Weibliche Superkräfte

Endlich habe ich mit einer lieben Freundin den Film Wonder Woman (USA 2017) im Kino angesehen. Verschiedene Kritiker haben den Film als beste Comic-Verfilmung seit einer Weile gefeiert, die hohen Zuschauerzahlen und Einspielergebnisse haben das untermauert und allgemein gilt der Film jetzt als gelungene Öffnung für mehr Weiblichkeit im Superheldengenre.

Spaß macht der Film auf jeden Fall: die Schauspieler sind gut, die Story funktioniert und die Figuren sind spannender und etwas tiefgründiger, als man vielleicht erwartet. Besonders großartig ist er fürs Auge: phantastische Ausstattung, tolle Kamera, guter Schnitt und eindrückliche Spezialeffekte und natürlich Action, Action, Action: es wird gejagt, gekämpft und zerschlagen, dass es schier eine Oper von Scheppern, Krachen und Knallen ist. Und die Hauptdarstellerin macht das alles großartig mit der richtigen Mischung aus Anmut, Eros und Aggression! Wonder Woman wird dargestellt von der jungen Israelin Gal Gadot, deren Karriere als Miss Israel begann. Außerdem war sie in der heimischen Armee und hat offensichtlich ein kämpferisches und tänzerisches Talent – sie verfügt über die entsprechende Körperbeherrschung. Im Übrigen ist sie verheiratet und hat zwei Töchter – und als sie auf einer großen Filmgala zwar im Abendkleid, jedoch flachen Schuhen erschien, wurde sie von verblüfften Reportern gefragt, wieso sie denn keine High Heels trage und sie erklärte freundlich: ‚Weil es bequemer ist!‘ Also offenbar bodenständig und sympathisch die Dame!

Interessant ist außerdem anzumerken, dass mit Patty Jenkins eine Frau Regie führte und mit dem Film den höchsten Umsatz einfuhr, den eine weibliche Regisseurin bisher geschafft hat. D.h. der Film war deutlich auch für Männer tauglich und hoffentlich muss man das in näherer Zukunft auch nicht mehr ausdrücklich erwähnen. Denn natürlich können sich Männer auch für eine weibliche Superheldin begeistern, erst recht in ihren favorisierten Genres – und Jenkins scheut die traditionell männlichen Genres wie Action und Horror keineswegs, wie ihre Filmographie zeigt.

Jenkins meinte zu ihrem Film, dass Wonder Woman am Ende erkennt und es auch sagt, dass es ultimativ um die Liebe geht! So wahr ich das finde, so finde ich es doch nicht so richtig schlüssig im Film – zumal ihr der Gedanke kommt, als sie einen Panzer über ihrem Haupt schwingt, um ihn auf dem kauernden weiblichen Bösewicht niedergehen zu lassen. Mir kam da eher der Gedanke, dass sie das Potential für ein Sequel nicht ruinieren will..

Aber ja, am Ende erklärt Diana Prince, alias Wonder Woman, dass es sich immer lohne für Liebe und Gerechtigkeit zu kämpfen – und wer würde ihr da widersprechen wollen?

Wonder Womans Ursprung

Wonder Woman ist traditionell deutlich eine Amerikanerin – in der Regel ist ihr Heldenkostüm in den Farben der US-Flagge gehalten. Im Film jedoch weniger, da wird ihre griechisch-göttliche Herkunft betont und die Handlung spielt in einem vom ersten Weltkrieg gebeutelten Europa. Aber die Figur ist viel älter als der Film, sie wurde 1941 dem Comic Universum hinzugefügt. Max Gaines, der Herausgeber der DC Comics machte sich Anfang der 40er Jahre Gedanken, dass die Comics vielleicht zu gewaltvoll für die jugendlichen Leser seien und wandte sich an seinen Berater William Marston, der nicht ebenfalls nur ein Comicbuch Autor war, sondern auch ein Psychologe und selbst stark geprägt von unkonventionellen und selbstbewussten Frauen seiner Zeit geprägt: er selbst lebte mit seiner Frau und seiner Geliebten und vier gemeinsamen Kindern unter einem Dach. Nach der Legende sagte Marston zu Gaines: ‚Was du brauchst, ist ein weiblicher Superheld. Sie wird so stark wie Superman, aber im wesentlichen Pazifistin sein. Sie wird für die Demokratie kämpfen, aber für die Gleichberechtigung der Frau. Und ihre Superkräfte werden Liebe, Wahrheit und Schönheit sein.‘ Max Gaines wollte einen Versuch wagen – und ich kenne die Originalcomics nicht, weiß also nicht, in wie weit sich dieser Ansatz durchsetzte.

