Das eigenartige Huhn

Inspiriert von einer Debatte auf der Michael Roads Facebookseite während dieser Woche, heute mal ein etwas anderer Blogeintrag, eine Geschichte: MEINE Variante zum Thema Adler und Hühner – da gibt es bekanntermaßen schon einige Geschichten…die ich aber eher frustrierend als ermutigend finde. Und außerdem war es mir aus verschiedenen Gründen wichtig, eine weibliche Protagonistin zu haben – auch wenn es dadurch stilistisch scheinbar holpert, weil wir das nicht gewöhnt sind. Ich bitte diesbezüglich um Verständnis und wünsche nun viel Vergnügen beim Lesen:

Das eigenartige Huhn

Keiner weiß mehr, wie es dazu kam, aber eines Tages lag zwischen den auszubrütenden Hühnereiern ein Adlerei. Die Glucke, die darauf saß, entschied sich nicht weiter an dem fremden Ei zu stören. Wenn der Vogelgott wollte, dass auch dieses Küken ausgebrütet werden sollte, dann wollte sie ihr Bestes geben und auch diesem Vögelchen helfen, ein stolzes Geflügel zu werden, so, wie sie es schon von ihrer Mutter gelernt hatte!

Doch, das war nicht so einfach, denn das Küken aus dem anderen Ei sah ihren Geschwistern nicht besonders ähnlich, und verhielt sich auch anders. Aber die Glucke gab sich wirklich große Mühe, dem kleinen weißen Vögelchen auch das ordentliche Picken und Scharren beizubringen und obwohl  sich ihr Schnabel schlecht zum Picken und die Klauen schlecht  zum Scharren eigneten, so wuchs doch dieses eigenartige Huhn zu einem gesunden großen Vogel heran.

Und eins musste man dem eigenartigen Huhn lassen:  obwohl von anderer Gestalt und Erscheinung als ihre Geschwister war, bemühte sie sich nach besten Kräften, es den anderen Hühnern gleich zu tun. Sie lief morgens – wenn auch langsam – mit aus dem Hühnerstall, stolperte dann über den Hof, regte sich auch mal über einen widerspenstigen Wurm oder plötzlichen Regen auf und war, wenn auch nicht besonders beliebt, so doch durchaus wohl gelitten unter den anderen Hühnern. Die Glucke liebte ihre ‚besondere‘ Vogeltochter, die ihr so viel mehr Herzeleid, aber auch mehr Herzensfreude beschert hatte, als all die anderen vergleichsweise pflegeleichten Küken, denn alles schien für das eigenartige Huhn mit besonderer Anstrengung verbunden. Manchmal machte sich die Glucke auch insgeheim Sorgen um sie. Schon jetzt mieden viele Hühner sie immer häufiger und ob wohl jemals ein Hahn nach ihr krähen würde? Schließlich musste sie auch irgendwann Eier legen, denn sonst, – so war das Gesetz – würde sie eines Tages geschlachtet werden und im Kochtopf enden. Doch solchen Gedanken gab sich die Glucke nur selten hin, zu beschäftigt war sie mit all den anderen Dingen, die ein Hühnerleben erfüllen.

Das eigenartige Huhn musste jedoch feststellen, dass es ihr zunehmend schwerer fiel, wie die anderen Hühner zu empfinden. Sie sprachen endlos darüber, wie ein Nest sauber und trocken zu halten sei, wie das Stroh dafür beschaffen sein müsse, und welche Körperhaltung fürs Eier legen die beste sei und ihre Schwestern sprachen immer häufiger von flotten Hähnen. Tatsächlich wurde das Krähen der jungen Hähne immer ausführlicher von ihnen diskutiert. Doch dem eigenartigen Huhn war das alles merkwürdig gleichgültig. Die sich ewig wiederholenden Gespräche erschienen ihr eintönig und langweilig. Jeden Tag wurde ihr schwerer ums Herz. Nur der Anblick der Berge am Horizont oder der Wolken hoch am Himmel konnten sie manchmal aufheitern. Doch jedes Mal, wenn sie sehnsüchtig in die Ferne blickte, wurde sie unweigerlich von der Glucke aufgeschreckt und daran erinnert, nur ja das Scharren und Picken nicht zu vernachlässigen. Als gäbe es nichts Wichtigeres – aber gab es das tatsächlich?

Eines Abends, der Bauer war offensichtlich heute sehr spät dran, erschien in der Abenddämmerung ein Fuchs am Zaun. Panisch flüchteten die Hühner  in den Stall. Doch das eigenartige Huhn stellte fest, dass sie ursprünglich den anderen so schnell wie möglich – so, wie sie es gelernt und oft geübt hatte – in den sicheren Unterschlupf hatte folgen wollen, doch… tatsächlich empfand sie keinerlei Angst. Eher so etwas, wie Neugier und eine eigentümliche Verwandtschaft, und sogar eine Art Sehnsucht.  Der Blick des Fuchses hatte jedoch Erstaunen und vielleicht sogar etwas, wie Verachtung ausgedrückt, aber warum nur? Das mahnende Geschrei der Glucke riss sie aus ihren Gedanken und als dann kurz darauf endlich der Bauer mit einem Gewehr auf dem Hof erschien, verschwand auch der Fuchs.

Doch diese neu empfundenen Gefühle ließen das eigenartige Huhn nicht mehr los. Plötzlich stellte sie fest, dass sie lieber bei Tage ruhte – trotz des sorgenvollen Gezeters der Glucke, dass so nie ein richtiges Huhn aus ihr würde – und dafür auch bei Dunkelheit  gerne draußen war. Da war es ruhig und still und sie konnte jenen Gedanken nachhängen, die sonst keines der anderen Hühner zu teilen schien.  So kam es, dass eines Morgens im Frühsommer,  ein großer dunkler Vogel  sich lautlos auf einem Zaunpfosten am Hof niederließ, während das eigenartige Huhn nach Art der Hühner aufgeplustert in einer kleinen Sandkuhle unruhig schlief.

Plötzlich wurde es von dem großen Vogel aus seinen Träumen gerissen. „Hey du! Was machst du denn da?“ „Ich schlafe!“ antwortete das eigenartige Huhn. „Da lachen ja die Hühner!“ erwiderte der große Vogel und zupfte seine Schwanzfedern wieder in Form. „Warum sollen die lachen?“ fragte das eigenartige Huhn und der große Vogel antwortete: „Na, weil Adler einfach nicht bei Hühnern schlafen. Ich weiß das, ich bin ein alter Adler und ich schlafe seit ewig hoch oben, in einem Horst im Felsen, nahe den Bergen.“ Das eigenartige Huhn hüpfte zum Zaunpfosten und erwiderte: „Aber ich bin doch kein Adler, ich bin ein Huhn!“ Der Adler fiel vor Lachen fast  vom Pfosten. „Wer hat dir denn den Blödsinn erzählt? Sieh dich doch mal an! Siehst du aus, wie die Viecher im Stall, oder siehst du so aus wie ich?“

Das eigenartige Huhn hielt den Kopf schräg und begann zögernd den Vergleich: ihr Schnabel ähnelte in Form, Farbe und Größe tatsächlich dem des Besuchers, auch die Klauen, die Flügelspannweite und die Beschaffenheit des Gefieders….sollte sie etwa wirklich…?  Der alte Adler unterbrach ihre Gedanken: „Lass das Denken! Komm! – Flieg mit mir.“ „Aber, ich kann doch nicht fliegen!“ erwiderte sie. Der Adler schüttelte den Kopf: „Das weißt du nicht, bevor du es nicht selbst ausprobiert hast. Wenn es dir nicht gelingt…dann bist du eben nur ein Huhn, das versehentlich einen Adlerkörper hat! Aber wenn doch, dann bist du vielleicht ein Adler, mit der versehentlichen Illusion ein Huhn zu sein?!“

Das eigenartige Huhn geriet in große Zweifel: sollte sie wirklich fliegen können? Und was würde das für Folgen haben? Wenn sie tatsächlich etwas tat, was den anderen ganz sicher nie gelänge? Andererseits war die Neugier groß, sie dachte an die Berge und die Wolken und eine tiefe Kraft aus ihrem Herzen brach sich Bahn. Sie wusste, sie würde sich nie vergeben, wenn sie es nicht wenigstens versuchte.  Mutig breitete sie die Flügel aus und sah den alten Adler fragend an. Mit gezielten und knappen Anweisungen gelang es ihm, dem eigenartigen Huhn zu einem kurzen Flug auf den hohen  Zaunpfosten neben ihm zu verhelfen.

