Kraftquelle Haar – Teil 2: Haarige Zeiten

Das Thema scheint merkwürdig banal im Angesicht all der derzeit viel welt-bewegenderen Themen, wie der neuen amerikanischen Präsidentschaft, den Debatten über Fake-News, den Gerüchten über einen dräuenden weltweiten ökonomischen Kollaps und die irgendwie ersehnte, aber auch gefürchtete Neuordnung der Welt. Dem werde ich mich sicher widmen. Aber jetzt erst mal was eher Banales… Etwa im Geiste dessen, was eine liebe Freundin mal vor Jahren zu mir sagte: „Gerade wenn es einem schlecht geht, ist ein vernünftiger Lippenstift von großer Wirkung.“ Und entgegen der meist verpönten Haltung, dass wenn es „ernst“ ist, Äußerlichkeiten nicht so eine Rolle spielen sollten…nach dem Motto: die innere Schönheit zählt usw.

Stimmt natürlich, doch auch die drückt sich eben in der Regel auch im Außen aus – bzw. jemand, der mit sich im Reinen ist, sich selbst bedingungslos liebt..strahlt das auch aus und das macht ihn oder sie auch schön…und noch schöner werden alle, wenn sie geliebt werden… Und letztlich läuft alles auf einen bewussten Umgang mit dem eigenen Wesen und dem anderer hinaus und das schließt auch das Erscheinungsbild und eben Haare mit ein!

Meine persönliche Haltung dazu hab ich ja bereits geschildert. Jetzt folgt der versprochene allgemeinere Artikel zum Thema, den ich allerdings eher kurz halten werde – denn interessanterweise gibt es dazu inzwischen jede Menge Material online.

Alte Zöpfe

Jeder kann problemlos im Internet die berühmte Bibelepisode von Samson nachlesen und Dalilas den ihm kräfteraubenden Haarschnitt, oder die Geschichte von Rapunzel, die sich mit ihren langen Flechten einen Prinzen geangelt hat und auch von Feen, die mit ihren Haaren Netze spannen oder von Fledermäusen, die sich angeblich in unordentlichen Frisuren verfangen…

Und auch die Geschichte der Haarmode ist vielfältig dokumentiert – in verschiedenen Ländern, zu verschiedenen Zeiten. Beispielsweise, dass zu Zeiten des römischen Reiches sich reiche Römerinnen die Schädel kahl rasierten, nur um dann Perücken aus den blonden Flechten der eroberten Germaninnen zu tragen…

Es gab Zeiten und Kulturen, in denen totale Entfernung des Körperhaars als wichtig war und es zu behalten als primitiv galt, wie bei den alten Ägyptern. Aber auch Zeiten und Kulturen, wo das Schneiden der Haare ein Sakrileg darstellt, wie z.B. bis heute in der Religion der Sikhs, wo langes ungeschnittenes, gepflegtes Haar u.a. eine Respektsbekundung gegenüber der Schöpfung darstellt.

Und auch in der Moderne setzt sich die modische Bedeutung von Haartracht fort. Dank moderner Medien so weit, dass bestimmte Frisuren, ein bestimmter Look nach der Person benannt oder grundsätzlich mit ihr assoziiert werden, die als erstes die Welt damit beglückte. Wie z.B. die legendäre Bienenkorb-Frisur von Audrey Hepburn im Kinofilm „Frühstück by Tiffany´“ in den Sechziger Jahren oder in den Siebzigern der „Afro“ der afro-amerikanischen Schauspielerin Pam Grier und die silberblonden Wellen der Seriendarstellerin Farrah Fawcett in „Drei Engel für Charlie“, die als „Farrah Flicks“ in die Haargeschichte eingingen.

Neue Zöpfe

Und jüngst fiel wieder auf, dass nach der letzten Fußballeuropameisterschaft plötzlich noch mehr junge Männer in Berlin allen Alters und ethnischer Herkünfte, ihre Haare wie der walisische EM Teilnehmer Gareth Bale trugen. Ein etwas eigentümlicher pseudo-ethno Look: Bei der das vordere Deckhaar länger ist als hinten und dann mit einem Gummi zusammengeknotet wird, was entfernt an den Deckel und die Silhouette einer Teekanne erinnert.