Aber wenn man mich jetzt fragen würde, ob ich finde, dass die jüngste Wonder Woman spezifisch weibliche Kräfte hat, die ihr Superheldentum auszeichnen – müsste ich passen. Sie ist zwar zweifellos schön und steht auf Wahrheit – im Film konfrontiert sie andere, vornehmlich Männer gnadenlos mit ihrer Haltung zur Rettung Unschuldiger und klagt sie des mangelnden Mitgefühls an. Und Liebe mag ihre Motivation sein, ist aber entschieden nicht ihre Kraft – diese besteht, wie auch bei ihren männlichen Kollegen, vor allem in einer physischen Überlegenheit gegenüber den Gegnern. Das heißt, sie wirkt zwar femininer – nicht nur wegen ihrer herrlichen sexy Ausrüstung, aber auch sie lässt die herrschenden Konflikte, wie ihre männlichen Kollegen letztlich mit Kraft, Gewalt, etwas Magie (sie kann fliegen und Kraftwellen erzeugen) und Kampfeskunst.

Ähnliches gilt auch für die neue TV-Serie ‚Supergirl‘, die mit der Einführung von ‚Supermanns Cousine‘ (und noch einen ganzen Rattenschwanz an Verwandtschaft vermeintlich bei der planetaren Katastrophe abhanden gekommener Kryptoniden) ebenfalls versucht, das Genre auf das weibliche auszudehnen.

Supergöre

Auch ich fand während meiner Filmstudienzeit Ende der 90er Jahre in den USA, dass es dafür Zeit wäre und hatte so eine Geschichte kreiert, in der Supermann mal eine Affäre mit einer Australischen Olympia-Schwimmerin hatte und die Frucht dieser Begegnung mit Einsetzen ihrer Periode von ihren Superkräften überwältigt wird. Nach verschiedenen Besuchen bei Ärzten und Psychologen, die alle erklären, dass dies keine vorübergehende Erscheinung der Pubertät ist und in der Tat außergewöhnlich, rückt dann Mutti mit der Sprache heraus und erzählt, dass sie mal eine Nacht mit einem Amerikaner mit rotem Umhang verbracht hat…

Daraufhin entschließt sich die Heldin ihren Papa aufzusuchen – natürlich entgegen dem Wunsch der Mutter, aber wer kann sich schon gegen einen Teenager mit Superkräften durchsetzen? Also reißt sie nach Amerika und lernt dabei mit ihren Fähigkeiten immer besser umzugehen – zieht allerdings auch die Aufmerksamkeit gegnerischer Kräfte (das Genre erfordert diese) auf sich. Das ganze kulminiert darin, dass sie auf der Suche nach ihrem Vater direkt in die Arme ihrer Feinde läuft, nur um festzustellen, dass diese bereits Superman in ihrer Gewalt haben. Aber gemeinsam schaffen sie es (natürlich) sich zu befreien und die Welt erneut zu retten.

Zwei Dinge setzten der weiteren Entwicklung dieser schönen Idee ein Ende. Zum einen erklärte der Professor, in dessen Kurs ich das Konzept entwickelt hatte, dass die Rechte an Supermann und allem, was da dran hängt, bei DC-läge (Detective Comics) und dass sie diese Rechte nie abtreten und auch nicht bereit seien, Vorschläge, die nicht exakt den Regeln für ihre Superhelden entsprechen – die ja etablierte Charaktere im Marvel-Universum sind – akzeptieren würden. Und meine Supergöre würde da deutlich aus dem Rahmen fallen.