Das eigenartige Huhn hatte kaum Zeit darüber zu staunen, denn der alte Adler rief: „Und jetzt denk nicht nach, folge einfach deinem Körper!“ Mit ausgebreiteten Schwingen ließ er sich vom Zaunpfosten in die Luft fallen. Mit wenigen Flügelschlägen erhob er sich hoch in die Luft über ihr. Das eigenartige Huhn hatte große Angst, doch langsam breitete sie die Flügel aus und ließ sich fallen, so wie sie es bei dem alten Adler beobachtet hatte. Plötzlich war ihr, als würde eine magische Kraft ihren Körper durchströmen.  Der Aufwind hob sie hoch in die Lüfte und als ob sie nie etwas anderes gemacht hätte, flog sie dem anderen Vogel hinterher.  So elegant, wie sich ihr Körper durch die Luft bewegte, so unelegant purzelten Gedanken und Gefühle durch ihr Gemüt: sollte sie wirklich ein Adler sein? Aber dann war sie zu einem ganz anderen Leben bestimmt, als all die anderen Hühner… Und doch…aus der Gegend ihres Herzens kam ein kraftvolles Gefühl der Bejahung:  sie war anders, als die anderen Hühner, sie war zu einem anderen Leben bestimmt und ja, offenbar war sie ein Adler.  Je mehr sie sich erlaubte, dem in ihrem Bewusstsein Raum zu geben, umso leichter wurde ihr ums Herz. Mit jedem Flügelschlag, der sie höher hob und je mehr sie sich der Weite der Landschaft gewahr wurde und doch gleichzeitig die Details auf der Erde unter ihr genau erkennen konnte… umso mehr wurde sie von der berauschenden Erkenntnis beseelt: „Ich bin ein Adler! Ich bin wahrhaft ein Adler! Das ist meine wahre Natur!“

Plötzlich stürzte der alte Adler in die Tiefe, auf eine Maus zu, die an einer Ähre knabberte, da überkam das junge Adlerweibchen der Übermut. Sie beschleunigte ihren Flug, kam dem anderen Vogel zuvor, schnappte sich mit natürlichem Geschick die Beute und flog auf den Ast eines Baumes, wo bereits der alte Adler saß. Sie zerriss  die Maus mit ihrem dafür vorzüglich geeigneten Schnabel und Klauen und schlang sie voller Genuß hinunter. Erst da setzte wieder ihr Denken ein und nun fürchtete sie auf einmal, die ungewohnte Nahrung könnte ihr nicht bekommen. Doch das Gegenteil war der Fall: zum ersten Mal schien die Nahrung sie zu beleben, zu stärken. Der alte Adler sah ihr belustigt zu. „Ist was anderes, als der tägliche Körnerfraß, hm?!“  Der frischgebackene Raubvogel nickte nur und erklärte: „Du hattest Recht. Ich bin ein Adler!“ Der alte Adler lachte: „Schön, dass du es endlich selbst gemerkt hast! Ich bin gespannt, wie du das den Hühnern beibringen willst!“ Das  Adlerweibchen überkam auf einmal ein furchtbar schlechtes Gewissen. Die Hühner hatte sie ja ganz vergessen! Aber um nichts in der Welt wollte sie jetzt schon zurückkehren. So verdrängte sie ihre Gedanken an die anderen und verbrachte einen wunderbaren Tag mit dem alten Adler. Gemeinsam flogen sie durch die Lüfte  und der alte Vogel zeigte dem jungen die Welt und das Leben der Artgenossen. Als es dämmerte, war das Adlerweibchen müde und wollte nach Hause… Aber war ihr zuhause noch ihr Zuhause?

Vorsichtshalber landete sie hinter dem Hühnerstall und hüpfte dann um diesen herum zu den anderen Hühnern, die bereits darauf warteten, vom Bauern zur Nacht in den Stall gescheucht zu werden. Die Glucke erblickte sie als erstes und gackerte aufgeregt: „Wo um Himmels willen bist du gewesen? Ich hab mir große Sorgen gemacht! Dir hätte wer-weiß-was passieren können. Wir hatten Angst, der Fuchs hat dich geholt bei deiner unguten Gewohnheit nachts draußen zu schlafen… Was hast du dir nur dabei gedacht?“ Das Adlerweibchen senkte den Kopf und sagte leise: „Es tut mir leid, dass ihr euch Sorgen gemacht habt, “ und kaum hörbar fügte sie hinzu: “Ich war fliegen.“ Doch der Glucke war dies nicht entgangen. Entrüstet plusterte sie sich auf: „Du warst was?“ „Fliegen…“ und dann berichtete der junge Raubvogel erst langsam und zaghaft und dann immer leidenschaftlicher von den hohen  Bäumen, die sie umkreist hatten, von den Feldern und Wiesen und sogar einem sich schlängelnden Fluß,  über denen sie geflogen waren und von den Bergen, die sie nun endlich aus der Nähe gesehen hatte. Aber die Glucke unterbrach sie: „Papperlapp, alberne Phantasien – du bist irgendwo in der Sonne eingeschlafen und hast geträumt! Das vergeht wieder! Und ab heute schläfst du wieder im Stall, wie alle anderen! Denn eins kann ich dir sagen: ein richtiger Adler wirst du nie. Die können gar nicht unter Hühnern leben, die fressen doch Hühner! Das sind Raubtiere! Und Jäger! Außerdem sind die ganz viel allein und müssen furchtbar einsam und ungeschützt das ganze Jahr draußen leben und immer selbst ihre Beute suchen – ich sage dir, so ein Leben will kein vernünftiger Vogel! Das ist gefährlich, waghalsig und wahnsinnig anstrengend. Das willst du ganz bestimmt nicht.“ Einige der anderen Hühner pflichteten der Glucke nickend bei. Die meisten von ihnen hatten das Gespräch jedoch gar nicht weiter verfolgt, sondern widmeten sich dem Scharren und Picken. Das Adlerweibchen betrachtete die ihr so vertraute Hühnerschar.  Einige von ihnen mochte sie wirklich gerne, die hatten einen wirklich feinen Charakter und manchmal sogar Humor. Aber…sollte sie wirklich wieder im Hühnerstall schlafen? Und den morgigen Tag wieder mit Scharren, Picken und Gackern verbringen? Je mehr er sich das ausmalte, umso größer wurde ihr Widerstand und umso deutlicher ihr Wissen: sie konnte das nicht mehr. Sie war heute ein neuer Vogel geworden und würde nie wieder so tun können, als sei sie ein Huhn. Auch nicht, damit alten Freunde und Verwandte sich sicherer fühlen konnten mit ihr.

Heute war etwas unwiederbringlich verloren gegangen…doch dafür hatte etwas Neues, noch leicht Fremdes diesen Raum eingenommen: eine unglaubliche Stärke, eine magische Verbindung, eine unendlich große Liebe zum Leben, die sie vorher so nicht gekannt hatte. Darauf wollte sie nie, nie, nie wieder verzichten und so erklärte sie laut und deutlich: „Doch, genau das will ich!“ Die Glucke schüttelte energisch den Kopf. „Unsinn, du weißt nicht, was du willst! Hier bei uns wirst du versorgt, beschützt und geliebt! Das ist doch das allerwichtigste!“ Das Adlerweibchen seufzte schwer: „Ich liebe euch auch. Aber ich kann und will trotzdem nicht so leben wie ihr. Das ist gegen meine wahre Natur!“

Und vor den Augen der verblüfften Hühner breitete sie die Schwingen aus und erhob sich hoch in die Luft und mit jedem Flügelschlag, mit dem sie sich weiter von ihnen entfernte, wußte sie, dass dies die einzig richtige Entscheidung war.  Doch ein Huhn schrie ihr hinterher: „Wie kannst du uns einfach im Stich lassen?“ Und ein anderes brüllte: „Du undankbares Mistvieh!“ Und wieder ein anderes rief: „Ich wusste immer, das mit dir etwas nicht stimmt!“ Doch die Glucke, die sie großgezogen hatte, flüsterte nur zu sich selbst: „Dann flieg‘, aber flieg‘ mit Gott!“

Das Adlerweibchen war da schon längst außer Hörweite, doch plötzlich spürte sie, dass, auch wenn sie noch nicht wusste, wo sie heute Nacht schlafen und wo sie morgen Nahrung finden würde, ihr das Leben den Weg weisen würde, der bestmögliche Adler zu sein, der sie eben sein konnte! Voller Ehrfurcht und Glück schlug sie noch ein paar Mal mit den Flügeln, und flog immer höher und weiter in den nächtlichen Himmel, den Sternen entgegen.

Kraftquelle Haar – Teil 2: Haarige Zeiten

Das Thema scheint merkwürdig banal im Angesicht all der derzeit viel welt-bewegenderen Themen, wie der neuen amerikanischen Präsidentschaft, den Debatten über Fake-News, den Gerüchten über einen dräuenden weltweiten ökonomischen Kollaps und die irgendwie ersehnte, aber auch gefürchtete Neuordnung der Welt. Dem werde ich mich sicher widmen. Aber jetzt erst mal was eher Banales… Etwa im Geiste dessen, was eine liebe Freundin mal vor Jahren zu mir sagte: „Gerade wenn es einem schlecht geht, ist ein vernünftiger Lippenstift von großer Wirkung.“ Und entgegen der meist verpönten Haltung, dass wenn es „ernst“ ist, Äußerlichkeiten nicht so eine Rolle spielen sollten…nach dem Motto: die innere Schönheit zählt usw.

