Eine Bewusstseinsentzündung

Ich mache mir schon lange Gedanken zu diesem Thema und es ist ein so umfassender Themenkomplex, dass ich manches nur anreißen kann, das sicherlich eine eigene Diskussion verdienen würde. Doch geht es mir weniger um die genaue Bestandsaufnahme der aktuellen Situation, als darum einen Weg zu etwas neuem, gesünderem zu finden.

Denn die Beziehungen zwischen Männern und Frauen galten schon immer als heikle Angelegenheit, besonders wenn es um Sex geht. Schon die alten Griechen hatten ein Theaterstück, gar eine Komödie zum Thema Männer, Frauen, Macht und Sex: Lysistrata. Und noch immer gibt es immer mehr Literatur und Filme dazu, die offenbar nie ihren Unterhaltungswert einbüßen und natürlich auch immer wieder reale Ereignisse – die weniger unterhaltsam sind, jedoch einen Haufen Gemüter beschäftigen.

Der jüngste Ausdruck dessen ist die gegenwärtige #metoo Bewegung – die gerade zu einer Flut von internationalen Bekenntnissen führt: von mehr oder weniger bekannte Frauen und Männer, die unter mehr oder weniger bekannten und übergriffigen Männern in überlegenen Machtpositionen mehr oder weniger stark gelitten haben, aber teilweise auch davon profitiert haben… Und von Männern, die sich zu ihrer Grenzüberschreitung mehr oder weniger reumütig äußern, sich aber auch teilweise selbst als Opfer fühlen.  

Es muss uns bewusst werden

Natürlich ist es gut, dass dies mal wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein dringt: dass es ganz offensichtlich ein massives Problem im gesunden Miteinander von Männern und Frauen gibt und dies sicherlich nicht erst seit der  erfolgreiche amerikanische Filmproduzent Harvey Weinstein öffentlich gestellt wurde, weil er junge Frauen weniger als Menschen, denn als ihm zustehendes Naschwerk behandelt. Und er ist nicht der erste, der wegen sexueller Übergriffe in die Schlagzeilen geriet – nur derzeit einer der prominentesten – aber dergleichen ist immer wieder Thema. Ich erinnere an den französischen Politiker Dominik Strauß-Kahn und den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton und bei uns in Deutschland – nicht ganz so prominent – der FDP Politiker Rainer Brüderle 2013 und jüngst der bisher als unbescholten geltende US-Schauspieler Kevin Spacey.

Auf eine große Welle der Empörung folgt dann eine etwas kleinere Welle der Reumütigkeit (auch wenn die jedes Mal ein bisschen größer wird) und öffentlicher Betroffenheit oder Besorgnis. Dann beruhigen sich die Medien und die Gemüter wieder – bis das Fass nach einer Weile wieder überläuft… Ob das für Einzelfälle Folgen hat, wissen nur die Betroffenen. Kann sein, dass sich jetzt für den Produzenten tatsächlich jetzt etwas dauerhaft ändert und vielleicht sogar im amerikanischen Filmbetrieb. Aber verhindern Regelwerke tatsächlich dass Menschen ihre Machtpositionen nicht ausnutzen? Denn das gilt nicht nur für Männer.

Macht wird ausgenutzt

Studien im Bereich der Genderforschung haben ergeben, dass dies nicht erst seit dem von uns seit tausenden von Jahren erfahrenen Patriarchat so ist: auch das Matriarchat – wenn auch von vielen gepriesen oder gar glorifiziert – hatte seine Schattenseiten und Männer litten trotz physischer Überlegenheit unter den ranghöheren Frauen, die ihre Macht und ihren Status ausgenutzt haben…  Ehrlich gesagt muss man dafür nicht mal bis in die graue Vorzeit blicken: wir hatten auch in unserer Geschichte Frauen in Machtpositionen, die das gnadenlos zu ihrem Vorteil genutzt haben, auch in Bezug auf Männer und Sex: Kleopatra, Elisabeth I von England, Katharina II. von Rußland usw. usf. Kurz: wenn gewisse Frauen die Möglichkeit dazu haben, nutzen sie die auch… 

Übrigens ist auch der Einsatz von häuslicher Gewalt nicht auf männliche Täter beschränkt: Berlin hat längst ein Männerhaus, wo Männer, die unter gewalttätigen Ehefrauen leiden, Zuflucht nehmen können… Und längst ist bekannt, dass psychische und emotionale Gewalt zwar nicht immer so offensichtlich ist, aber genauso traumatisch sein kann, wie physische… Und dann gibt es noch den heiklen Bereich, wo Frauen in einer scheinbaren Unterlegenheitsposition Männer absichtlich oder unabsichtlich in Schwierigkeiten gebracht haben, indem sie ihnen öffentlich einen sexuellen Übergriff unterstellten – auch daran sind schon Karrieren und Menschen zerbrochen.

Eine Sache der Integrität

Ich glaube, ehrlich gesagt, dass Regelwerke zwar helfen können – aber das eigentliche Problem nicht lösen, nämlich dass manche Menschen ihre Machtposition gegenüber jemandem, den sie attraktiv finden und der ihre Gefühle vielleicht sogar oder eben nicht erwidert, ausnutzen und auch auf den Intimbereich ausdehnen – Scham, Angst vor Erpressung und häufige wirtschaftliche Abhängigkeiten sind machtvolle Dynamiken und keine Regel, kein Gesetz kann einem die Entscheidung abnehmen, ob man sich für die eigene Integrität oder den möglichen Gewinn entscheidet. Hätte ich eine ‚bessere‘ Karriere gemacht, wenn ich zu gewissen Zeiten auf gewisse unmoralische Angebote eingegangen wäre? Das ist sogar ziemlich wahrscheinlich. Würde es mir dann besser gehen als heute? Seelisch sicherlich nicht. Und lassen wir nicht außer Acht, dass es noch immer Orte und Situationen in der Menschheit gibt, wo es dabei nicht nur um eine Entscheidung zwischen Selbstachtung und Selbstverrat geht, sondern zwischen Leben und Tod!