Des weiteren meinte ein Kommilitone, es gemahne ihn an den Roman Carrie von Stephen King, in dem eine sechzehnjährige von klein auf und erst recht ab ihrer ersten Periode massive telekinetische Fähigkeiten entwickelt. Wie bei Stephen King üblich eskaliert das ganze auf äußerst gruselige Weise und endet mit einem Massaker, bei dem auch die Heldin stirbt. Solche Assoziationen zu wecken, hatte ich natürlich überhaupt keine Lust.

Aber auch ich erlag damals der Verführung, einfach eine Frau mit supermännlichen Kräften auszustatten.

Heute frage ich mich, ob mich das als junge Zuschauerin wirklich inspiriert hätte – ich meine sicher würden ein paar Mädels daraufhin mehr Neugier auf Kampfsport etc. haben, aber das war nie meins. Das wirft also die Frage auf, welche superweiblichen Kräfte denn wirklich inspirierend und so motivierend wären, dass man Lust hätte mit ihrem Einsatz unsere Welt zu einer besseren zu machen. Denn das ist ja immer das Ziel aller Comic-Helden!

Und ja, natürlich fände ich es spannend, Telekinese zu beherrschen, wie Carrie oder, die klassischen Supermanfähigkeiten, wie fliegen – mit Cape und ohne hängen zu bleiben – Den Röntgenblick, das Supergehör, die relative Unverwundbarkeit und natürlich die Superkraft: die Einkäufe mit dem kleinen Finger tragen zu können und falls nötig, das Auto hochkant parken zu können hätte seinen Reiz.

Aber trotzdem sind das irgendwie supermännliche Fähigkeiten: die gewaltige Körperkraft, und immer wieder der Kampf für Gerechtigkeit und das Beenden von kriegerischen Auseinandersetzungen indem man alles in Schutt und Asche legt – das finde ich nicht nur unbefriedigend, sondern irgendwie auch langweilig!

Echte weibliche Superkräfte

Aber was wären denn Möglichkeiten, mit weiblicheren Superkräften Ordnung in unsere chaotische, gewaltvolle und ungerechte menschliche Welt zu bringen? Und damit meine ich nicht Telekinese wie bei Mary Poppins oder der bezaubernden Jeannie die mit einem Zwinkern mal eben das Kinderzimmer auf Vordermann bringen oder den Haushalt mit einem Kopfnicken erledigen.

Nach einigem Nachdenken habe ich mich für folgende entschieden:

  • Gefühle dekodieren können, bzw. ihren Ursprung erkennen können und damit die Ursache jeglichen Konflikts
  • Menschen von der Angst ins Mitgefühl führen können  – ein Gegner wird ziemlich ohnmächtig, wenn man auf seine Schwäche, seinen Schmerz fokussiert…
  • Durch zärtliches Hand auflegen oder einen warmen Blick heilen können
  • Jegliche Waffen durch einen Blick unschädlich machen zu können.
  • Schwierige Aufgaben in Gemeinschaft bewältigen, wenn z.B. der bedrohliche Tanker durch die Hilfe von Walen unschädlich gemacht wird
  • Mit einer Geste Landschaften wieder ergrünen lassen zu können – aus Kriegsschauplätzen blühende Gärten machen können!

In Anlehnung an meine aktuelle Forschung, was denn nun diese spezifische weibliche Energie, die sich derzeit in unserem kollektiven Bewusstsein Bahn brechen will, würde ich außerdem – wenn ich könnte – ALLE Superhelden dazu ermutigen, künftig von Gewalt und Zerstörung abzusehen und einen weiblicheren, vielleicht softeren, aber sicher auch nachhaltigeren Weg zu wählen:

Denn meiner Meinung nach ist jeder Bösewicht nur böse, weil er zutiefst verletzt und gekränkt wurde, das zu heilen und Vergebungsarbeit zu machen, wäre sicher lohnender, als sie einfach nur auszuschalten. Des weiteren fände ich Kooperation spannend, nicht nur zwischen den Superhelden und die findet ja immerhin auch schon statt, z.B. bei den Fantastic Four usw.) sondern vor allem zwischen den Menschen und ein Schulen ihres Bewusstseins darin, dass viele Menschen gemeinsam durchaus eine Superkraft darstellen können!