Stimmt natürlich, doch auch die drückt sich eben in der Regel auch im Außen aus – bzw. jemand, der mit sich im Reinen ist, sich selbst bedingungslos liebt..strahlt das auch aus und das macht ihn oder sie auch schön…und noch schöner werden alle, wenn sie geliebt werden… Und letztlich läuft alles auf einen bewussten Umgang mit dem eigenen Wesen und dem anderer hinaus und das schließt auch das Erscheinungsbild und eben Haare mit ein!

Meine persönliche Haltung dazu hab ich ja bereits geschildert. Jetzt folgt der versprochene allgemeinere Artikel zum Thema, den ich allerdings eher kurz halten werde – denn interessanterweise gibt es dazu inzwischen jede Menge Material online.

Alte Zöpfe

Jeder kann problemlos im Internet die berühmte Bibelepisode von Samson nachlesen und Dalilas den ihm kräfteraubenden Haarschnitt, oder die Geschichte von Rapunzel, die sich mit ihren langen Flechten einen Prinzen geangelt hat und auch von Feen, die mit ihren Haaren Netze spannen oder von Fledermäusen, die sich angeblich in unordentlichen Frisuren verfangen…

Und auch die Geschichte der Haarmode ist vielfältig dokumentiert – in verschiedenen Ländern, zu verschiedenen Zeiten. Beispielsweise, dass zu Zeiten des römischen Reiches sich reiche Römerinnen die Schädel kahl rasierten, nur um dann Perücken aus den blonden Flechten der eroberten Germaninnen zu tragen…

Es gab Zeiten und Kulturen, in denen totale Entfernung des Körperhaars als wichtig war und es zu behalten als primitiv galt, wie bei den alten Ägyptern. Aber auch Zeiten und Kulturen, wo das Schneiden der Haare ein Sakrileg darstellt, wie z.B. bis heute in der Religion der Sikhs, wo langes ungeschnittenes, gepflegtes Haar u.a. eine Respektsbekundung gegenüber der Schöpfung darstellt.

Und auch in der Moderne setzt sich die modische Bedeutung von Haartracht fort. Dank moderner Medien so weit, dass bestimmte Frisuren, ein bestimmter Look nach der Person benannt oder grundsätzlich mit ihr assoziiert werden, die als erstes die Welt damit beglückte. Wie z.B. die legendäre Bienenkorb-Frisur von Audrey Hepburn im Kinofilm „Frühstück by Tiffany´“ in den Sechziger Jahren oder in den Siebzigern der „Afro“ der afro-amerikanischen Schauspielerin Pam Grier und die silberblonden Wellen der Seriendarstellerin Farrah Fawcett in „Drei Engel für Charlie“, die als „Farrah Flicks“ in die Haargeschichte eingingen.

Neue Zöpfe

Und jüngst fiel wieder auf, dass nach der letzten Fußballeuropameisterschaft plötzlich noch mehr junge Männer in Berlin allen Alters und ethnischer Herkünfte, ihre Haare wie der walisische EM Teilnehmer Gareth Bale trugen. Ein etwas eigentümlicher pseudo-ethno Look: Bei der das vordere Deckhaar länger ist als hinten und dann mit einem Gummi zusammengeknotet wird, was entfernt an den Deckel und die Silhouette einer Teekanne erinnert.

Zu den aktuell interessanten Entwicklungen in der Haarszene gehört meines Erachtens, dass seit einigen Jahren Bärte wieder in sind, überhaupt unter Männern so ein „Nerd-Look“ mit viel Haar überall und am besten noch einer Brille.

Dann, dass das eine wachsende Anzahl von weißen westlichen Männern, sich auch die Kopfhaare länger wachsen läßt und sich Frisuren bedient, die sonst eher mit Frauen assoziiert werden: komplizierte Zöpfe, Dutt und andere Frisuren um die Haare hoch- oder zurückzubinden, mit Kämmen, Klemmen und Bändern. Erwähnenswert hier auch der Amerikaner Burt Rutherford mit seinem Clip „The Man Braid“, wo er auf lustige und charmante Weise den „Herrenzopf“ propagiert. Nicht im Sinne des Perückenzopfs, wie wir das von Barockgemälden kennen…Sondern eine virile Form, wie man sie sich bei einem gepflegten alten germanischen Kriegers vorstellen kann. Es muss hinzugefügt werden, dass Langhaarfrisuren unter Männern in anderen Kulturen und Ethnien durchaus weit verbreitet sind.

Inzwischen gibt es auch die ersten alleinerziehenden Väter die an Kursen teilnehmen oder inzwischen selbst geben, wie sie ihren Töchtern die erwünschten Frisuren selbst machen können. Mehr als ein Vater hat so festgestellt, dass er nicht nur im Umgang mit Hammer und Kochlöffel Geschick hat, sondern auch mit Haarbürsten und Seidenschleifen.

Ich würde zu sagen wagen, dass wir nun endlich so weit sind, dass auch an der Front Männer endlich auch mit dem Kopf in weibliche Territorien vordringen. (Die Doppeldeutigkeit ist zwar nicht ausdrücklich beabsichtigt, aber natürlich herrlich passend.) ohne sofort als Hippie verschrien zu werden oder durch entsprechende Vorurteile an Männlichkeit einzubüßen. Im Gegenteil! Lange Haare bei Männern können genauso sexy wirken, wie bei Frauen…vorausgesetzt es steht dem/der Trägerin.

Doch neben dem, was gut aussieht, oder dem, womit er oder sie sich wohlfühlen und es also als authentischen Ausdruck ihrer Selbst empfinden, gibt es noch einige andere, interessante Aspekte, die vielleicht den bewussten Umgang mit den eigenen Haaren erhellen und unterstützen können.

Haare als Antennen der Seele

Geradezu legendär ist in diesem Zusammenhang ist folgende Geschichte, die aus den frühen Neunzigern stammt, und vor etwa sechs Jahren ihren Weg ins Internet fand und seitdem dort kursiert. Wer Indianer, Haare und Vietnamkrieg in die Suchmaschinen eingibt, wird sie sicher finden. Hier eine Kurzversion: Zu Zeiten des Vietnamkriegs ließ das amerikanische Militär junge Indianer rekrutieren, die besonders begnadete Fährtensucher und Überlebensexperten auf schwierige Gebiet waren. Diese jungen Indianer mussten dann natürlich zu Soldaten werden und entsprechend wurden ihre langen Haare zugunsten des militärischen Kurzhaarschnitts gestutzt. Doch als sie dann zum Einsatz kamen, versagten sie kläglich. Auf die Frage, warum es ihnen nicht mehr gelang, den Feind „zu fühlen“ erklärten sie, dass sie seit dem Abschneiden ihrer Haare dies nicht mehr könnten. Es folgten entsprechende Untersuchungen, die bestätigten, dass ein Indianer mit langen Haaren zuverlässig Fährten aufspüren konnte, doch sobald ihm die Haare kurz geschnitten wurden, kläglich scheiterte. Dies führte dann dazu, dass diesen indianischen Rekruten künftig erlaubt wurde, ihre Haare lang zu tragen. Und interessanterweise begannen auch alle Männer, zum Teil sehr konservative Wissenschaftler, nach dieser Forschungsarbeit ihre Haare lang wachsen zu lassen und trugen Bart.

Einer lieben medialen Freundin wurde von der geistigen Welt davon abgeraten, ihre Haare allzu kurz zu schneiden – um ihre Empfangssicherheit zu garantieren. Allerdings hab ich bisher keine Informationen darüber gewonnen, ab welcher Länge die Haare ihre Antennenkraft entfalten.

Vielleicht sollte einem in diesem Zusammenhang auch zu denken geben, dass es in Indien Frauen noch immer ihre Haare vorwiegend lang tragen und auch Männer dies lange taten – und sie Vertreter einer metaphysisch höchst reichhaltigen Kultur sind – inklusive einer Heerschar von langhaarigen Göttern und Göttinnen…

Dieses Thema wird übrigens auch im US-Film Avatar (2009) aufgegriffen, wo die langen Haare auch ein Sinnesorgan nicht nur in der Wahrnehmung, sondern auch im Ausdruck sind.

Die Haare der Erde

Einer lieben anderen medialen Freundin teilten sich die Erdkristalle mal mit der Bemerkung mit, sie seien die „Haare“ der Erde. Und Kristalle sind bekanntermaßen ein Speichermedium.

Tatsächlich kann eine Haaranalyse schon auf wissenschaftlicher Ebene physischen Aufschluss geben: über die DNS (und also biologische Herkunft) geben, sowie auch über den Gesundheitszustand der betreffenden Person zum Zeitpunkt des Haarverlusts. Aber auch metaphysisch ist die Macht der Haare, gar der einzelnen Haare enorm, wenn man sie anzuzapfen weiß. Haare spielen bei Voodoo-Ritualen eine Rolle und einem psychokinetisch fähigen Menschen können sie eine Menge über den Besitzer verraten.

