Im zeitgenössischen Wertesystem galt dann die linke Hirnhälfte als die männliche, überlegene Hirnhälfte, während die rechte als minderwertig und weiblich galt…

Die Theorie war, dass besonders Frauen, Wilde, Kinder, kriminelle und verrückte Menschen von ihrer rechten Hirnhälfte beherrscht wurden, während natürlich die guten, braven Männer alle von ihrer linken Hirnhälfte gesteuert wurden…

Auch wenn die Neurologie im Laufe der Zeit feststellte, dass die Reizverarbeitung nicht so eindeutig aufgeteilt werden kann – so hatte dieses Hemisphärenmodell doch einen großen Einfluss auf die Psychologie und bis heute auf die Neuroökonomie. Endlich gab es eine brauchbare Erklärung für Rechts- bzw. Linkshändigkeit, die Unterschiede zwischen künstlerisch und wissenschaftlich begabten Menschen…bis hin zu „warum Männer nicht gleichzeitig Nudeln kochen, Sport gucken und Kinder bespaßen können“ (Männer denken und handeln linear), und Frauen keinen Kofferraum packen können (Frauen haben ein schlechtes Augenmaß und können nicht gut räumlich Sehen)…

Die linke Hirnhälfte wird offenbar vor allem beansprucht wird, wenn wir denken, planen und lernen, während die rechte vor allem beansprucht wird, wenn wir fühlen, uns treiben lassen und kreativ sind. Die Liste weiterer Zuordnungen ist unendlich lang und würde den Artikel sprengen. Aber wenn man einmal diese Polarität erfasst hat, begreift man ganz schnell, ob etwas männlich, d.h. „linkshirnig“ geprägt ist oder weiblich, d.h. „rechtshirnig“…

Das Hirnhälftenmodell hat auch uns aller Toleranz für einander erhöht – denn diese unterschiedliche „Hirnlastigkeit“ ist von Geburt an genauso gegeben, wie z.B. das Sternzeichen und die Muttersprache… Man muss was dafür tun, wenn man diese Dispositionen wandeln will.

Einer der Gründe, warum dieses Modell so erfolgreich war, war das lange bevor die wissenschaftliche Bestätigung für diese Gegensätzlichkeit kam, Menschen sich schon immer intuitiv daran orientiert haben. Es ist als könnten wir quantenpsychologisch fühlen, wie viel Männlichkeit ein Mann braucht, wie viel Weiblichkeit eine Frau ausmacht… Nur wenn wir darüber reden und es erklären wollen, verheddern wir uns oft in den Elektrozäunen von Befindlichkeiten und Vorurteilen. Dann werden die zarten Wellen zu ätzenden Teilchen und vorher undifferenzierte Einigkeit war, herrscht nun differenzierte Feindseligkeit. Denn es ist wirklich schwer, etwas im Gegensatz zu etwas anderem zu beschreiben, ohne dass es scheint, als ob man urteilt. Glücklicherweise geben wir nie auf und manchmal gelingt diese „Quadratur des Kreises“ und wunderbare Dinge werden freigesetzt: wie geniale Erfindungen, grandiose Musik und viel Humor.

Yin-Yang und die Quantenpsychologie

 

Wann ist es ein Merkmalteilchen und wann eine Energiewelle?

Die ganze Idee von Balance wird erst sinnhaft, wenn man sich klar darüber ist, was eigentlich in Balance gebracht werden soll. Wenn also vor unserem inneren Auge eine Wippe erscheint und wir uns einig sind, dass wenn die Wippe absolut waagrecht steht, die optimale Balance erreicht ist, dann ist die Frage, was auf die gegenüberliegenden Enden der Wippe muss, damit die Balance hergestellt werden kann. Ans eine Ende einen Apfel und ans andere Ende eine Briefmarke zu legen, wird das Apfelende zum Boden drücken…Doch wenn man ans andere Ende einen Kasten Bier stellt, dann rauscht das andere Ende zu Boden und der Apfel kullert davon….Vielleicht müsste man dann ein paar Kilo Äpfel holen… doch lassen wir mal diese unsinnige Unterfangen…

Zumindest ist klar geworden, dass die Dinge, die in Balance gebracht werden sollen ein gewisses Verhältnis zueinander haben sollten und in meinem Blog liegt der Fokus vor allem auf dem, was wir gemeinhin als männlich und weiblich bezeichnen. Und so einfach das anfangs klingt, so kompliziert kann es auch werden:

Männlich und weiblich sind zunächst einmal unsere Worte um unsere Geschlechtsmerkmale zu differenzieren. Und weil sich Männer und Frauen gegensätzlich wahrnehmen, d.h. der andere ist, was sie nicht sind…nämlich männlich bzw. weiblich, sind diese Worte auch hilfreich geworden, um andere Gegensätze, die jeweils das andere ausschließen zu charakterisieren. In der Elektrik wird gar vom männlichen und weiblichen Stecker eines Kabels gesprochen.

Nur zusammen sind wir stark!

Damit geht auch der schöne Gedanke einher, dass die Energie erst fließt, wenn sich beide Gegensätze verbinden können und außerdem gut ans Gesamtnetz angeschlossen sind. Wenn man nur den einen Stecker in den anderen steckt, passiert nämlich gar nix!

In unserer Kulturgeschichte sind die Begriffe außerdem zu qualitativen Konzepten geworden, mit denen ein bestimmter Ausdruck – oft meist gefühlsmäßig – wahrgenommen wird, weil wir einerseits über Jahrtausende konditioniert, andererseits oft unerklärlicherweise, aber eindeutig fühlen können, ob etwas stimmt oder nicht. So käme keiner auf die Idee, ein Schneckenhaus als männlich zu bezeichnen und eine Wolkenkratzer als weiblich. Es ist – natürlich – umgekehrt… Hier ist es naheliegend – das steil aufrechte Gebäude erinnert an das männliche Glied, das runde Schneckenhaus an die weiblichen Geschlechtsorgane. Aber die Verknüpfungen bilden ein größeres Netz: harte, starre, feste Materialien werden mit dem männlichen assoziiert, weiche, biegsame, bewegliche Stoffe mit dem weiblichen… Entsprechend schlüssig ist die Übertragung der Qualitäten auf andere polare Erscheinungen, wie Sonne und Mond, Himmel und Erde, Hitze und Kälte und links und rechts…und auch Dynamiken, wie detailliert und umfassend, verstehen und fühlen, Bewegung und Stillstand…

Yin & Yang:

Das ausgereifteste und vielleicht schönste Konzept wurde im alten China entwickelt: der dynamische Tanz des energetischen Gegensatzpaares Yin und Yang ist die Grundlage des Daoismus, der traditionellen chinesischen Medizin und für Feng Shui. Das berühmte Symbol dafür ist sehr bekannt, wenn auch seine Bedeutung oft nur oberflächlich erfasst wird. Denn genaugenommen sind die Übergänge von Ying und Yang oft fließend, und die Qualität relativ: was in einem Zusammenhang yin ist, kann in einem anderen yang sein. Etwa vergleichbar mit Licht und Dunkel und den unendlichen Abstufungen dazwischen und was in dem einen Kontext grell und blendend ist, kann in einem anderen matt und erhellend sein.

Typische Qualitäten die yin zugeschrieben werden sind: weiblich, sowie: rund, dunkel, feucht, passiv…und für Yang: männlich, sowie: eckig, hell, trocken, aktiv… Auch diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Und so verschieden die beiden Qualitäten sind, so bilden sie doch ein gemeinsames, unzertrennliches Ganzes, denn das eine ist nicht vorstellbar, denkbar, lebbar ohne das andere.