Zu den aktuell interessanten Entwicklungen in der Haarszene gehört meines Erachtens, dass seit einigen Jahren Bärte wieder in sind, überhaupt unter Männern so ein „Nerd-Look“ mit viel Haar überall und am besten noch einer Brille.

Dann, dass das eine wachsende Anzahl von weißen westlichen Männern, sich auch die Kopfhaare länger wachsen läßt und sich Frisuren bedient, die sonst eher mit Frauen assoziiert werden: komplizierte Zöpfe, Dutt und andere Frisuren um die Haare hoch- oder zurückzubinden, mit Kämmen, Klemmen und Bändern. Erwähnenswert hier auch der Amerikaner Burt Rutherford mit seinem Clip „The Man Braid“, wo er auf lustige und charmante Weise den „Herrenzopf“ propagiert. Nicht im Sinne des Perückenzopfs, wie wir das von Barockgemälden kennen…Sondern eine virile Form, wie man sie sich bei einem gepflegten alten germanischen Kriegers vorstellen kann. Es muss hinzugefügt werden, dass Langhaarfrisuren unter Männern in anderen Kulturen und Ethnien durchaus weit verbreitet sind.

Inzwischen gibt es auch die ersten alleinerziehenden Väter die an Kursen teilnehmen oder inzwischen selbst geben, wie sie ihren Töchtern die erwünschten Frisuren selbst machen können. Mehr als ein Vater hat so festgestellt, dass er nicht nur im Umgang mit Hammer und Kochlöffel Geschick hat, sondern auch mit Haarbürsten und Seidenschleifen.

Ich würde zu sagen wagen, dass wir nun endlich so weit sind, dass auch an der Front Männer endlich auch mit dem Kopf in weibliche Territorien vordringen. (Die Doppeldeutigkeit ist zwar nicht ausdrücklich beabsichtigt, aber natürlich herrlich passend.) ohne sofort als Hippie verschrien zu werden oder durch entsprechende Vorurteile an Männlichkeit einzubüßen. Im Gegenteil! Lange Haare bei Männern können genauso sexy wirken, wie bei Frauen…vorausgesetzt es steht dem/der Trägerin.

Doch neben dem, was gut aussieht, oder dem, womit er oder sie sich wohlfühlen und es also als authentischen Ausdruck ihrer Selbst empfinden, gibt es noch einige andere, interessante Aspekte, die vielleicht den bewussten Umgang mit den eigenen Haaren erhellen und unterstützen können.

Haare als Antennen der Seele

Geradezu legendär ist in diesem Zusammenhang ist folgende Geschichte, die aus den frühen Neunzigern stammt, und vor etwa sechs Jahren ihren Weg ins Internet fand und seitdem dort kursiert. Wer Indianer, Haare und Vietnamkrieg in die Suchmaschinen eingibt, wird sie sicher finden. Hier eine Kurzversion: Zu Zeiten des Vietnamkriegs ließ das amerikanische Militär junge Indianer rekrutieren, die besonders begnadete Fährtensucher und Überlebensexperten auf schwierige Gebiet waren. Diese jungen Indianer mussten dann natürlich zu Soldaten werden und entsprechend wurden ihre langen Haare zugunsten des militärischen Kurzhaarschnitts gestutzt. Doch als sie dann zum Einsatz kamen, versagten sie kläglich. Auf die Frage, warum es ihnen nicht mehr gelang, den Feind „zu fühlen“ erklärten sie, dass sie seit dem Abschneiden ihrer Haare dies nicht mehr könnten. Es folgten entsprechende Untersuchungen, die bestätigten, dass ein Indianer mit langen Haaren zuverlässig Fährten aufspüren konnte, doch sobald ihm die Haare kurz geschnitten wurden, kläglich scheiterte. Dies führte dann dazu, dass diesen indianischen Rekruten künftig erlaubt wurde, ihre Haare lang zu tragen. Und interessanterweise begannen auch alle Männer, zum Teil sehr konservative Wissenschaftler, nach dieser Forschungsarbeit ihre Haare lang wachsen zu lassen und trugen Bart.

Einer lieben medialen Freundin wurde von der geistigen Welt davon abgeraten, ihre Haare allzu kurz zu schneiden – um ihre Empfangssicherheit zu garantieren. Allerdings hab ich bisher keine Informationen darüber gewonnen, ab welcher Länge die Haare ihre Antennenkraft entfalten.