Außerdem speichern sie natürlich auch unsere Geschichte und gerade wenn diese jüngst von unangenehmen Ereignissen erschüttert wurde, haben wir oft das Bedürfnis, uns die Haare schneiden zu lassen…Auf dass „das Alte“ gehen darf. Aber Vorsicht, wie viel abgeschnitten werden soll: viele Frauen empfinden regelrecht körperliche Schmerzen, wenn es dann zu kurz wird und nicht nur, weil die eigene Schönheit verringert scheint.

Meine Frisörin, die sich selbst auch als eine Art ‚Haar-Schamanin‘ empfindet meinte auch mal zu mir, dass unsere Haare den Kontakt zur Erde stärken. Sie habe beobachtet, dass Frauen, die sich entscheiden ihre Haare länger wachsen zu lassen zunächst mal ein bißchen zunehmen – als ob sie an ‚Schwerkraft‘ und ‚Materie‘ dazu gewännen. Es sind natürlich nicht die Haare, die den Gewichtszuwachs ausmachen, sondern nur auslösen: der gesamte Körper nimmt an Gewicht zu.

Aber, wie immer, muss das nicht unbedingt so sein. Es gibt schließlich auch immer wieder Ausnahmen, von Menschen die mit wenig oder gar keinem Haupthaar eine grandiose Erdanbindung haben und/oder metaphysisch bestens vernetzt sind, wie so mancher kahlköpfiger Guru beweist. Genauso wie auch längst nicht jeder Langhaarträger automatisch sensibler und für metaphysisches empfänglicher ist. Die Haare allein sind´s sicher nicht…

Der Trend hält weiter an

Obwohl ich ein großer Fan der alten Friseurweisheit bin, „Bei kurzem Haar geht´s ums Gesicht, bei langem Haar um die Haare“ war ich meiner etwa 15 Jahre währenden Pagenkopffrisur vor drei Jahren schließlich überdrüssig. Ich ließ meine Haare wachsen und nehme den deutlich höheren Pflegeaufwand in Kauf. Ob das länge Haar allerdings meine medialen Fähigkeiten verändert hat, kann ich nicht sagen.

Trotzdem glaube ich, dass es bei diesem Trend um mehr geht, als nur um eine modische Entscheidung. Mein Gefühl ist, dass es eine Begleiterscheinung eines allgemeinen Trends ist, weg vom Künstlichen zum Natürlichen, wie wir das ja auch seit einer Weile in der Ernährung und der Popularität von Biosupermärkten erleben.

Und wenn es die Sehnsucht nach dem Natürlichen ist, der Natur und der natürlichen Ordnung der Dinge, gehört dazu vielleicht auch, dass wir (wieder) gesunde Männer und Frauen sein können und wollen, die sich auch als solche auf Augenhöhe begegnen können. Ob nun er nun einen Rock trägt und einen langen Zopf und sie einen Kurzhaarschnitt und einen Anzug…oder umgekehrt oder in sonst irgendeiner Kombination. In jedem Falle, frei zu sein, wer man gerade ist, unabhängig von Konventionen! Das ist sicher eine lohnende Perspektive – und ich glaube, dieser Trend hält langfristig und weltweit an, egal wie viel Widerstand ihm auch kurzzeitig gerade irgendwo begegnen mag.

Göttin aus der Balance

So erlaubte sich ein lieber Freund meine Situation zu charakterisieren, als er mich vor fünf Wochen im Krankenhaus besuchte, weil man meine gebrochene Schulter operiert hatte. Jetzt habe ich drei kleine Schrauben in meinem rechten Oberarmknochen.

Was geschah

Vor fünfeinhalb  Wochen erwartete ich um 17.45 Uhr eine Klientin und wollte vorher noch das Wasser im Wasserkrug erneuern und das alte in die Balkonpflanzen gießen. Doch meine spielende Katze hatte eine Teppichfalte aufgeworfen. Ich wollte der Katze und dem Teppich ausweichen, übersah aber das im Teppich verborgene Spielstöckchen und darüber stolpernd, stürzte ich so unglücklich, dass mir der Krug aus der Hand fiel und mit der rechten Schulter auf die Dielen knallte. Der Knall war genauso hör- wie fühlbar und der Schmerz war unbeschreiblich intensiv. Mir war sofort wahnsinnig übel und ich lag nur auf dem Rücken, hielt mir die Schulter inmitten der Scherben eines Glases, dass ich auch noch hatte ausleeren wollen, dem Wasser aus dem Krug und dem Krug selbst – der das ganze unbeschadet überstanden hatte.

Ich riss mich zusammen, in dem Wissen, dass meine junge Klientin jeden Moment klingeln würde – tatsächlich hatte sie den Sturz auf der Straße durch meine offene Balkontür sogar gehört. Kaum stand ich im Flur, klingelte sie und als sie herein kam, bat ich sie, das Chaos in meinem Wohnzimmer zu beseitigen. Ans gemeinsame Arbeiten war nicht mehr zu denken. Hilfsbereit und freundlich räumte sie die Scherben weg, wischte das Wasser auf, holte mir Rescue-Tropfen aus meinem Küchenschrank, half mir zu trinken…während ich vom Schock zitternd auf meiner Couch lag und der Schmerz stetig zunahm. Sie blieb noch einige Stunden, half mir, auf die Toilette zu gehen, ins Bett zugehen – ich behielt mein Jerseykleid einfach an, An- und Ausziehen war mir schlicht unmöglich. Dann fütterte sie die Katze und verließ meine Wohnung mit dem Löschen des Lichts. Ich telefonierte im Dunkeln noch mit lieben Freunden und gemeinsam meditierten wir auf die Heilung meines Arms. Dann lag ich zwischen meinen Telefonen im Bett und betete mehr oder weniger ununterbrochen, dass es nur eine Prellung sein möge. Ich schlief wenig – unruhig vor lauter Angst und Schmerz und der mir dräuenden Szenen, wie ich mit dieser Unbeweglichkeit fertig werden sollte. Inzwischen war der Schmerz so schlimm, dass es mir unmöglich war, aufzustehen, den Oberkörper aus dem Liegen aufzurichten. Doch ein Kochtopf, den mir meine Klientin hingestellt hatte, und bevor sie ging noch einmal leerte, leistete gute Dienste. Mir wurde immer klarer, dass mein Leben gerade eine ungeplante Veränderung erfahren hatte, deren Ausmaß ich noch lange nicht würde absehen können.

Die Dinge nehmen ihren Lauf

Das begann schon mit meiner Klientin: angesichts dieses plötzlich äußerst intimen Miteinanders wandelte sich unser eher professionelles Verhältnis an diesem Abend zu einem freundschaftlichen. Sie fand ihr eigenes Verhalten selbstverständlich und ich war einfach nur dankbar, dass sie wie ein rettender Engel genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen war. Sie war dann auch in den drei Wochen nach dem Krankenhaus einer derjenigen, die mir mit dem Haare waschen und Duschen half…denn anfänglich durfte die Operationsnarbe nicht nass werden und so hatte ich mit einer anderen klugen und hilfsbereiten Freundin ein feines Patent aus Cellophanfolie, Crepeband und einer Plastiktüte entwickelt, dass die Wunde trocken hielt, mich allerdings noch unbeweglicher machte. Und also saß ich wie eine Statue in meiner Wanne auf einem Hocker und wurde abgeduscht…

Und wieder war ich vor allem und immer wieder äußerst dankbar, dass spontan zwölf Menschen ihre eigenen Pläne umgeworfen oder angepasst hatten, um mir zu helfen.

Eine Freundin und ihr Mann, boten neben der gemeinsamen Meditation auf meine Heilung sofort ihre Hilfe an. Die Freundin war es dann auch, die mich am nächsten Vormittag in die Notaufnahme des Klinikums bei mir gegenüber begleitete und trotz unseren fleißigen Meditierens, Visualisierens und Intendierens für einen guten Ausgang, wurde es etappenweise schlimmer: der erste Arzt, ein netter junger Spanier, hob und zog prüfend meinen rechten Arm. Das war schmerzhaft. Auf meine ängstliche Frage „Prellung oder Gebrochen?“ antwortete er: „Röntgen.“ Die Röntgenschwester bat mich, das Kleid auszuziehen und ich schüttelte den Kopf: „Geht nicht.“ Während sie mir liebevoll die Bleischürze anlegte, fragte sie, was passiert sei und ich erklärte, ich sei über ein Katzenspielzeug gestolpert. Dann verließ sie den Raum für die Aufnahme und als sie wieder kam, erklärte sie, ich möge der Katze nicht böse sein, der Arm sei gebrochen…

Dann war ich wieder bei dem jungen Spanier und er erklärte, er hole jetzt einen Fachkollegen für Schulterchirurgie und in der Zwischenzeit bekäme ich Schmerztabletten und einen sogenannten „OmoLoc-Gürtel“. Das ist so eine Art Nierengürtel mit drei Schlaufen versehen und Klettverschlüssen der, den Oberarm seitlich am Körper fixiert und Unterarm auf dem Bauch. So wird die Schulter stabilsiert. Immerhin hatte ich die rechte Hand etwas frei und die war und blieb auch glücklicherweise beweglich.