Außerdem gibt es kulturelle Unterschiede: mediterrane Frauen in Deutschland denken zunächst mal, mit ihnen stimmt was nicht, weil nicht dauernd einer hinter ihnen herpfeift… Nordeuropäische Frauen staunen über ihre italienischen Mitpassagierinnen in den Bussen Roms, die offenbar bei jeder Fahrt, wenn der Bus nur halbwegs voll ist, sich von so vielen Händen begrabschen lassen müssen, dass die eigenen zwei Hände nicht ausreichen, um diese abzuwehren…

Und immer gilt: Angst und Scham sind immer gegenwärtig, die Dunkelziffer ist hoch und die Grauzone riesig: wann ist es Flirt, wann eine rüde Anmache? Wann ist eine Äußerung ein Kompliment oder eine Kränkung? Wenn sie so gemeint ist oder so empfunden wird? Und dann diese undefinierbaren unangenehmen Kleinigkeiten, die erst in der Summe eine echte Belästigung werden. Wir alle kennen das: der Begrüßungskuss, der zu lange ausgedehnt wird, das Pressen des Unterleibes an den anderen bei einer eigentlich rein höflichen Umarmung…die Hand, die ein bisschen zu lange auf dem Rücken liegen bleibt, oder zu schnell auf den Po rutscht… Dass jemand sich als Opfer fühlt – ob zu Recht oder zu Unrecht… ist nicht mit einem Regelwerk zu ändern.

Gemeinsame Aufarbeitung ist klug

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Vergewaltigungen sind nicht Teil der Grauzone – die sind meist sehr eindeutig ein Gewaltakt, der verfolgt werden sollte. Nicht nur um des Opfers willen, auch der Täter kann bleibende Schäden davon tragen. Erst Recht, wenn er „eigentlich“ nicht der Typ ist und sein Leben lang rätselt, wie es „ausgerechnet ihm“ passieren konnte.

Thordis Elva und Tom Stranger sind eine Frau und ein Mann, die diese traumatische Begegnung, die ihrer beider Leben massiv beeinflusst hat, sehr berührend in einem Buch und auch einem Tedtalk schildern und auch, wie sie sich von diesem Trauma befreit haben und befreien. Das ist natürlich ein Einzelfall – aber eines, das zeigt was möglich ist, wenn die Betroffenen für sich noch stärker in die Verantwortung gehen und eine Heilung anstreben. In diesem Falle war es die junge Frau, die schließlich den jungen Mann nach einigen Jahren wieder ausfindig machte. Sie waren vor der Vergewaltigung ein junges Paar gewesen, bis es dadurch zum Bruch kam. Und es ist bekannt, dass sich bei den meisten Vergewaltigungen Täter und Opfer kennen, und vielleicht sogar mochten – umso kraftvoller ist es dann, sich gegenseitig bei der Heilung zu unterstützen. Aber genug dazu, mehr darüber ist problemlos im Internet zu finden.

Ich möchte in diesem Artikel noch einen Schritt tiefer gehen. Für mich stellt sich die Frage:  was liegt eigentlich diesem bemerkenswert häufig so dysfunktionalen Miteinander zwischen Mann und Frau zugrunde?

Die Bewusstseinserkrankung

Ich wage zu behaupten, wir haben eine chronische, kollektive Bewusstseinsgrippe. Manche Menschen leider mehr darunter als andere. Manche kämpfen mit chronischen Beschwerden, andere haben sich arrangiert und sich an einen gewissen „Dauerschnupfen“ gewöhnt, so, wie man sich an eine Narbe gewöhnt: sie ist immer da, bereitet – je nach Wetterlage – mal größere, mal kleinere Beschwerden, aber man kann nichts dagegen machen und insgesamt bewältigt man ja seinen Alltag, mal besser, mal schlechter… Wieder andere erkranken schwer und sterben teilweise sogar daran. Nur ganz wenige sind tatsächlich immun oder haben diese Erkrankung bei sich vollkommen ausgeheilt und sind zutiefst gesund. Dieser Bewusstseinsvirus ist uns so selbstverständlich, dass wir seine Existenz und die damit einher gehenden Beschwerden für normal, regelrecht Teil der Gesundheit halten. Während wir seine Abwesenheit als ungewöhnlich und sogar gelegentlich als verrückt empfinden können.

Unsere Medien sind voll davon und tragen ihren Teil dazu bei: der amerikanische Publizist Jordan Pargin, alias David Wong, Chefredakteur des Webzines Cracker hat anschaulich verdeutlicht, dass Kinohelden beispielsweise verkörpert von „echten Kerlen“, wie Sean Connery und Harrison Ford ihre Frauen in der Regel gegen deren Willen und schließlich mit mehr oder weniger Gewalt rumkriegen. Einmal geküsst geben die widerspenstigen Katzen dann jeglichen Widerstand auf und schnurren wie ergebene Kätzchen in seinen starken Armen. Gewiss ist das dramatisch wirksame Spiel von Jäger und Beute einigermaßen unterhaltsam, hat aber natürlich nichts mit einem respektvollen Umgang miteinander zu tun.

Der Schatten des Eros

Trotzdem greift da auch eine gewisse archaische Dynamik, die Männer wie Frauen oft erotisiert: Ich erinnere mich an eine Studie – es muss so Ende der Neunziger gewesen sein, ich kann sie leider nicht mehr ausfindig machen – die mich nachhaltig beeindruckte. Dabei wurde untersucht, wie Männer und Frauen nach einem Kampf miteinander umgehen. Den Ergebnissen der Studie zufolge sei es so, dass wenn eine Frau einen Mann besiegt, sie sofort ihr erotisches Interesse an ihm verliert. Gewinnt aber er…steigt es. Weil er stärker war, entsprach er dem archaischen Instinkt, dass ein Vater seinen Nachwuchs beschützen können muss. Das überschreibt das Gefühl für Integrität. Ist das so?