Vielleicht sollte einem in diesem Zusammenhang auch zu denken geben, dass es in Indien Frauen noch immer ihre Haare vorwiegend lang tragen und auch Männer dies lange taten – und sie Vertreter einer metaphysisch höchst reichhaltigen Kultur sind – inklusive einer Heerschar von langhaarigen Göttern und Göttinnen…

Dieses Thema wird übrigens auch im US-Film Avatar (2009) aufgegriffen, wo die langen Haare auch ein Sinnesorgan nicht nur in der Wahrnehmung, sondern auch im Ausdruck sind.

Die Haare der Erde

Einer lieben anderen medialen Freundin teilten sich die Erdkristalle mal mit der Bemerkung mit, sie seien die „Haare“ der Erde. Und Kristalle sind bekanntermaßen ein Speichermedium.

Tatsächlich kann eine Haaranalyse schon auf wissenschaftlicher Ebene physischen Aufschluss geben: über die DNS (und also biologische Herkunft) geben, sowie auch über den Gesundheitszustand der betreffenden Person zum Zeitpunkt des Haarverlusts. Aber auch metaphysisch ist die Macht der Haare, gar der einzelnen Haare enorm, wenn man sie anzuzapfen weiß. Haare spielen bei Voodoo-Ritualen eine Rolle und einem psychokinetisch fähigen Menschen können sie eine Menge über den Besitzer verraten.

Außerdem speichern sie natürlich auch unsere Geschichte und gerade wenn diese jüngst von unangenehmen Ereignissen erschüttert wurde, haben wir oft das Bedürfnis, uns die Haare schneiden zu lassen…Auf dass „das Alte“ gehen darf. Aber Vorsicht, wie viel abgeschnitten werden soll: viele Frauen empfinden regelrecht körperliche Schmerzen, wenn es dann zu kurz wird und nicht nur, weil die eigene Schönheit verringert scheint.

Meine Frisörin, die sich selbst auch als eine Art ‚Haar-Schamanin‘ empfindet meinte auch mal zu mir, dass unsere Haare den Kontakt zur Erde stärken. Sie habe beobachtet, dass Frauen, die sich entscheiden ihre Haare länger wachsen zu lassen zunächst mal ein bißchen zunehmen – als ob sie an ‚Schwerkraft‘ und ‚Materie‘ dazu gewännen. Es sind natürlich nicht die Haare, die den Gewichtszuwachs ausmachen, sondern nur auslösen: der gesamte Körper nimmt an Gewicht zu.

Aber, wie immer, muss das nicht unbedingt so sein. Es gibt schließlich auch immer wieder Ausnahmen, von Menschen die mit wenig oder gar keinem Haupthaar eine grandiose Erdanbindung haben und/oder metaphysisch bestens vernetzt sind, wie so mancher kahlköpfiger Guru beweist. Genauso wie auch längst nicht jeder Langhaarträger automatisch sensibler und für metaphysisches empfänglicher ist. Die Haare allein sind´s sicher nicht…

Der Trend hält weiter an

Obwohl ich ein großer Fan der alten Friseurweisheit bin, „Bei kurzem Haar geht´s ums Gesicht, bei langem Haar um die Haare“ war ich meiner etwa 15 Jahre währenden Pagenkopffrisur vor drei Jahren schließlich überdrüssig. Ich ließ meine Haare wachsen und nehme den deutlich höheren Pflegeaufwand in Kauf. Ob das länge Haar allerdings meine medialen Fähigkeiten verändert hat, kann ich nicht sagen.

Trotzdem glaube ich, dass es bei diesem Trend um mehr geht, als nur um eine modische Entscheidung. Mein Gefühl ist, dass es eine Begleiterscheinung eines allgemeinen Trends ist, weg vom Künstlichen zum Natürlichen, wie wir das ja auch seit einer Weile in der Ernährung und der Popularität von Biosupermärkten erleben.

Und wenn es die Sehnsucht nach dem Natürlichen ist, der Natur und der natürlichen Ordnung der Dinge, gehört dazu vielleicht auch, dass wir (wieder) gesunde Männer und Frauen sein können und wollen, die sich auch als solche auf Augenhöhe begegnen können. Ob nun er nun einen Rock trägt und einen langen Zopf und sie einen Kurzhaarschnitt und einen Anzug…oder umgekehrt oder in sonst irgendeiner Kombination. In jedem Falle, frei zu sein, wer man gerade ist, unabhängig von Konventionen! Das ist sicher eine lohnende Perspektive – und ich glaube, dieser Trend hält langfristig und weltweit an, egal wie viel Widerstand ihm auch kurzzeitig gerade irgendwo begegnen mag.