Der Schulterspezialist erklärte, es handele sich um eine Fraktur. Noch im Schock und von Wunschdenken geprägt, dachte ich eher an einen Sprung, wie in einer Keramikschüssel und meinte: „Aber nicht gebrochen?“ Woraufhin meine liebe Freundin, die mich begleitete, bemerkte: „Lisa, eine Fraktur ist ein Bruch!“ Dem Schulterchirurgen zuckte ein Schmunzelnd über die Lippen, aber sein Mitgefühl behielt die Oberhand und er erklärte, wie er das zu operieren beabsichtige und glücklicherweise sei am Montagmorgen gerade ein OP-Termin frei geworden… und vorher sollte ein MRT stattfinden. Dann verabschiedete er sich und auch meine Freundin musste dann ihrem Tagwerk nachgehen, erklärte, aber sie würde mich später mit ihrem Mann abholen. Denn das Wochenende sollte ich bei  ihnen verbringen. Schließlich war ich alleine völlig unbeholfen – ich hätte mir nichts zu essen machen, geschweige denn die Katze füttern können. Das übernahm freundlicherweise sofort eine darin längst geübte Nachbarin.

Ich verbrachte dann die nächsten zwei Stunden in der Klinik mit dem Ausfüllen von Formularen, Vorgesprächen für die OP, u.a. mit der Finanzabteilung und dem Narkosearzt. Alle waren freundlich, alle waren hilfsbereit – mich Hinzusetzen war zu schmerzhaft, also durfte ich stehenbleiben und weil ich nur mit Mühe schreiben konnte, weil ja der Verband meinen rechten Arm fixierte, hielten sie mir Klemmbretter mit den Formularen genauso hin, dass ich sie ausfüllen und unterschreiben konnte.

Ich kam heil alleine nach Hause. Die Klinik ist fußläufig von meiner Wohnung und die Haustür bekam ich glücklicherweise auch problemlos auf und dann verbrachte ich ein paar Stunden damit, meine nächsten vier Wochen umzugestalten: ich sagte sämtliche Termine ab: Klienten, Physiotherapie, Qi Gong, einigen Freunden und musste außerdem zwei Reisen absagen, bzw. Gastgebern und Mitreisenden mitteilen, dass ich mit größter Wahrscheinlichkeit ausfiele – ich hatte noch immer die naive Vorstellung, gegebenenfalls auch mit Arm in der Schlinge reisen zu können… Dann suchte ich meine Sachen für die Klinik zusammen – meine Freundin packte sie später- und meinen Autoresponder für Emails einrichten. Am Abend kamen meine Freunde und packten mich mit allem ein, ich verabschiedete mich von meiner Katze, wohl wissend, ich würde meine Wohnung erst nach dem Klinikaufenthalt wieder betreten…

Das Wochenende war sonnig und warm und während meine lieben Freunde, die obendrein gerade umgezogen waren, mich liebevoll umsorgten und sich ansonsten ihren Umzugskartons widmeten, saß ich auf ihrem schönen neuen Balkon, las und meditierte so vor mich hin… Denn, meine Haltung zu diesen Dingen ist, dass es keine Zufälle/Unfälle gibt, jeder Erkrankung eine Botschaft innewohnt und dass es nun galt, sich dem Heilungsprozess hinzugeben und sich dem dazugehörigen Erkenntnisprozess zu öffnen.

Am Sonntagabend meditierten wir zu dritt nochmals gemeinsam auf meine Heilung und mein Freund erklärte, er wünsche mir, dass ich die bestmögliche Behandlung und das optimale Operationsteam für meine Schulter erhielte. Diesen Wunsch unterstützte meine Freundin und ich nahm ihn von Herzen an.

In der Klinik

Absurd braungebrannt – von zwei Tagen in der Sonne und stocknüchtern für die OP brachte mich meine Freundin Montagmorgen zur Klinik…und es folgte  zwei surreale Stunden, die von einer Kette von Missverständnissen geprägt waren… Ich hatte die Ansage des Chirurgen, um acht schon beim MRT zu sein, nicht mehr richtig erinnert, aber auch die Diensthabende Schwester auf der Station, auf der ich am Vorabend anrufen sollte, um den Termin zu bestätigen, bemerkte nur, ich würde auf der Station erwartet. Dann habe ich obendrein die Stationen verwechselt und die diensthabende Krankenhausangestellte, die das Missverständnis hätte flugs aufklären können, war an diesem Morgen krank gemeldet und keiner der anderen kam in ihr Büro. Erst als mich um zehn der Schulterchirurg auf dem Handy anrief, klärte sich das Missverständnis auf… Und er meinte, ich müsse jetzt länger auf die OP warten… aber in so einer Verfassung, spielt Zeit eine untergeordnete Rolle. Doch als ich endlich auf der richtigen Station war – wo man mich schon gesucht hatte, hatte die Absurdität ein Ende und kaum hatte meine Freundin mich verlassen, um ihren Verpflichtungen nachzugehen, kam schon die Oberschwester der diesmal richtigen Station und präparierte mich für die OP. Sie stellte amüsiert fest, dass meine ganze Kleidung lila sei – ich trug eine weite lila Bluse und eine lila Jogginghose… anderes war mit dem verletzten Arm nicht möglich und das bekam der Krankenpfleger mit, der mich im Bett unter dem Klinikgelände durch diverse Kellerflure zur OP fuhr. Unterwegs bemerkte er, ob ich wüßte, was man über die Farbe lila sagen würde, es würde mir aber wohl nicht gefallen. Ich entgegnete er meine wohl, es sei die Farbe frustrierter Frauen und er sagte: Die Farbe der sexuell frustrierten. Und ich nickte und meinte, dies sei ja kaum auf Frauen beschränkt, denn sonst würden wohl kaum die Kardinäle alle lila tragen… Und dann erklärte ich ihm, dass das wohl vor allem in den achtziger Jahren eine populäre Reaktion auf die Farbe war, weil damals das Frauenmagazin Emma (Erstausgabe 1977) mit seinem pinken Frauenzeichen als Logo oft Aufmerksamkeit erregte. Aber dennoch stellte ich mir die Frage, woher eigentlich dieser Spruch kommt – ob nur die Emanzipationsbewegung dahinter steckt. Inzwischen habe ich das recherchiert und es geht wohl tatsächlich auf die katholische Kirche zurück: früher galt es in der Adventszeit als besonders fromm, sexuell abstinent zu sein und weil die Priester dann während der Messe lila tragen…war es eben die Farbe lila…die für so manche abstinenten ihren Frust illustrierte…

Weil nun keine Zeit mehr für ein MRT war, hatte man sich für eine Arthroskopie entschieden und gleich darauf die OP. Ich erhielt das Narkosemittel intravenös…und hatte das Gefühl zunehmend nach hinten zu kippen. Ich fand es nicht besonders angenehm, bekam aber gerade noch mit, dass andere das wohl regelrecht genießen…

Drei Stunden später lag ich im Aufwachraum und wurde wieder von meinem Pfleger zurück auf die Station gefahren. Diesmal fragte er mich, was passiert sei und ich wiederholte die Geschichte vom Katzenspielzeug, woraufhin er erklärte, Katzen seien ja äußert gefährlich und berichtete von Gruselgeschichten, wo Menschen aufgrund des ach so giftigen Katzenspeichels eine lebensgefährliche Sepsis erhalten hatten oder ihnen aufgrund eines Katzenbisses ein Zeh amputiert werden müsse. Ich musste lachen, was nicht ganz schmerzfrei war und entgegnete, medizinisches Personal habe wohl meist eine etwas verschobene Sicht auf die Realität: die meisten Bürger hätten mit ihren Katzen keine gesundheitsgefährdenden Probleme und auch das Katzenspielzeug, bzw. die Teppichfalte hätte ich ja beseitigen können… Die Katze treffe keine Schuld.

Ich hatte ein sehr schönes Einzelzimmer auf der Station – hatte entschieden, den Zuschlag für ein Einzelzimmer selbst zu zahlen. Denn die Idee mit einer möglicherweise schnarchenden Zimmergenossin und einem flackernden Bildschirm schlafen zu müssen, erschien mir äußerst unattraktiv. Die Schwester, die den Fernseher für mich aktivieren wollte, war verblüfft, als ich das ablehnte. Ich läse lieber…Und das habe ich dann auch gemacht. Dank meinem Tablet musste ich die rechte Schulter und den Arm kaum bewegen und nach drei Stunden konnte ich dann auch endlich wieder alleine aufs Klo gehen. Noch immer hatte keiner der Mediziner mit mir gesprochen – aber ich vermutete, dass alles glatt gegangen war – denn sonst hätte garantiert einer was gesagt. So erfuhr ich erst am nächsten Morgen bei der Visite vom Oberarzt, dass es sich entgegen der Wahrnehmung auf dem Röntgenbild, es sich nicht um zwei, sondern nur um einen Bruch gehandelt habe. Das habe die Arthroskopie ergeben und ein MRT sei gar nicht nötig gewesen. Medizinisch betrachtet, sei es ein kleiner Routineeingriff gewesen. (Tatsächlich sind die Narben sehr klein.) Dann setzten er und sein Geschwader ihre Tour fort und ich geriet ins Grübeln.