Ich kann von mir nur sagen, dass ich es natürlich wunderbar finde, wenn ein Mann meine Verletzlichkeit wahrnimmt, würdigt und absolut bereit ist, mich vor verbaler oder physischer Gewalt zu beschützen… Und ich finde das attraktiv und es stärkt mein Gefühl für meine Weiblichkeit. Dann bin ich gerne bereit, sein Bier zu halten und ihm später auch mal den Rücken zu massieren…

Wohingegen, wenn ein Mann bei mir oder durch mich Schutz sucht, ich misstrauisch werde – da klingelt bei mir die „Mutti-Alarmglocke“ und ich fühle mich alles andere als sexy. Ich habe auch schon erlebt, wie sich Frauen in Gegenwart ihrer Männer für diese stritten und quasi deren Ehre verteidigten. Wie gewisse Mütter, die auf dem Spielplatz in den Sandkasten springen, um ihre Kinder im Kampf gegeneinander zu unterstützen… Das ist einerseits nicht ohne Humor und andererseits irgendwie befremdlich: weil alle Beteiligten in so einer Situation nervig unerwachsen sind und eigentlich nicht an einer souveränen Lösung sondern an einem Sieg interessiert sind. Aber der währt nur bis zur nächsten Herausforderung…

Ist männliche Gewalt immer schlecht?

Mir begegnen immer wieder Männer, die mir erklären, dass sie den Gewaltaspekt an Männern hassen und Vergewaltigung ganz besonders schlimm finden. Sie fühlen mit den armen Frauen fühlen und verachten die Männer, die so etwas verwerfliches tun. Solche Bekundungen, die ich gerne mal etwas undifferenziert unter „lieber Lamm als Löwe“ abbuche, machen mich ehrlich gesagt aggressiv. Natürlich stimme ich zu, dass Vergewaltigungen verwerflich sind – aber sorgenvolles Mitleid mit den Opfern nützt herzlich wenig. Mutiges Mitgefühl hätte mehr Kraft. Ich würde mir von Männern wünschen, – wenn sie je in eine solche Situation kommen – dann mutig einzuschreiten… Und dafür gegebenenfalls auch ihre Körperkraft einzusetzen. Ich erinnere solche Männer gerne daran, dass jeder Feuerwehrmann und jeder Chirurg auch Gewalt einsetzen muss, um anderen zu Wohlergehen zu verhelfen. Und schließlich geht es nicht nur darum, Kampfsport und Selbstverteidigung für Frauen anzubieten, sondern auch Männern zu vermitteln, was Gewalt gegen Frauen für Folgen hat. Nicht nur für das Opfer, sondern auch für sie.

In unserer Kultur gibt es kaum ein Bewusstsein darüber und noch weniger Wissen, dass ein sexueller Übergriff  massive und komplexe psycho-energetische Folgen für beide haben kann. Nicht nur mieses Karma, um´s mal salopp esoterisch zu sagen. Das genauer auszuführen, würde hier den Rahmen sprengen. Doch allgemein kann man sagen, dass durch diesen Gewaltakt auch die feinstoffliche Energetik beider nachhaltig beschädigt wird. Denn es ist ein Akt von Nicht-Liebe und entfernt beide weiter von der Liebe. So ist beispielsweise jede ihrer künftigen Begegnungen mit einem potentiellen Liebespartner künftig davon geprägt.

Es wird viel gelitten

Ich glaube, in Wirklichkeit leiden da alle viel mehr, als wir uns bewusst sind: der Mangel an einem gesunden Frauenbild, gesunden Männerbild und einem Bild für ein gesundes Miteinander ist viel zu weit verbreitet und die Medien profitieren vom Mangel daran und der Suche danach. Denn die wenigsten haben ein gesundes Bewusstsein über ihre Geschlechtsidentität

Ich weiß nicht, wann genau diese Entzündung in der Menschheit begann, welcher Virus sie verursacht haben mag. Aber fest steht, dass wir sie schon so lange haben, dass wir sie für naturgegeben halten. Und natürlich gab und gibt es Institutionen und Bewegungen die von dieser Entzündung bestens profitiert haben und also kein Interesse hatten, dass sie je geheilt wird. Im Gegenteil, wie z.B. die meisten Kirchen und Religionen, das Militär, die Wirtschaft, der Faschismus uvm. Tatsächlich wird seine Unheilbarkeit propagiert…

Also akzeptieren die Menschen das Generation um Generation: all die als Weisheit geltenden Glaubenssätze, dass Lieben ohne Leiden nicht geht, dass Männer und Frauen sich nie verstehen werden, der „Kampf der Geschlechter“ ist ein fest stehender Begriff, die Scheidungsraten steigen stetig und sind zuletzt in Deutschland hauptsächlich deswegen gesunken, weil insgesamt überhaupt weniger Leute geheiratet haben – es also weniger Ehen zu scheiden gibt. D.h. das Vertrauen in die Ehe sinkt stetig und nie hat es in unserer Kultur mehr Singles gegeben als jetzt  – und das ohne einen Krieg, der potentielle Ehepartner eliminiert hat.