Kraftquelle Haar – Teil 1: Färben oder nicht färben?

Dieser Blog sollte eigentlich eine aktuelle Bestandsaufnahme zum Mythos Haare sein… aber, wie das immer so ist, wenn man seinen Fokus auf ein bestimmtes Thema lenkt, so drängt sich auch der persönliche Bezug ins Bewusstsein und also habe ich mich auch mal wieder mit meinen eigenen Haaren auseinander gesetzt… Und so ist dieser Blogeintrag schließlich zum Zweiteiler geworden. Der erste Teil widmet sich meinen persönlichen Fragen, der zweite eher einer allgemeinen Betrachtung. Aus jüngsten Erfahrungen drängt sich mal wieder die  fundamentale Frage für mich auf: Färben oder nicht färben?

Die Macht der Natur

Die, die mich kennen, wissen, dass die Grauhaarigkeit bei mir mit auf natürliche Weise Mitte zwanzig begann – damals hab ich natürlich noch gefärbt… Diese ganze Geschichte habe ich schon vor drei Jahren in meinem alten Blog mit dem Titel „Powergrau“ niedergeschrieben. (Siehe unten)  Und damals war ich noch uneingeschränkt der Meinung, dass man die konditionierte Wahrnehmung von Grauhaarigkeit = alt,  wandeln könnte und dachte, dass die vielen Menschen, die sich die Haare aus modischen Gründen grau färben ein ermutigender Ausdruck dessen sind. Denn um die Haare grau zu färben muss man es wirklich wollen und bereit sein, Zeit und Geld zu investieren – das ist mit einer Schnellpackung vom Drogisten nicht getan.

Ich persönlich färbe seit nunmehr neun Jahren nicht mehr und finde es in vielerlei Hinsicht wunderbar: kein finanzieller und zeitlicher Stress mehr mit den Biofärbemitteln. Es gibt da natürlich ganz wunderbare, die hinterher super aussehen und auch für den Stoffwechsel keine Belastung sind. Doch sind sie für jemanden, wie mich, bei dem die weißen Haaransätze spätestens nach zehn Tagen schon wieder sichtbar werden – eine kostspielige Angelegenheit und da die Einwirkzeit vier Stunden berät eben auch zeitaufwendig. Und außerdem liebe ich Natürlichkeit und Authentizität…

Ungefärbt und lang

Außerdem habe ich Glück, mein Haar ist voll und kräftig und nachdem ich zehn Jahre lang einen Pagenkopf trug, stand mir der Sinn nach was anderem und so habe ich inzwischen so etwas wie eine über schulterlange Silberfuchsmähne. Weil mir das glücklicherweise einigermaßen steht und meine Gesichtszüge ansonsten vielleicht sogar jünger wirken, als ich tatsächlich bin, ist dies eine wilde Mischung, die vielen gefällt oder mindestens auffällt. Tatsächlich drehen sich gelegentlich sogar Menschen auf der Straße nach mir um oder starren mich in der Bahn unverhältnismäßig lange an…

Am meisten Eindruck macht dies bei Frauen und so manchen Männern, die mein Bekenntnis zum grauen Haar aus verschiedenen Gründen mutig finden. Und ganz besonders anziehend finden das viele Männer, die sich bereits dem Pensionsälter nähern oder schon längst darin sind…

Und das ist mein Problem: Oft stelle ich fest, dass die meisten Männer sich in der Regel für jüngere Frauen begeistern, und/oder für jene, welche Unschuld, Frische und Jugendlichkeit ausstrahlen…

Die Macht der Konditionierung

Ich wußte, als ich aufhörte zu färben, dass ich damit umgehend mindestens zehn Jahre älter aussehen würde als ich tatsächlich bin… und dachte jetzt, mit beinahe fünfzig, würde es allmählich stimmig wirken. Aber weit gefehlt: denn jetzt habe ich ein wenig die Aura der „weisen, alten Indianerin“ was sicherlich grundsätzlich attraktiv ist, aber womit ich offenbar oft aus dem Beuteschema vieler Männer falle, die ich meinerseits attraktiv finde.