Richtig schick wäre auch, wenn sie eine solch friedvolle Kraft ausstrahlen würden, dass keiner mehr Lust auf Kampfeshandlungen hat – gibt es eigentlich Buddha schon als Superhelden? Natürlich auch Liebe und Schönheit – welche Superkräfte daraus erwachsen können, auch für Menschen, weiß jeder, der liebt und von Schönheit schon nachhaltig und zutiefst berührt wurde.

Und wer mir jetzt entgegenhalten möchte, dass das aber weniger unterhaltsam ist und weniger Action erfordert, dem entgegne ich, dass ich absolut sicher bin, dass man das reizvoll visuell umsetzen kann und auch bei mehr psychologischem Tiefgang nicht mehr Dialog braucht. Im Gegenteil. Außerdem bin ich der ewigen Kriegsszenen müde – ich fände visuell den Einsatz von Fischen bei der Rettung der Ozeane oder der Vögel zur Rettung der Lüfte viel origineller!

Ich bin sicher, da ist noch viel Spielraum – und ich bin gespannt, wie sich das Genre weiterentwickelt und welchen Wandel Wonder Woman und Kollegen noch erfahren werden – denn gerade die Comicheftliteratur spiegelt unseren Zeitgeist besonders deutlich…

Wieso ist Gott Single?

Wie oft heißt es „Gott ist die Liebe“… und dieser Tage in denen der Papst hat verlauten lassen, dass auch geschiedene Katholiken in neuer Ehe vielleicht unter ganz bestimmten Umständen und in Absprache mit ihrem lokalen Pfarrer und der in Absprache mit seinem Gewissen…vielleicht dann doch wieder an der Eucharistie (Das Essen vom „Leib Christi“ – d.h. das Essen der heiligen Oblate) teilnehmen dürfen. Freut mich für alle, die das freut – mich persönlich interessiert in der Sache etwas anderes:

Da leben Milliarden von Christen seit angeblich 2000 Jahren mit dem Glauben an Jesus, als dem einen Sohn eines einzigen Gottes, und die Frau, die die Gnade hatte, ihn weltlich zur Welt bringen zu dürfen, war auch noch ´ne Jungfrau. Und der Vater bzw. der Heilige Geist, wird oft auf alten Gemälden als Taube dargestellt, die auf die heilige Maria hernieder… ja was eigentlich?…In jedem Fall verleiht es dem Begriff „Vögeln“ irgendwie eine ganz eigene Note. Also eine ganz einmalige und geradezu magische und natürlich heilige Sache trug sich dazu und sowas ist natürlich überhaupt nur bei Göttern möglich. Übrigens ist Jesus da in guter Gesellschaft mit anderen Götterkindern:  Kastor und Pollux wurden von Zeus in Gestalt eines Schwans gezeugt, und als Kuckuck verführte er seine künftige Ehefrau Hera und wurden je nach Mythos damit Eltern u.a. von Hephaistos und/oder Ares… In der Mythologie einiger nordamerikanischer Indianerstämme ist der „Vater der Menschheit“ ein Rabe, der sich mit den anderen Vögeln langweilte und eines Tages einen Stein ins Meer warf, aus dem sich die Welt erhob in der nun Menschen leben…

Und damit diese Vorstellungen beim gewöhnlichen Sterblichen nicht allzu viel Kopfzerbrechen erzeugen, werden einem diese einmaligen erotischen Begegnungen und Folgen als Metapher vermittelt…