Viele Faktoren halten die Entzündung aufrecht

Apropos Kriege, die haben auch einen starken Einfluss auf die unausgewogene Einstellung der Geschlechter zueinander. Grundsätzlich gilt, dass Frauen über Generationen einen Hass auf Männer entwickeln können, weil sie diese für die Kriege verantwortlich machen. Denn dabei kamen die Ehemänner, Söhne, Väter und Brüder ums Leben und sie wurden mit den kleineren Kindern und der Haushaltsbewältigung im Stich gelassen. Oder die Männer/Väter kamen so traumatisiert zurück, dass das Miteinander für alle  qualvoll war. Dies ist oft auch die Grundlage für eine ererbte Männerverachtung und ein tiefes Misstrauen, dass nämlich auf die Männer nicht wirklich Verlass ist… Männer dagegen können sich über Generationen missachtet fühlen, weil die Frauen das große Opfer, das sie in den Kriegen bereit waren, zu bringen – um eben sie, die Kinder und das Vaterland zu beschützen, nicht gewürdigt haben. Sie waren bereit, ihr Leben für den Schutz der Familie herzugeben… Dass dieses Opfer nicht nötig gewesen wären, wenn es gar nicht erst zum Krieg gekommen wäre, führt dann manchmal auf beiden Seiten zu einem grundsätzlichen Hass auf die Menschheit und das Mensch sein an sich.

Und neben diesen kollektiven und ererbten Prägungen kommen dann noch familiäre Traumata dazu, die zu unserem unterbewussten Verhalten beitragen: vielleicht wurde die Urgroßmutter vergewaltigt, vielleicht ging die Großmutter öfter mal fremd, vielleicht hat der Großonkel die Vergewaltigung seiner Mutter mit ansehen müssen, vielleicht hat der Großvater seine Kinder geschlagen, so wie er selbst geschlagen wurde…Was auch immer. Viele sind sich jedoch ihrer unterbewussten Programme, seien sie selbst entwickelt oder übernommen, überhaupt nicht bewusst und staunen dann, wenn – wie es so oft in meinen Sitzungen geschieht – sich herausstellt, dass einem Problem ein unterbewusster, oft übernommener, Männerhass, oder Frauenhass oder beides zugrunde liegen kann, der natürlich den eigenen Selbstwert massiv beeinträchtigt.

Beschädigter Selbswert

Das gilt für Männer und Frauen aller Altersgruppen. Aber wir sind immer verantwortlich dafür, wie wir uns fühlen und benehmen – egal aus welcher Schicht unseres Bewusstseins unser akutes Verhalten gesteuert wird und werden von den anderen dafür zur Verantwortung gezogen. Sehr wenige sind sich immer ihres Tuns und dem Ursprung ihrer Gefühle immer absolut bewusst und verfügen über die Souveränität mit einer unangemessenen Situation angemessen umzugehen: beispielsweise wenn beim Gruppenphoto, wo vorne gemeinsam in die Kamera gelächelt wird, plötzlich eine unerwünschte Hand auf einem Frauenpo landet, oder ein Mann bei einer Beerdigung aus einer Reihe hinter sich plötzlich einen Kniff in den Hintern erhält… Und wenn bei all dem noch Alkohol oder Drogen im Spiel sind, wird es noch schwieriger. Und dann sind da noch die einzelnen Exemplare unserer Spezies, die den Ruf ihrer Geschlechtsgenossen mächtig beschädigen können: der wildfremde Typ, der sich in der Berliner S-Bahn neben mich setzte, nach zwei Stationen plötzlich den Arm um mich gelegt hatte, mich lüstern an sich drückte und mir feucht in den Nacken atmete, oder die junge Frau im engen schwarzen Lederrock mit halbtransparentem Spitzenoberteil, die sich wundert, wenn ihr in der Kneipe nicht nur einer auf den Hintern klatscht. Sicherlich darf sie anziehen, was sie will und natürlich ist das keine Einladung jemanden, der sich ordinär kleidet, auch ordinär zu behandeln. Ich zücke ja auch nicht die Streichhölzer, wenn ich einem Feuerwehrmann begegne oder zeige meine OP-Narbe, wenn mir jemand erzählt, er sei Arzt… Aber leider sind wir nicht immer Herr und Herrin über unsere Sinne und dann kann es zu Entgleisungen kommen – unabhängig vom Alter, Bildungsstand und Kultur. Das ist menschlich und wird erst dann schlimm, wenn man für die eigene Entgleisung keine Verantwortung übernimmt: Flegel und Gentleman geht durchaus zusammen, genau wie Luder und Lady. Sie gelten ja auch durchaus als attraktive Mischungen und kommen gar nicht so selten vor.

Wenn jedoch die Verantwortung für die Entgleisung dem anderen zur Last gelegt wird, dann ist halt sofort wieder die Täter-Opfer Dynamik da und die versaut es für alle und ja, bei Minderjährigen im Kontakt mit Erwachsenen liegt die Sache sicherlich etwas anders.

In jedem Falle steht fest, dass wenn unterbewusster Täter auf unterbewusstes Opfer trifft und sie sich dann gegenseitig für das Geschehene verantwortlich machen und nicht bereit sind, sich damit bewusst und konstruktiv auseinander zu setzen, es immer schlimmer wird und immer mehr Menschen in diesen unguten Strudel zieht. Die allerwenigsten von uns können mit sich und jemanden vom anderen Geschlecht bisher so souverän umgehen, dass gerade wenn die Anziehung nicht gegenseitig ist und der Übergriff überraschend erfolgt (Frauen: Ihr wisst genau, was ich meine. Männer: fragt die nächste Frau in Eurer Nähe, was ich meine…) es nicht zu Groll und Vorurteilen führt, zu Kränkung und Missachtung und manchmal eben auch zu Hass und Gewalt.

Wir müssen alle noch viel lernen. Doch noch wichtiger als die vielen Ursachen der Bewusstseinsentzündung ist die Frage, ob sie heilbar ist.

Können wir je wieder gesund werden?