Denn die unterbewusste Konditionierung „Frau mit grauem Haar = Großmutter“ greift auch bei Männern, die es natürlich eigentlich besser wissen. Doch wir wählen unsere potentiellen Partner zunächst einmal nicht mit dem Verstand – irgendeine kryptische multidimensionale Chemie aktiviert sich…die zu entschlüsseln Parfumeure, Modedesigner und Datingcoachs, Sexualtherapeuten und Heiratsvermittler seit Beginn unserer Paarkultur zu ergründen versuchen…

Aus lauter Ratlosigkeit nennen wir das Magie und die läßt sich vielleicht ein bißchen verstärken oder schwächen aber nicht grundsätzlich und auf Dauer manipulieren. Da greifen Dynamiken, die wir bisher noch nicht vollkommen erfassen können und irgendwie ist das ja auch beruhigend, denn dann spielt letztlich auch die Haarpracht nur noch eine untergeordnete Rolle… Wenn´s passt, passt´s, wenn nicht, eben nicht.

Chancen erhöhen!

Doch um herauszufinden, ob „es“ passt oder nicht, muss ja erst einmal ein gewisser Kontakt zustande kommen und genau da hakt es gerade bei mir. Denn obwohl ich nicht im mindestens Lust habe, meine Haare zu färben, habe ich noch viel weniger Lust, bei den Beutekategorien ständig weiter in der Rentnerrubrik zu landen. Also habe ich mir Input von Freunden und Freundinnen geholt und natürlich erklären die einen, sie würden unbedingt färben, oder wenigstens tönen oder Strähnchen machen lassen… Die anderen erklären, ich könnte mich doch keineswegs nur wegen des „Markts“ und für potentielle Partner verbiegen… Und die ganz schlauen erklären, maßgeblich sei doch das Gefühl meiner eigenen Attraktivität: wenn ich mich selbst – egal wie – attraktiv und sexy fühlte…würde sich das doch auch möglichen Interessenten vermitteln! Und schließlich gibt es noch jene, die vorsichtig darauf hinweisen, dass ich vielleicht Männern, die mich interessieren, meinerseits deutlichere Signale zur Kontaktbereitschaft geben müsste, damit sie zwischen all den Häschen, Gazellen, Löwinnen  und sonstigen Beutetieren…durchaus auch mal eine Silberfüchsin in Erwägung ziehen können.

Ich bin in mich gegangen und habe entschieden, dass das Färben meiner Haare für mich wirklich nicht in Frage kommt. Allerdings habe ich gezielt meinen Kleidungsstil überprüft, damit er weder der Kategorie „Spätes Mädchen“ noch der Kategorie „Flotte Oma“ entspricht, entschieden doch gelegentlich etwas mehr Make-Up zu benutzen,  und mir auch vorgenommen, noch selbstbewusster zu meinem Äußeren zu stehen… in der Absicht künftig weniger das Bild der weisen, abgeklärten, alten Indianerin in anderen zu erwecken, sondern dass einer klugen, forschungsfreudigen, abenteuerlustigen und sinnenfrohen Frau im besten Alter!

POWERGRAU

Mein erster Artikel zum Thema vom 23. März 2013, aus meinem alten Blog „Notizen einer Alltagsgöttin“.

Heute fiel mir zum ersten Mal eine Anzeige in der Zeitung für „Powergrau“ auf – eine deutsche Haarschampoofirma scheint seit einiger Zeit ein Herrenprodukt gezielt mit dem Slogan „Die neuen grauen Männer“ zu bewerben – bisher habe ich damit immer die grauen Herren, die Zeitdiebe in Michael Endes Roman Momo assoziiert.

Aber nicht so der Haarwaschmittelhersteller, sie empfehlenden Gebrauch ihres Haarwaschmittels, weil es den „schmuddeligen Gelbstich“ in eben jenes Powergrau umwandelt. Weiter heißt es in der Anzeige, dass zunehmend mehr Männer in der Öffentlichkeit von dem Powergrau Gebrauch machen… Subtext: es macht alle seriöser und sexier… Von jeher gelten die grauen Schläfen bei Männern von Cary Grant bis George Clooney als ultra attraktiv.