Die katholische Kirche – wahrscheinlich das älteste und effektivste Macho-Unternehmen der Welt – hat jedoch immer die Ehe für alle, die nicht ganz so heilig wie ihre eigenen Mitarbeiter sind, propagiert und zwar hauptsächlich als Zeugungsinstitution zukünftiger Katholiken. Je mehr Katholiken, desto stärker die katholische Kirche… Das „Heilige Sakrament der Ehe“ ist das einzige Sakrament, dass sich ein Ehepaar gegenseitig spendet – die anderen Sakramente (Taufe und Letzte Ölung) werden vom Priester gespendet. Dennoch haben hier und da haben sicher auch ein paar kirchliche Würdenträger doch auch ihren Samen gespendet und so persönlich zur Mehrung ihrer Schafherde beigetragen. Doch genaue Zahlen sind nicht bekannt. Zu groß ist das Tabu, zu viel das, was die Beteiligten dabei verlieren würden, denn ein Priester, der das inzwischen seit fast 1000 Jahren institutionalisierte Zölibat bricht – verliert sein Amt und ist selten fähig oder ausgebildet mit etwas anderem seine Existenz zu sichern.

Wieso kein heiliges Götterpaar?

Worauf ich hier hinaus will: wenn denn die Vereinigung von Männern und Frauen für den Erhalt eines Volkes und auch ihrer Religion so schrecklich wichtig ist, warum gibt es dann keine Weltreligion die ein göttliches Paar würdigt?  Stattdessen ist die Sache mit Mann und Frau in allen Religionen ein ewiger Quell von Konflikten und glücklicherweise auch von viel Humor und Weisheit. Aber ich bin sicher, wenn Männer ohne Frauen Nachwuchs zeugen könnten,  hätten es Frauen wahrscheinlich noch viel schwerer…

Und leider bin ich auch sicher, dass es in der langen Zeit der Matriarchate nicht viel besser war. Denn vor dem Entstehen unserer aktuellen Weltreligionen gab es eine lange, lange Zeit der Menschheitsgeschichte, in der die Muttergöttin verehrt wurde.  Historische Zeugnisse aus dieser Zeit wurden lange unterdrückt, verschleiert oder absichtlich fehlinterpretiert – von männlichen Forschern und Historikern, die nicht im Leben auf die Idee kamen oder kommen wollten, dass das Weibliche tatsächlich mal höher geachtet war als das Männliche. Glücklicherweise gibt´s inzwischen doch einige sehr kluge und mutige Menschen, die sich der Erforschung dieser Tatsache gewidmet haben und ich habe gerade erst angefangen, tiefer in diese Materie einzusteigen.

Jedenfalls waren zur Zeit des Matriarchats die Frauen diejenigen, die sich um Politik, Wirtschaft, Krieg, und Recht kümmerten, während Männer zu diesen Zeiten für den Haushalt und die Kindererziehung zuständig waren.

Also kann man das ganze kurz und knapp auf die Formel bringen, wie es auch einige Autoren tun: Wird ein männlicher Gott angebetet, sind die Männer an der Macht. Wird eine Göttin angebetet, sind die Frauen an der Macht.

 Was war davor?

Ich halte es für absolut möglich, dass es in noch früherer Zeit – also bevor das Pendel Richtung Matriarchat schwang  – es möglicherweise eine Zeit gab, in der die Menschheit entweder ein göttliches Paar, also männliches und weibliches gleichermaßen angebetet hat – oder es überhaupt keine Religion in dem Sinne, wie wir sie heute definieren gab, weil kein Bedarf war. Vielleicht, weil die Menschen mehr im Einklang mit den Wandlungsprozessen in der Natur waren und auch

nicht in dem uns vertrauten Maß untereinander litten und also keine „höhere Macht“ als ihr eigenes Herz und Gewissen brauchten, um einem kindlichen Bedürfnis nach Gerechtigkeit und Ordnung nachzukommen. Vielleicht waren sie so liebesfähig, dass ihre Welt im besten Sinne in Ordnung war.

Ich kann nur spekulieren, aber es macht mir Spaß darüber nachzudenken, wie ein glückliches Leben als natürlicher Atheist aussehen kann.