Die Kraft des Geistes

Wir hatten die Heilmeditationen auf meine Schulter das ganze Wochenende fortgesetzt und andere Freunde, die davon inzwischen erfahren hatten, hatten mich geistig auf ihre Art unterstützt. Ich bin sicher, dass dies den einen Bruch bereits geschlossen hatte – wer weiß, mit wieviel Meditation und Vertrauen darin, dass mit dem Geist auch abgespaltene Knochen wieder zu vereinen sind, sich die OP vielleicht erübrigt hätte. Doch offenbar war noch eine höhere Intelligenz am Werk, die mir nun drei Titanschrauben im Kopf des rechten Schulterknochens beschert hat – die ich, weil wir ja nun dauerhaft in diesem Körper zusammenwohnen, liebevoll Tick, Trick und Track nenne.

Und die merkwürdigen Verzögerungen am Morgen vor der OP machten plötzlich Sinn: meine Freunde hatten mir ja das bestmögliche OP-Team gewünscht, tatsächlich sagte mir der Narkosearzt, ich hätte ja schon um acht da sein sollen, aber da hätten wir noch nicht das Vergnügen miteinander gehabt, er sei gerade erst gekommen… und außerdem wurde so auch das MRT verhindert, von dem ich persönlich das deutliche Gefühl hatte, dass der höllische Lärm, den man dabei hört mich eher stressen, als entspannen würde – Entspannung ist aber gut für die OP… Und also fügte sich eins zum anderen.

Und ich meditiere seitdem oft und intensiv auf meine Schulter, stelle mir vor, wie Heilenergie ungehindert durch sie hindurchfließt, wie ich mit beiden Armen freudvoll tanze, Menschen umarme, schwimme, bildhauere, koche usw.

Betreuung

Dabei wurde ich immer wieder unterstützt von diversen freundlichen Besuchern und Anrufern. Und wirklich alle boten sofort und uneingeschränkt ihre Unterstützung an. Sei es, dass sie mich einluden, bei ihnen zu wohnen oder sogar, zu mir zu ziehen, bis ich wieder einigermaßen beweglich war. Denn die ersten vierzehn Tage sollte ich den Arm ja möglichst ruhig halten und naß werden durfte die Operationsnarbe auch nicht…

Also verbrachte ich den Mittwoch SMS-schreibend und telefonierend im Bett – und organisierte mir meinen Betreuungsdienst und sagte betrübt meine Reisen endgültig ab… Keiner war überrascht.

Zwischendrin kam noch ein Pfleger und wollte mich mit dem Bett zum Kontrollröntgen fahren. Weil ich aber zu Fuß durchaus beweglich war, bat ich, ob wir zu Fuß gehen könnten. Das war nicht gestattet, aber Rollstuhl ging und weil man dann auch überirdisch zur Röntgenstation kommt, fuhren wir durch herrliches Herbstwetter über das schöne Klinikgelände. Als ich auf dem Rückweg mich der frischen Luft erfreute, machte der Pfleger sogar eine extra Runde mit mir durch den Park!

Außerdem kam auch ein netter phantastisch kompetenter Physiotherapeut und massierte meine Rückenverspannungen und regte mich schon zu ersten Bewegungen an. Überhaupt gab es dazu unterschiedliche Ansagen und ich entschied, meinen eigenen Impulsen zu folgen.

Wenn es nach dem Oberarzt gegangen wäre, hätte er mich – schon am zweiten Tag nach der OP entlassen, doch die Oberschwester meinte einen weiteren Tag dranzuhängen…und sie hatte Recht. Denn fit genug fühlte ich mich erst am Donnerstag und Mittwoch musste ich auch noch meinen Betreuungsdienst organisieren.

Wieder Zuhause

Eine liebe Freundin holte mich ab und brachte mich nach Hause – und mir wurde klar, dass die geographische Entfernung winzig ist – man kann von der Notaufnahme der Klinik mein Haus sehen, dass aber die psychische gewaltig ist: selbst wenn es mir gestattet gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich nicht einfach meine eigene Wohnung und meine Katze besucht… Die ja nunmehr praktisch eine Woche allein war.

Sie reagierte dann auch ganz ungewohnt bei meiner Rückkehr. Wenn ich sonst von einer Reise komme, begrüßt sie mich leise miauend im Hausflur und streicht mir um die Beine. Doch diesmal wich sie mir maunzend aus und als ich sie anfasste, fauchte sie sogar. Erst eine Dreiviertelstunde später, als meine Freundin mich geduscht hatte, wie eine Vierjährige, ließ sie sich wieder streicheln und war dann auch von da an wieder sehr anhänglich. Inklusive ihrer Angewohnheit, wenn ich länger weg war dann in den Anfangsnächten auf meinem Bauch zu treteln, bis ich richtig wach bin – vorzugsweise morgens um halb vier

Meine Freundin meinte, die Katze habe wohl ein schlechtes Gewissen, denn schließlich habe sie ja den Sturz verursacht. Ich bin mir nicht so sicher. Ich denke eher, dass der Sturz, bei dem sie ja dabei war, auch sie massiv erschreckt hat und vor allem, dass ich sie von einem Moment auf den anderen nicht mehr in gewohnter Form streicheln konnte. Ich konnte mich nicht zu ihr hinunterbeugen und auch wenn sie auf meinem Schreibtisch saß, nur mit einer Hand. Das könnte sie als Liebesentzug wahrgenommen haben.

Und vielleicht war ihr auch der Klinikgeruch unangenehm…und vielleicht hat sie in der ihr eigenen Weise auch gespürt, dass ich eben nicht auf einer gewöhnlichen Reise war…

Dann folgten knappe drei Wochen an denen ich bestens von zwölf lieben Menschen wunderbar versorgt wurde: sie halfen mir u.a. beim Duschen/Haare waschen, Wäsche waschen, Katze füttern, Katzenklo sauber machen, kauften ein, bekochten mich und flochten mir einen Zopf. Die ersten fünf Tage kam immer morgens und abends jemand, dann zwei Wochen lang nur noch einmal am Tag und schließlich nur noch alle zwei oder drei Tage und inzwischen komme ich weitestgehend alleine klar. Nur Glühbirnen auswechseln und Bett beziehen geht noch nicht, aber ich kann mich wieder vollständig alleine anziehen und seit die Narbe nass werden kann, auch wieder die Haare waschen – mit links!

Außerdem begann ich eine Woche nach der OP mit intensiver Physiotherapie: dreimal die Woche. Es ist bemerkenswert, wie schnell manches ging und wie langsam anderes. Halbwegs tippen ging von Anfang an – inzwischen ist es problemlos, auch wenn ich häufiger Pausen mache als sonst. Mittlerweile hat die sechste Woche nach der OP begonnen und ich kann mir noch immer nicht selbst einen Zopf flechten – ich komme mit dem rechten Arm nicht so weit nach hinten. Pullover anziehen ist leichter, als sie auszuziehen – anfangs trug ich ohnehin nur Strickjacken und Hosen mit Gummizug und einen Poncho, der ein optimales Kleidungsstück ist, wenn man die Arme nicht heben kann. Jeden Tag gab gibt es etwas, was erfreulicherweise wieder geht: wie BEIDE Hände unter den Wasserkran halten zu können, die Jeans wieder zuzukriegen, eine Flasche aufzuschrauben (mit links)… Inzwischen kann ich schon fast wieder alle Bewegungen mit rechts machen, aber manche sind noch sehr schmerzhaft und teilweise fehlt mir die Kraft. Auto fahren wäre wohl aufgrund der Gangschaltung wohl noch schwierig. Doch kriege ich schon genau eine bestimmte Haarspange befestigt, kann weiche Äpfel und Lauch kleinschneiden, eine harte Zitrone oder Zwiebel jedoch noch nicht… Ich denke, in drei Wochen kann ich auch wieder zum QI Gong gehen und Weihnachten wieder Fahrrad fahren und meine geliebten Tibeter (mit der Liegestütze) machen…

Die Botschaft

Wie bereits erwähnt, glaube ich nicht an Zufälle oder Unfälle und also erübrigen sich auch die Fragen, ob es hätte verhindert werden können. Ich bin der festen Überzeugung: wenn es hätte verhindert werden können oder sollen, wäre es nicht passiert. Und offensichtlich steht die Ursache in keinem Verhältnis zur Wirkung. Ich musste nicht waghalsig surfen oder Ski laufen, um mir die Knochen zu brechen – es geschah in meinem eigenen Heim… Eine liebe Freundin, die die voller Anteilnahme anrief, während ich in der Klinik lag, berichtete dagegen, sie sei ebenfalls vor zwei Tagen mit dem Mountainbike dramatisch gestürzt…habe sich aber nur die Lippe aufgeschlagen…

Es ist zu einfach zu sagen, dass mein Körper eine Auszeit wollte – was stimmt; und dass ich vorher etwas zu gestresst war – was auch stimmt. Doch wäre es nur um Pause und Entschleunigung gegangen, hätte eine ordentliche Grippe oder ein verstauchter Knöchel wohl auch ihren Dienst geleistet. Übrigens kam ich nach dem Sturz noch nicht mal auf die Idee, den Notarzt zu rufen – ich war einfach zutiefst davon überzeugt, dass alles am nächsten Tag besser wäre und ich mich nur ausruhen musste…

Und also stelle ich mir die Frage, was es hier für mich zu erkennen und zu entschlüsseln gilt. Einiges hat sich mir schon offenbart, anderes wird dies noch in Zukunft tun.