Haben wir überhaupt eine Chance je aus diesem verminten Gebiet herauszukommen? Und wenn ja, wie? Wo werden Modelle im Umgang miteinander gelebt, die Orientierung bieten können? Wo dürfen sich nach einer unguten Begegnung betroffene so sicher fühlen, dass sie sich trauen, ehrlich zu reagieren? Wo sie auch ihren möglichen Schock oder das Trauma mit liebevoller Unterstützung aufarbeiten können und nicht irgendeine Form der Demütigung fürchten oder sich dauerhaft schämen müssen? Wo vielleicht alle schließlich so achtsam und bewusst sind, dass die Grenzüberschreitungen von alleine irgendwann verschwinden?

Wir im Westen halten uns für fortschrittlich, weil Gewalt gegen andere Menschen, auch in der Ehe strafbar sind, Frauen bei uns einem Beruf ihrer Wahl nachgehen können und Frauen überhaupt an Wahlen teilnehmen dürfen…Aber von einer entspannten Gleichberechtigung oder gar Gerechtigkeit sind auch wir noch weit entfernt.

Ist das überhaupt vorstellbar? Mich treibt diese Frage schon so lange um, dass ich 2005 über ein Medium die geistige Welt befragte, ob es überhaupt in der Menschheitsgeschichte je eine Zeit gegeben hat, wo Männer und Frauen NICHT im Machtkampf waren. Die Antwort war: ja, es gab Phasen zu Zeiten von Atlantis und in Lemurien… so vor ca. 20.000 Jahren… Ich war  geschockt, dass es so lange her und dankbar, dass es das überhaupt gab: denn das bedeutet, dass wir es alle irgendwo in der Bewusstseinsdatenbank haben und abrufen können, wenn wir es richtig anstellen…

Seitdem sammele ich, was es braucht, damit wir da wieder hinkommen. Hoffentlich brauchen wir dafür nicht so lange, wie es gedauert hat, in diesen Missstand zu geraten. Ich denke, das liegt in unserer Hand.

Es liegt an uns

Wir müssen den achtsamen und bewussten Konsens miteinander üben und das unseren Töchtern und Söhnen schon früh beibringen, auch wenn es mühselig ist und damit den vielen Missverständnissen vorbeugen, die oft dem zugrunde liegen, was dann zu mehr oder weniger unverzeihlichen Ereignissen führt. Wir müssen verzeihen lernen – dem anderen und auch uns selbst: es ist wichtig sich mit dem eigenen Anteil am Geschehen auseinander zu setzen…Dann gilt es bewusst die Verantwortung für unsern Teil übernehmen, Mitgefühl walten zu lassen und das Geschehen schließlich loszulassen.

Wir müssen uns klar darüber sein, dass zwar jeder für seinen Anteil an einer unglücklichen Erfahrung verantwortlich ist, dass aber diverse Umstände dazu führen können und diese, bzw. den Umgang damit, konstruktiv zu ändern, ist unser aller Aufgabe. Wie beispielsweise in den Familien, wo die körperliche Liebe zwischen den Eltern erkaltet ist und sie sich ein bisschen zu viel Wärme und Berührung bei ihren Kindern holen; Väter, die ihre Töchter auf den Mund küssen, oder Mütter, die sich an der Brust ihres Sohnes ausweinen… Oder auch Paaren, die sich trennen wollen dabei helfen, dies in einer Weise zu tun, dass die vergangene Erfahrung nicht ihre neue Beziehung verhindert oder verdunkelt und sie sich beispielsweise beim neuen Partner unbewusst für das Leid rächen, was sie durch den alten erfuhren.

Raus aus der Täter-Opfer Dynamik

Wir müssen uns immer gewahr sein, dass es keinen Täter gibt, der nicht in Wirklichkeit aus einer eigenen Verletzung – bewusst oder unbewusst – handelt und somit eigentlich ein Opfer war oder ist und dass jedes Opfer, dass sich nicht mit der erfahrenen Ohnmacht und seiner Verletzung auseinandersetzt, das Potenzial in sich birgt, selbst zum Täter zu werden – vielleicht in einem Moment, wo er oder sie selbst am wenigsten damit rechnet. Denn sehr viele Menschen machen Dinge, die sie ‚eigentlich‘ nie tun wollten… 

Außerdem ist es wichtig, das eigene Verhalten ständig mit dem eigenen Anspruch abzugleichen: war es achtsam, liebevoll, lebensbejahend? Sollte es das sein und wenn nicht, warum nicht? Und auch nicht das negative Verhalten anderer zum Maßstab zu machen oder gar als Rechtfertigung zu benutzen. Das machen Kinder, die sagen: „Der X hat aber zuerst angefangen…Und wenn Y damit durch kommt, dann probier ich wenigstens, wie weit ich komme…“. Ein gesunder Erwachsener bemüht sich, einen gesunden Weg zur Erfüllung seiner Bedürfnisse zu finden, ohne die Bedürfnisse anderer zu missachten.

Der Schlüssel ist der bewusste Umgang damit, und zunehmend das eigene Unterbewusstsein aufzuräumen und  von all den alten Prägungen und den eigenen unerlösten Schatten zu befreien. Jene Aspekte an uns, die wir selbst gerne lieber vor anderen verbergen und die sich doch gelegentlich und meist auf ungute Weise Bahn brechen: z.B. Eifersucht, Neid, Rachegelüste, usw. zu transformieren. Meist verbirgt sich dahinter sogar etwas gutes.

Nur, wenn wir bereit sind anzuerkennen, dass wir auch für unseren Schatten und seine Transformation verantwortlich sind, hat die berühmte goldene Regel „Behandele andere so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest“ oder in der gängigeren Form „Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg auch keinem andern zu.“ Eine wirklich liebesförderliche Chance… Denn sonst tun wir – getrieben von einer unterbewussten Dynamik – anderen etwas an, was wir zwar selbst bei Lichte und mit gesundem Menschenverstand nicht erfahren wollen würden, aber aufgrund eines Aspekts der leider ein unterbewusstes Bedürfnis nach Verletzung hat, eben doch tun.