In jedem Falle hat es in der langen Zeit des Übergangs vom Matriarchat zum Patriarchat neue Religionen gegeben, in denen es Götterpaare gab – deren Beziehungen allerdings oft heftig menschliche Dynamiken hatten: mit viel Sex und Ehebruch und jeder Menge göttlicher Bastarde. Da es sich um Götter handelte, griffen menschliche Moralansprüche nicht:

Das gilt u.a. für die Religion der alten Griechen, die der Germanen und teilweise für den Hinduismus…

Außerdem gibt´s auch jede Menge göttlicher Liebesgeschichten – und glücklicher Götterehen. Neben Göttern der Liebe (meist weiblich) und ihren Tempeln gab´s sicher auch Tempel, wo für eine gute Ehe gebetet wurde. Nach bisherigem Forschungsstand sind die zuständigen Gottheiten, die eine gute Ehe unterstützen würden Einzelgottheiten und ausschließlich weiblich…Z.B. Hera/Juno – bei den alten Griechen und Römern, Frigga bei den alten Germanen und Parvati im Hinduismus.

Und in Zukunft?

Aber die interessante Frage ist ja eigentlich, was als nächstes kommt? Sind wir als Menschheit auf ewig dazu verdammt die Pendelbewegungen von Matriarchat zum Patriarchat und wieder zurück mitzumachen?

Oder erleben wir vielleicht gerade wieder eine Zeit des Übergangs (manche sprechen schon vom „Postpatriarchat“) in der ein Stück weit das gegenwärtige bereits veraltet ist, dass uralte eine gewisse Renaissance erlebt: in gewissen Kreisen wird die Muttergöttin (wieder) verherrlicht und allgemein die Zeit ihrer Blüte wieder herbei gesehnt. Aber das ist vielleicht gefährlich – denn dann könnte das Pendel wieder ins andere Extrem schwingen.

Meine Vorstellung ist, um im Bild zu bleiben, dass das Pendel in eine ganz neue Richtung schwingen muss und wird. Ich stelle mir eine Pendelskala vor, wo rechts das männliche ist, links das weibliche, unten das männliche-und-weibliche angebetet wird und oben an beide nicht geglaubt wird.  Dann hat es zunächst den Anschein, dass keine neue Richtung eingeschlagen werden kann, weil das Pendel nicht stagnieren soll  und somit alles zum Stillstand kommt.

Aber ich glaube, es gibt eine neue Richtung…und diese ist möglicherweise ein Ausdruck unseres nächsten Evolutionsschritts: ich glaube nämlich, dass ein Pendel „nach innen“ schwingen kann. Vielleicht vergleichbar mit der Frage, aus welcher Perspektive man alle Seiten eines Würfels gleichzeitig sehen kann: die Antwort lautet, vom Innern des Würfels…

Und dieses „nach-Innen-Schwingen“ würde ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt so interpretieren, dass jeder den Glauben (wenn er ihn denn braucht) in sich selbst findet. Idealerweise sich selbst als göttlich begreift – und jedes andere Wesen eben auch. Damit würde jede Begegnung ein heiliger Akt…und der Sex könnte vielleicht auch wieder und vielleicht noch mehr als jemals, seine verjüngende, heilende, weisheitsspendende Kraft entfalten, die ihm von jeher zu eigen ist, die ihm aber im Laufe der Religionsgeschichte/n oftmals abgesprochen wurde und die entsprechenden Techniken wurden dämonisiert und/oder gerieten in Vergessenheit.

Denn guter Sex trägt zur Selbstliebe und damit zur Selbstermächtigung bei und Selbstermächtigung ist genau das, was eine Religion nicht will: sie will das Selbst jedes Menschen entmächtigen und den auch wie immer definierten aber äußerlichen „Gott/Göttin“ und seine Repräsentanten ermächtigen…

Doch ich persönlich glaube, dass ein jeder von uns göttlich ist, oder, wie es auch in der esoterischen Literatur immer wieder heißt, ein Funken des universellen göttlichen Lichts – ein einzigartiger und großartiger Teil und Ausdruck des Einen göttlichen Bewusstseins. Je bewusster sich jeder einzelne Mensch dessen wird – umso göttlicher wird unser Leben… Für jeden einzeln und für alle miteinander!