Einige Hinweise hat meine Schulter selbst geliefert – die natürlich selbst ein Symbol für gewisse Dynamiken ist, andere, der nach wie vor beachtliche Schmerz. Ich habe mir in der Vergangenheit schon mal den Fuß und das linke Handgelenk gebrochen – das war bei weitem nicht so schmerzhaft. Und auch dem Schmerz wohnt eine Botschaft inne, denn physischer Schmerz ist der Ausdruck von einem emotionalen, psychischen oder seelischen Schmerz, der vorher nicht anders fühlbar war. Denn schließlich ist es so, dass die Seele sich erst in letzter Instanz physisch äußert. D.h. jeder physischen Beschwerde geht eine energetische, psychische, emotionale Schieflage voraus – wenn man das nicht wahrnehmen kann oder will, wird’s physisch erfahrbar.  Und die gefühlten Schmerzen stehen in direktem Verhältnis zu dem Schmerz, der zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort hätte gefühlt werden müssen – meistens in der Kindheit, aber nicht immer. Doch die Schmerzen akut zu fühlen und auszudrücken war aus verschiedenen Gründen nicht möglich. Doch, damit die Seele ihren Bewusstseinsweg weiter gehen kann und wir die Erfahrungen machen können, nach denen wir uns zutiefst sehnen…zeigt sich das, was dem noch im Wege steht. Oft durch Widerstände und Ängste und manchmal eben auch in heftiger physischer Form.

Und immer wieder die Erkenntnis, es geht gar nicht immer in erster Linie darum, zu verstehen oder zu erinnern, was irgendwann, irgendwie geschah, was dies zur Folge hatte. Aber zu akzeptieren, dass unsere Traumata und dazugehörigen Gefühle im Körper gebunden sind und sich – wenn man an Bewusstseinswachstum interessiert ist – eben auch zeigen wollen, damit sie vom Bewusstsein berührt und dadurch gelöst werden können. Dazu muss man sie nicht unbedingt verstehen – aber die entsprechenden Gefühle zulassen können…

Manchmal kommen Bilder hoch – die in der subjektiven Wahrnehmung der Wahrheit entsprechen, mindestens was die emotionale Erfahrung, die damit einherging, angeht. Doch oft ist es schwer, sie in der eigenen bewussten Wirklichkeit zu verankern und oft stammen sie aus Zeiten, an die wir keine bewusste Erinnerung haben, seien sie aus diesen oder anderen.

Wichtig ist nur zu akzeptieren, dass unser Körper quasi eine gigantische Festplatte ist, der in seiner Zellen unsere physischen und emotionalen Erinnerungen speichert…die, je nachdem wie heftig, zu Energie- und Gefühlsblockaden führen können.

Was bleibt

Körper-Kintsugi: ich habe entschieden, die drei Titanschrauben, die wahrscheinlich mein restliches Leben in diesem Körper bleiben, wie die japanische Reparturkunst für den Körper zu betrachten: etwas das zerbrochen vollkommener wird als es vorher war…

Eine inzwischen bemerkenswerte Geschicklichkeit mit der linken Hand: ich bediene die Computermaus nach wie vor mit links, obwohl es mit rechts schon wieder ginge….

Eine tiefe große Dankbarkeit für meine Freunde und einige Bekannte und ihre enorm großzügige und zuverlässige Unterstützung, die ich auf so liebevolle Weise erfuhr.

Eine tiefe Demut ob der Macht des Lebens…das, wie John Lennon es mal so treffend ausdrückte, „geschieht, während wir andere Pläne haben.“

Eine hohe Achtung für unsere physische Verletzlichkeit, unsere tatsächliche Zerbrechlichkeit einerseits und dass mein Körper weit mehr Achtsamkeit verdient, als ich ihm bisher habe angedeihen lassen…und dass das wohl für sehr viele Menschen gilt. Andererseits verfügen wir auch über eine enorme Selbstheilungskraft: ich arbeite daran, dass ich in absehbarer Zeit beschwerdefrei bin und bin jung und fit genug, das auch hinzukriegen. Dazu bedarf es einer gewissen Disziplin…und vor allem der Geduld und ich lerne gerade nochmals, Erwartungen los zu lassen – aber trotzdem zielstrebig weiter zu machen. Zeit ist wohl das, was wir daraus machen. Für mich ist sie gerade ein Heilmittel…denn mit jeder Übung und jedem Tag nimmt meine physische Selbstständigkeit weiter zu.

Ein noch erhöhter Respekt vor unserer geistigen Kraft: ich bin sicher, ohne die Meditationen wäre alles weit weniger glimpflich abgelaufen.

Und noch mehr Mitgefühl habe ich für jene, die auch – plötzlich aus ihrem Leben gerissen – nun ihr Sein ganz anders gestalten müssen. Das ging mir durch den Kopf, als ich auf der Röntgenstation in der Klinik zwischen einigen anderen wartete, die es zum Teil noch wesentlich schlimmer getroffen hatte, als mich.

Von den Botschaften habe ich einige wohl schon erkannt, andere werden sich zu gegebener Zeit noch offenbaren. In jedem Falle akzeptiere ich, dass ich all dies selbst erschaffen habe und dass all dem ein tieferer Sinn innewohnt, der mir dienlich, wenn auch noch nicht völlig begreiflich ist. Ich bin sicher, die Erkenntnisse setzen sich weiter fort.

 

Kraftquelle Haar – Teil 1: Färben oder nicht färben?

Dieser Blog sollte eigentlich eine aktuelle Bestandsaufnahme zum Mythos Haare sein… aber, wie das immer so ist, wenn man seinen Fokus auf ein bestimmtes Thema lenkt, so drängt sich auch der persönliche Bezug ins Bewusstsein und also habe ich mich auch mal wieder mit meinen eigenen Haaren auseinander gesetzt… Und so ist dieser Blogeintrag schließlich zum Zweiteiler geworden. Der erste Teil widmet sich meinen persönlichen Fragen, der zweite eher einer allgemeinen Betrachtung. Aus jüngsten Erfahrungen drängt sich mal wieder die  fundamentale Frage für mich auf: Färben oder nicht färben?

Die Macht der Natur

Die, die mich kennen, wissen, dass die Grauhaarigkeit bei mir mit auf natürliche Weise Mitte zwanzig begann – damals hab ich natürlich noch gefärbt… Diese ganze Geschichte habe ich schon vor drei Jahren in meinem alten Blog mit dem Titel „Powergrau“ niedergeschrieben. (Siehe unten)  Und damals war ich noch uneingeschränkt der Meinung, dass man die konditionierte Wahrnehmung von Grauhaarigkeit = alt,  wandeln könnte und dachte, dass die vielen Menschen, die sich die Haare aus modischen Gründen grau färben ein ermutigender Ausdruck dessen sind. Denn um die Haare grau zu färben muss man es wirklich wollen und bereit sein, Zeit und Geld zu investieren – das ist mit einer Schnellpackung vom Drogisten nicht getan.

Ich persönlich färbe seit nunmehr neun Jahren nicht mehr und finde es in vielerlei Hinsicht wunderbar: kein finanzieller und zeitlicher Stress mehr mit den Biofärbemitteln. Es gibt da natürlich ganz wunderbare, die hinterher super aussehen und auch für den Stoffwechsel keine Belastung sind. Doch sind sie für jemanden, wie mich, bei dem die weißen Haaransätze spätestens nach zehn Tagen schon wieder sichtbar werden – eine kostspielige Angelegenheit und da die Einwirkzeit vier Stunden berät eben auch zeitaufwendig. Und außerdem liebe ich Natürlichkeit und Authentizität…

Ungefärbt und lang

Außerdem habe ich Glück, mein Haar ist voll und kräftig und nachdem ich zehn Jahre lang einen Pagenkopf trug, stand mir der Sinn nach was anderem und so habe ich inzwischen so etwas wie eine über schulterlange Silberfuchsmähne. Weil mir das glücklicherweise einigermaßen steht und meine Gesichtszüge ansonsten vielleicht sogar jünger wirken, als ich tatsächlich bin, ist dies eine wilde Mischung, die vielen gefällt oder mindestens auffällt. Tatsächlich drehen sich gelegentlich sogar Menschen auf der Straße nach mir um oder starren mich in der Bahn unverhältnismäßig lange an…

Am meisten Eindruck macht dies bei Frauen und so manchen Männern, die mein Bekenntnis zum grauen Haar aus verschiedenen Gründen mutig finden. Und ganz besonders anziehend finden das viele Männer, die sich bereits dem Pensionsälter nähern oder schon längst darin sind…

Und das ist mein Problem: Oft stelle ich fest, dass die meisten Männer sich in der Regel für jüngere Frauen begeistern, und/oder für jene, welche Unschuld, Frische und Jugendlichkeit ausstrahlen…

Die Macht der Konditionierung

Ich wußte, als ich aufhörte zu färben, dass ich damit umgehend mindestens zehn Jahre älter aussehen würde als ich tatsächlich bin… und dachte jetzt, mit beinahe fünfzig, würde es allmählich stimmig wirken. Aber weit gefehlt: denn jetzt habe ich ein wenig die Aura der „weisen, alten Indianerin“ was sicherlich grundsätzlich attraktiv ist, aber womit ich offenbar oft aus dem Beuteschema vieler Männer falle, die ich meinerseits attraktiv finde.