Gute Erfahrungen sammeln

Tantra Seminare ermöglichen bisweilen positive Erfahrungen. Und nein, gewisse gängige Vorurteile (Sexorgien!, Promiskuität!, Drogen!) sind wirklich nicht berechtigt. Für mich war mein erstes Tantraseminar, wo etwa 80 Menschen, etwa zu gleicher Zahl Männer und Frauen, mein bis dato schönstes Erlebnis menschlichen Miteinanders, gerade zwischen Mann und Frau. Entspannter Körperkontakt war möglich, ohne dass es zur Übergriffigkeit wurde, der Grad der Zärtlichkeit und Intimität wurde gemeinsam bestimmt. Männer wie Frauen fühlten sich willkommen, angenommen, attraktiv und respektiert, so wie sie waren…

Allerdings musste ich feststellen, dass das nur für sehr wenige Tantraseminare gilt, vorzugsweise für jene, die von höchst integren Lehrern veranstaltet werden. Ansonsten wütet häufig ein Monster der Bedürftigkeit und nicht jeder ist bereit, den oft massiven Hunger nach Körperkontakt oder mehr beim anderen großzügig zu stillen. Dann kommt es leicht zu Missverständnissen und Grenzüberschreitungen, die es wenig vergnüglich machen.

Trotzdem habe ich durch Tantra-Seminare viel über unser Mann und Frau sein gelernt und auch, wie oft wir den Körper dabei unterschätzen. Dabei geht es wirklich nicht nur um Sex. Kinderpsychologen sagen, dass ein gesundes Kind mindestens 14 mal am Tag umarmt werden sollte… Und viele haben diese Erfahrung als Kinder nicht gemacht und wenn sie dann erwachsen, als Single leben, kann die körperliche Einsamkeit sie mehr belasten, als ihnen lieb ist. Kein Wunder, dass seit der Jahrtausendwende Kuschelgruppen sich wachsender Beliebtheit erfreuen. Und da gibt es dann eindeutige Regeln: wer fummelt, statt kuschelt – fliegt raus!

Andere Länder, andere Sitten

Es gibt durchaus Länder, in denen so manches besser funktioniert als in unserer ständig als überlegen gezeichneten, westlichen Kultur. Vor acht Jahren war ich bei einer Reise in die Arabischen Emirate verblüfft, wie wohl ich mich als Frau dort fühlte. Ich hatte natürlich all das Wissen um die ach so unterlegene und ohnmächtige Position der Frau im Islam im Sinn und hab mich natürlich auch an die kulturellen Gepflogenheiten angepasst: nicht Ärmellos, keine kurzen Röcke und gelegentlich Kopftuch. Aber was mich erstaunte, war dass mir die meisten arabischen Männer mit einer Ehrerbietung und Achtsamkeit begegneten, die ich nie zuvor erfahren hatte. Ich hatte – mit 43 – zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, als Frau etwas wirklich Kostbares zu sein und mein Respekt vor diesen meist sehr höflichen, achtsamen und rücksichtsvollen Männern wuchs… Das war offenbar die Lichtseite des Islam! Ich wusste bisher nur um die Schattenseite, nämlich dass Frauen als geringer als Männer erachtet werden. Aber so einfach ist es nicht. Und, wenn wir ehrlich sind, gibt es auch eine Schattenseite des Christentums, die ihren Höhepunkt zu Zeiten der Hexenverfolgung hatte und bis heute gibt es brave Christen, die, wenn sie dem Charme einer Frau erliegen oder vielleicht sogar ihnen gegenüber gewalttätig werden, sich als Opfer des „teuflischen“ Charmes einer Frau fühlen, die sich vielleicht so etwas sündhaftem, wie hoher Absätze, eines weiten Ausschnitts oder verführerischen Parfums bedient hat…um sie zu reizen und ultimativ zu schwächen… Also: allenthalben viel Verzerrung in unterschiedlichsten Varianten.

Der Schlüssel zur Lösung

Offensichtlich haben wir also nicht nur ein gelegentliches persönliches Problem, sondern ein grundsätzliches gesellschaftliches, gar kollektives, Generationen und Kulturen übergreifendes. Dennoch ist die Lösung dieses Problems nur individuell möglich.

Das ultimative Ziel muss die Gesundung des eigenen Selbstwerts sein, indem man das eigene Verhalten reflektiert und entsprechend ändert. Dazu gehört auch,  eigene Verletzungen mit Selbstmitgefühl zu transformieren, so dass sie das eigene Verhalten nicht mehr in destruktiver Weise bestimmen. Das müssen wir alle lernen und unseren Kindern beibringen. Das wird dauern. Doch das eigene Verhalten gibt bei genauer Betrachtung genauen Aufschluss darüber, wo solche Verletzungen zugrunde liegen und wo Heilungsbedarf ist. Jeder einzelne ist angehalten, dafür zu sorgen, dass ihm oder ihr das eigene Handeln bewusster wird. Da kann schon gelegentliches Innehalten, Reflektion und ein bewusst verändertes Handeln zur Verbesserung für den einzelnen und alle, mit denen er in Kontakt kommt führen. Und wer alleine nicht weiterkommt hat vielleicht Menschen seines Vertrauens, mit denen er sich darüber austauschen kann. Außerdem gibt es Bücher und Seminare zum Thema und wenn man noch stärkere Unterstützung haben will, können ein Therapeut, ein Coach oder ein Lebensberater auch wertvolle Hilfe leisten. Der Möglichkeiten sind viele.