Aber bei den Frauen? Was ist mit Powergrau für die Powerfrau? Wer mich persönlich kennt, weiß, dass ich seit ich dreißig bin erstaunlich grau für meine jungen Jahre war – tatsächlich fing es schon mit Mitte 20 an – damals färbte ich voller Empörung mein Haar sofort und hatte dann in den folgenden Jahren mal rotes, mal blondes, mal gestreiftes (blond und dunkelbraun) Haar….

Mit 33 hatte ich dann das erste Mal den Mut wirklich dazu zu stehen – denn ein junges Gesicht und diese stählerne Haarfarbe haben einen gewissen Charme. Aber nur wenn man gerade nicht blass ist. Mit diesem Look war ich 2001 in China und sah leider nicht immer so fit aus, wie ich es mir gewünscht hätte: die Zeitverschiebung und die miese Luft in den chinesischen Hotels forderten einen gewissen Tribut. Die Folge: viele völlig erstaunten Chinesen starrten mich an und bei einer Gelegenheit erkundigte sich eine Chinesin mittels des Dolmetschers, ob ich früh sterben wolle…

Genauso erfuhr ich mit gewissem Interesse, dass wenn Frauen graues Haar haben, dies eine Botschaft der Natur ist, dass die Frau ihre Fruchtbarkeit eingebüßt hat… Und also sind zeugungswillige Männer von Frauen mit grauen Haaren bewusst oder unbewusst eher abgetörnt.

Entsprechend interessant waren auch immer die Reaktionen verschiedener Männer auf meine ach so authentische Haarfarbe: von vielen kriege ich bis heute richtig schöne Komplimente. Tatsächlich haben mir schon wildfremde Männer auf der Straße oder in Bahn deswegen sehr nette Dinge gesagt.

Andererseits habe ich beim Onlinedating die Erfahrung gemacht, dass kaum, dass ich mein Foto – mit dem deutlich grauen Haar – freigeschaltet hatte, die vorher schier euphorischen Herren sich abwandten. Übrigens je älter, desto schneller…

2005 habe ich dann meine Haare wieder eine Weile gefärbt – weil mir nach einer gründlichen Veränderung war und der 50er Jahre Effekt mit neuem Hut oder neuen Schuhen in unserer Zeit so schrecklich wirkungslos ist. Also habe ich dank eines wunderbaren Bioprodukts einen phantastischen Dunkelschokoladenbraunen Schopf gehabt.

Der Effekt hielt genau zehn Tage – denn meine Haare wachsen so schnell, dass in Nullkommanichts meine Ansätze wieder zu sehen waren und ich verlor bald die Lust, dauernd meine Ansätze zu färben – Bio bedeutet nämlich dass die Färbeaktion 4 Stunden dauerte…und außerdem Kostspielig war: eine Packung kostete über 20 Euro…

Also hat meine Faulheit und schließlich mein Bedürfnis nach Authentizität gesiegt und nach einer mutigen Phase, in der ich praktisch zwei Haarfarben hatte: grau vorne und rotbraun hinten, habe ich alles Gefärbte abschneiden lassen, und hatte einen sexy Kurzhaarschnitt – ganz in grau. Jetzt sind sie wieder etwas länger und ich habe im Allgemeinen einen grauen Pagenkopfhaarschnitt.

Kleine Kinder sprechen von mir gerne als Oma und die Assoziation zur Hexe schwingt auch immer wieder mit. Dazu passt auch die mythologische Sichtweise: ein Bekenntnis zur eigenen Grauhaarigkeit ist auch immer ein Ausdruck von großer Weisheit und innerem Frieden: Menschen mit grauem Haar sind mit sich und dem Leben im reinen und versuche nicht, etwas zu sein, was sie nicht sind… Das gefällt mir!

Meine Erkenntnis: wir Grauhaarigen werden – in Deutschland schon aus demographischen Gründen – immer mehr. Schon seit einigen Jahren bezeichnen Schauspieler das Publikum vor ihnen als „Baumwollfelder“.  Ich bin gespannt, ob graues Haar irgendwann eine Neubewertung erfährt – weg von alt, biologisch unfit und hexig…hin zu weise, von reifer Sexualität jenseits von Fortpflanzung und zauberhaft… Ich jedenfalls bin bereit, meinen Beitrag dazu zu leisten!