Denn die unterbewusste Konditionierung „Frau mit grauem Haar = Großmutter“ greift auch bei Männern, die es natürlich eigentlich besser wissen. Doch wir wählen unsere potentiellen Partner zunächst einmal nicht mit dem Verstand – irgendeine kryptische multidimensionale Chemie aktiviert sich…die zu entschlüsseln Parfumeure, Modedesigner und Datingcoachs, Sexualtherapeuten und Heiratsvermittler seit Beginn unserer Paarkultur zu ergründen versuchen…

Aus lauter Ratlosigkeit nennen wir das Magie und die läßt sich vielleicht ein bißchen verstärken oder schwächen aber nicht grundsätzlich und auf Dauer manipulieren. Da greifen Dynamiken, die wir bisher noch nicht vollkommen erfassen können und irgendwie ist das ja auch beruhigend, denn dann spielt letztlich auch die Haarpracht nur noch eine untergeordnete Rolle… Wenn´s passt, passt´s, wenn nicht, eben nicht.

Chancen erhöhen!

Doch um herauszufinden, ob „es“ passt oder nicht, muss ja erst einmal ein gewisser Kontakt zustande kommen und genau da hakt es gerade bei mir. Denn obwohl ich nicht im mindestens Lust habe, meine Haare zu färben, habe ich noch viel weniger Lust, bei den Beutekategorien ständig weiter in der Rentnerrubrik zu landen. Also habe ich mir Input von Freunden und Freundinnen geholt und natürlich erklären die einen, sie würden unbedingt färben, oder wenigstens tönen oder Strähnchen machen lassen… Die anderen erklären, ich könnte mich doch keineswegs nur wegen des „Markts“ und für potentielle Partner verbiegen… Und die ganz schlauen erklären, maßgeblich sei doch das Gefühl meiner eigenen Attraktivität: wenn ich mich selbst – egal wie – attraktiv und sexy fühlte…würde sich das doch auch möglichen Interessenten vermitteln! Und schließlich gibt es noch jene, die vorsichtig darauf hinweisen, dass ich vielleicht Männern, die mich interessieren, meinerseits deutlichere Signale zur Kontaktbereitschaft geben müsste, damit sie zwischen all den Häschen, Gazellen, Löwinnen  und sonstigen Beutetieren…durchaus auch mal eine Silberfüchsin in Erwägung ziehen können.

Ich bin in mich gegangen und habe entschieden, dass das Färben meiner Haare für mich wirklich nicht in Frage kommt. Allerdings habe ich gezielt meinen Kleidungsstil überprüft, damit er weder der Kategorie „Spätes Mädchen“ noch der Kategorie „Flotte Oma“ entspricht, entschieden doch gelegentlich etwas mehr Make-Up zu benutzen,  und mir auch vorgenommen, noch selbstbewusster zu meinem Äußeren zu stehen… in der Absicht künftig weniger das Bild der weisen, abgeklärten, alten Indianerin in anderen zu erwecken, sondern dass einer klugen, forschungsfreudigen, abenteuerlustigen und sinnenfrohen Frau im besten Alter!

POWERGRAU

Mein erster Artikel zum Thema vom 23. März 2013, aus meinem alten Blog „Notizen einer Alltagsgöttin“.

Heute fiel mir zum ersten Mal eine Anzeige in der Zeitung für „Powergrau“ auf – eine deutsche Haarschampoofirma scheint seit einiger Zeit ein Herrenprodukt gezielt mit dem Slogan „Die neuen grauen Männer“ zu bewerben – bisher habe ich damit immer die grauen Herren, die Zeitdiebe in Michael Endes Roman Momo assoziiert.

Aber nicht so der Haarwaschmittelhersteller, sie empfehlenden Gebrauch ihres Haarwaschmittels, weil es den „schmuddeligen Gelbstich“ in eben jenes Powergrau umwandelt. Weiter heißt es in der Anzeige, dass zunehmend mehr Männer in der Öffentlichkeit von dem Powergrau Gebrauch machen… Subtext: es macht alle seriöser und sexier… Von jeher gelten die grauen Schläfen bei Männern von Cary Grant bis George Clooney als ultra attraktiv.

Aber bei den Frauen? Was ist mit Powergrau für die Powerfrau? Wer mich persönlich kennt, weiß, dass ich seit ich dreißig bin erstaunlich grau für meine jungen Jahre war – tatsächlich fing es schon mit Mitte 20 an – damals färbte ich voller Empörung mein Haar sofort und hatte dann in den folgenden Jahren mal rotes, mal blondes, mal gestreiftes (blond und dunkelbraun) Haar….

Mit 33 hatte ich dann das erste Mal den Mut wirklich dazu zu stehen – denn ein junges Gesicht und diese stählerne Haarfarbe haben einen gewissen Charme. Aber nur wenn man gerade nicht blass ist. Mit diesem Look war ich 2001 in China und sah leider nicht immer so fit aus, wie ich es mir gewünscht hätte: die Zeitverschiebung und die miese Luft in den chinesischen Hotels forderten einen gewissen Tribut. Die Folge: viele völlig erstaunten Chinesen starrten mich an und bei einer Gelegenheit erkundigte sich eine Chinesin mittels des Dolmetschers, ob ich früh sterben wolle…

Genauso erfuhr ich mit gewissem Interesse, dass wenn Frauen graues Haar haben, dies eine Botschaft der Natur ist, dass die Frau ihre Fruchtbarkeit eingebüßt hat… Und also sind zeugungswillige Männer von Frauen mit grauen Haaren bewusst oder unbewusst eher abgetörnt.

Entsprechend interessant waren auch immer die Reaktionen verschiedener Männer auf meine ach so authentische Haarfarbe: von vielen kriege ich bis heute richtig schöne Komplimente. Tatsächlich haben mir schon wildfremde Männer auf der Straße oder in Bahn deswegen sehr nette Dinge gesagt.

Andererseits habe ich beim Onlinedating die Erfahrung gemacht, dass kaum, dass ich mein Foto – mit dem deutlich grauen Haar – freigeschaltet hatte, die vorher schier euphorischen Herren sich abwandten. Übrigens je älter, desto schneller…

2005 habe ich dann meine Haare wieder eine Weile gefärbt – weil mir nach einer gründlichen Veränderung war und der 50er Jahre Effekt mit neuem Hut oder neuen Schuhen in unserer Zeit so schrecklich wirkungslos ist. Also habe ich dank eines wunderbaren Bioprodukts einen phantastischen Dunkelschokoladenbraunen Schopf gehabt.

Der Effekt hielt genau zehn Tage – denn meine Haare wachsen so schnell, dass in Nullkommanichts meine Ansätze wieder zu sehen waren und ich verlor bald die Lust, dauernd meine Ansätze zu färben – Bio bedeutet nämlich dass die Färbeaktion 4 Stunden dauerte…und außerdem Kostspielig war: eine Packung kostete über 20 Euro…

Also hat meine Faulheit und schließlich mein Bedürfnis nach Authentizität gesiegt und nach einer mutigen Phase, in der ich praktisch zwei Haarfarben hatte: grau vorne und rotbraun hinten, habe ich alles Gefärbte abschneiden lassen, und hatte einen sexy Kurzhaarschnitt – ganz in grau. Jetzt sind sie wieder etwas länger und ich habe im Allgemeinen einen grauen Pagenkopfhaarschnitt.

Kleine Kinder sprechen von mir gerne als Oma und die Assoziation zur Hexe schwingt auch immer wieder mit. Dazu passt auch die mythologische Sichtweise: ein Bekenntnis zur eigenen Grauhaarigkeit ist auch immer ein Ausdruck von großer Weisheit und innerem Frieden: Menschen mit grauem Haar sind mit sich und dem Leben im reinen und versuche nicht, etwas zu sein, was sie nicht sind… Das gefällt mir!

Meine Erkenntnis: wir Grauhaarigen werden – in Deutschland schon aus demographischen Gründen – immer mehr. Schon seit einigen Jahren bezeichnen Schauspieler das Publikum vor ihnen als „Baumwollfelder“.  Ich bin gespannt, ob graues Haar irgendwann eine Neubewertung erfährt – weg von alt, biologisch unfit und hexig…hin zu weise, von reifer Sexualität jenseits von Fortpflanzung und zauberhaft… Ich jedenfalls bin bereit, meinen Beitrag dazu zu leisten!