Außerdem ist es wichtig, für sich selbst zu prüfen, wie man als Mann bzw. als Frau behandelt werden möchte? Und alte, diesbezügliche Verhaltensmuster, die in der Regel auf Modellen und Vorbildern aus der Familie, der Kultur und ideologischen Vorstellungen beruhen, gründlich zu prüfen und zu schauen, ob sie einem und dem, was man sich wünscht, wirklich dienlich sind. Es gibt in unserer Kultur längst viele kluge Menschen, die sich in öffentlichen Artikeln, Vorträgen und Büchern, sowie verschiedenen Diskussionsforen im Internet mit der Frage auseinandersetzen: Page oder Ritter? Magd oder Herrin? Prinz oder König? Prinzessin oder Königin?

Wer sich selbst befreit, macht andere frei

Mit jeder positiven Veränderung und der zunehmenden Erfahrung, dass man immer weniger Sklave seiner eigenen unerlösten Themen ist, wird man freier und achtsamer im Umgang mit dem eigenen Selbst und anderen Menschen. Wer sich selbst wahrhaft annimmt, wertschätzt und würdigt – gar liebt, der hat kein Bedürfnis diesen Selbstwert durch die Erniedrigung oder das Missbrauchen eines anderen aufzubessern oder  genießt es, einem anderen Leid anzutun. Ein solcher Mensch kann einem anderen Menschen wertschätzend, grenzbewusst und auf Augenhöhe begegnen und ggf. mit diesem gemeinsam einen guten Lösungsweg finden, dann muss es gar nicht erst zu der schmerzhaften Polarisierung von Opfer und Täter kommen.

Doch für einen gesunden Selbstwert ist jeder von uns selbst verantwortlich, auch in Bezug auf unsere geschlechtliche Identität und mögliche gesellschaftliche Rolle. Da helfen keine Gesetze oder Bestrafungen. Das bedeutet Bewusstseinsarbeit, die jeder selbst leisten muss und zu der wir einander ermutigen können und sollten… Und wenn jeder das wirklich täte…könnte unsere Welt sehr schnell eine ganz andere und gesündere werden. Selbst, wenn viele das achselzuckend abtun oder sich dem verweigern, wird diese notwendige Entwicklung höchstens verlangsamt. Denn es gibt immer mehr, die das bereits gezielt tun. Und je mehr dies begreifen und ebenfalls umsetzen, umso umfassender und schneller kann diese Entzündung des Bewusstseins geheilt werden – Mensch für Mensch zu unser aller Wohl.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hammer oder Kochlöffel?

Ohne Klischees scheint es nicht zu gehen?!

Denn natürlich muss es eigentlich Hammer UND Kochlöffel heißen… Aber noch gibt es in vielen Köpfen eine stereotype Vorstellung, von dem was ein Mann ist und sein muss, und eben auch eine Frau ist und sein muss:

Es gibt einen schönen US Film aus dem Jahr 1998 „Pleasantville – Zu schön, um wahr zu sein“ in dem auf charmante Weise die Ideale der 50er Jahre dargestellt und auch überzeichnet werden… Joan Allen und Willam H. Macy geben darin ein „klassisches Paar“ ab – er kommt abends immer strahlend, in einem perfekt sitzenden Anzug aus dem Büro, während sie im perfekten Kleid mit perfekter Frisur perfekte Muffins bäckt und natürlich leben sie in einer perfekten schwarzweißen Welt – denn sie sind Figuren einer fiktiven Fernsehserie… Allerdings hält Farbe Einzug in ihre Welt und zu sehen, wie das geschieht und was das für Folgen hat, ist ziemlich unterhaltsam.

Tatsächlich ist unsere Welt seitdem in vieler Hinsicht bunter geworden: mit Hausmännern und Ehefrauen, die den Familienunterhalt mit ihrem Managerjob bestreiten, und Schornsteinfegerinnen und Bauleiterinnen oder männlichen Sprechstundenhilfen und Sekretären. Dennoch gelten Kindergärtner und Werkzeugmacherinnen nicht als selbstverständlich. Irgendwas verhindert das.

Der Zauber des Werkzeugkastens bzw. der Küchenschürze

Irgendwann in den 90er Jahren hörte ich mal beim Autofahren eine Radiosendung, in der eine Umfrage unter den vor allem weiblichen Hörern gemacht wurde, was sie an einem Mann am attraktivsten fänden: Wenn er aussähe wie Tom Selleck (Star der damals populären TV-Serie Magnum), wenn er ein dickes Portemonnaie oder wenn er einen ordentlichen Werkzeugkasten hätte. Zur Überraschung der Redakteure war der Werkzeugkasten mit dem Portemonnaie fast gleichauf. Auf entsprechende Nachfrage erklärten die Hörerinnen, viel Geld könnten sie selber verdienen – aber handwerkliches Geschick sei rar und sexy…

Die meisten Männer fühlen sich dagegen eher weniger erotisiert, wenn sie eine Frau mit dem Bohrschrauber hantieren sehen, als wenn sie strickt oder kocht… Irgendwie wirken Schweißperlen vom aufsteigenden Wasserdampf der kochenden Pastasauce an Frauen im Allgemeinen attraktiver, als jene vom Andübeln einer Deckenlampe, wohingegen das bei Männern oft umgekehrt ist.

Durch genauere Betrachtung werden die Klischees unscharf…

Andererseits kenne ich viele Männer, die hervorragend kochen (und ja, die meisten Starköche sind Männer – aber es ist natürlich ein Unterschied, ob man unter Beifall Gourmetzungen beglückt, oder der Familie täglich ein Essen vorsetzen muss, das allen Geschmäckern gerecht werden soll…) und genauso souverän mit der Bohrmaschine umgehen können – wie auch Frauen!

Und auch in anderen Bereichen sind die Klischee-Grenzen neblig: die Menschen, die ich kenne, die den größten Hang zu Klatsch und Tratsch und Neigung zum Kitsch haben – sind männlich, und keine Softies und auch nicht schwul, um mal gleich einem anderen Klischee zu begegnen! Und die Menschen, die ich kenne, die am effizientesten zerstören – seien es Gegenstände oder Beziehungen – sind Frauen! Trotzdem kennt unsere Sprache keine Klatschonkel und Kitschbolde – obwohl es doch sogar viel mehr männliche Gartenzwerge gibt?! Und für die weibliche Zerstörungskompetenz gibt es keinen umgangssprachlichen Ausdruck, wie „Terminatrix“. Vielleicht, weil Gewalt nicht immer die erste Wahl einer Hexe ist…

Aus irgendwelchen Gründen halten sich also die Klischees hartnäckig und nicht nur, weil die wissenschaftlich erwiesenen Dispositionen das schüren: Männer können schwerer tragen und räumlich sehen, Frauen können mehr Schmerz ertragen und sind multitaskingfähiger.

Gleichberechtigung – ja, Gleichmacherei – nein

Bei aller Sehnsucht nach der Gleichberechtigung von Mann und Frau gibt es eben auch eine Sehnsucht danach, die Unterschiedlichkeit deutlich zum Ausdruck zu bringen. Manche Männer meiden rosa, selbst wenn es sich ihnen in Form einer Rhabarbersaftschorle präsentiert… während manche Frauen sich beharrlich weigern, etwas anderes als Röcke und Kleider zu tragen. Auch in unserer Kultur und linken Kreisen…

Viele Männer möchten wirklich gerne männlich sein, ohne als Macho verschrien zu werden, viele Frauen möchten wirklich gerne weiblich sein – ohne als Zicke oder Tussi abgestempelt zu werden… Aber der Dschungel aus Stereotypen, Vorurteilen und mehr oder weniger veralteten gesellschaftlichen Mustern und Traditionen ist dicht und dunkel. Sich darin einen Weg zu bahnen, der schließlich zu einem gesunden Umgang mit dem eigenen Geschlecht und dem der anderen führt, ist für viele ein lebenslanger Prozess. Da hilft nur Mut, Durchhaltevermögen und viel Humor – immerhin ein häufiges Begleitprodukt der Klischees!

Wir wollen uns lieben, aber?

 

In Deutschland wird fast jede zweite Ehe geschieden und trotzdem boomen die Dating-Webseiten.

Partnerschaftscoachings und Flirtschulen erfreuen sich wachsenden Zulaufs. Es gibt immer mehr Webseiten zum Thema und der Literaturberg wächst auch stetig: Angefangen mit Studien dazu: z.B. vom Allensbach-Institut 2013 „Hier funkt´s am Häufigsten“ und dem sogar verfilmten Bestseller „Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können“ (Allen und Barbara Pease 2003), über ernüchternde Bestandsaufnahmen, wie „Warum Liebe weh tut“ (Eva Illouz, 2012) und Ratgebern wie: „Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest (Eva-Maria Zurhorst, 2009) und schließlich dem über zwanzig Jahre alten Bestseller „Männer sind anders. Frauen auch“ auch bekannt als „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“(John Gray, 1993), einschließlich seiner englischen Parodie: „Women are from Bras, Men are from Penus“ (Anna Collins und Elliot Sullivan, 1999), sowie natürlich zahlreiche Kabarettprogramme, die ihr Material aus diesem Feld beziehen. Dabei ist von Liebe zwar immer die Rede – aber welchen Stellenwert hat sie tatsächlich?

Das Verhältnis von männlich und weiblich kann eine lebenslange Herausforderung sein

Wenn wir unsere Kultur und unser Leben so betrachten und das Maß an Stress und glücklicherweise auch Humor, die aus dem Spannungsfeld der beiden Geschlechter bzw. Pole bzw. Prinzipien ständig hervorgehen, stellt sich also durchaus die Frage: woher kommen die Spannungen eigentlich? Und das wiederum wirft die Frage auf: Warum gibt´s überhaupt männlich und weiblich? Was ist der tiefere Sinn dahinter? Gibt´s überhaupt einen? Wie ist der derzeitige evolutionsbiologische Erkenntnisstand dazu?

Die erste Vermutung ist oft, dass es vor allem um die Fortpflanzung geht. Aber Recherchen haben mir gezeigt, dass das zwar naheliegend, aber naturwissenschaftlich längst nicht so offensichtlich ist. Auch der Standpunkt der Religionen dazu ist erhellend – der ist nämlich bei weitem nicht so einfach, wie man(n)/frau meinen könnte. Natürlich finden sich auch in der Philosophie interessante Impulse und beides macht eine mythologische Betrachtung zusätzlich reizvoll, denn das ermöglicht auch einen metaphysischen Blick auf das Thema.

Weil das in der öffentlichen Diskussion oft fehlt, wird dem in meinem Blog eine besondere Aufmerksamkeit zukommen. Außerdem haben mir meine Forschungen gezeigt, dass das Spannungsfeld zwischen männlich-weiblich in verschiedenen Kulturen und zu verschiedenen Zeiten sehr unterschiedlich und zeitweise auch bemerkenswert friedvoll gehandhabt wurde. Dabei beschränkt sich das nicht grundsätzlich auf den sogenannten „Geschlechterkampf.“ Dabei liefern manchmal auch höchst ungewöhnliche Quellen höchst faszinierende Einsichten.

Höchste Zeit für eine  gründliche Erforschung

Dieser Blog widmet sich also all diesen Fragen und Ansätzen in vielfältiger Form und scheut vor keiner Quelle an spannenden Antworten zurück! Wenn dabei auch ein friedvollerer und noch faszinierenderer Umgang mit dem Thema möglich wird, hat sich die Sache schon gelohnt! Denn die Schöpfung hat zweifellos etwas unendlich Weises damit beabsichtigt, doch wir haben vielleicht das wahre Potential, das in Wirklichkeit in diesem Spannungsfeld liegt, noch gar nicht richtig erkannt! Es wird Zeit, dass wir das erkunden. Dieser Blog ist mein Beitrag dazu!