Diese Bewusstwerdung geschieht schon allenthalben und immer häufiger – wie im vorigen Blogartikel bereits erläutert.  Also ist es auch hier nicht eine Frage des ob, sondern nur eine Frage des wann – und ja, in diesen Dingen muss man in großen Zeiträumen denken können. Aber irgendwann ist unser aller Religion die Liebe…und wir sind ihre Götter, wenn wir uns denn trauen, es zu sein!

Eine neue Weltreligion?

Derzeit scheinen sich die Glaubensfronten überall auf der Welt zu verhärten: es scheint als ob Politik und Medien uns einen Krieg zwischen Glaubensgegnern suggerieren wollten, indem angeblich radikale Islamisten Glaubensanhänger der anderen Religionen aufmischen. Aber ich bin nicht davon überzeugt, dass ihre Motive ausschließlich religiöse sind. Sicherlich spielen wirtschaftliche Aspekte eine große Rolle – denn Menschen, denen es wirtschaftlich gut geht, die in sicheren Verhältnissen leben dürfen und die ihr Leben genießen können, haben eher selten das Bedürfnis, dies für Kampfhandlungen im Namen ihres Glaubens aufs Spiel zu setzen.

Die Macht der Macht

Doch dieses wirtschaftliche Gefälle und die daraus resultierenden Konflikte sind wiederum das Produkt ganz anderer Überzeugungen und Konzepte, die vielleicht weniger theologisch, jedoch kulturpsychologisch durchaus Sinn ergeben: zugrunde liegt der uralte Glaube – und das schließt Anhänger aller Religionen mit ein – dass Macht der einzig gültige Wert sei. Nur dann kann man sich Wohlstand, Reichtum, Respekt, Ansehen verschaffen und die Kontrolle über das eigene Leben wahren… Insofern stimmt die Vorstellung von einem Glaubenskrieg, nur verläuft die Frontlinie nicht zwischen den alten Religionen sondern zwischen Lebensprinzipien.

Doch diese alten Prinzipien und wie sie die Lebensgestaltung von einzelnen und ganzen Völkern bestimmt haben, scheinen zu bröckeln. Und das ist nicht erst seit Kurzem. Es hat immer schon Bewegungen gegeben, die nach einem neuen Weg darüber hinaus und jenseits davon gesucht haben: wie z.B. die universalisitsche Religion der Bahais und die Flower Power Bewegung und doch scheiterten sie letztlich an den Machtstrukturen. Bisher.

Macht ist out.

Laut einiger Metaphysiker ist genau genommen das die Größe des in der öffentlichen Wahrnehmung weitestgehend als unspektakulär bzw. als alberner Mythos geltenden Wandels vom Dezember 2012. Völlig im Einklang mit der fortwährend stattfindenden Evolution des Multiversums…erfuhren alle und alles eine energetische Veränderung und diese setzt sich beständig fort. Manche haben sie von Anfang an gespürt, andere entdecken die Zeichen jetzt und wieder andere blieben unberührt – sie werden die Auswirkungen wahrscheinlich erst in der Stunde ihres Todes oder einer neuen Inkarnation erkennen.

Diese energetische Veränderung beinhaltet eine Frequenzerhöhung in jeder Hinsicht – die Schwingungen werden grundsätzlich schneller und feiner und die langsameren, gröberen fallen zurück. Auch Gedanken und Gefühle haben messbare Schwingungen – dazu gibt es sogar medizinische Untersuchungen.  Die Hirnströme eines tibetischen Lamas, der während der Untersuchung auf Mitgefühl meditierte sprengte die Skala des Messgeräts… Und lag damit offensichtlich weit über den Messdaten jener Menschen, die beispielsweise an ihre Partner, ihre Kinder oder Sex dachten…

Liebe ist in

Die Kraft der Liebe setzt sich zunehmend in unser aller Bewusstsein durch und damit ein Wissen um Verbundenheit und das Begreifen, dass Trennung in Wahrheit eine Illusion ist, ein Wissen um die Unsterblichkeit der Seele und damit das Begreifen, dass der Tod in Wirklichkeit eine Illusion ist und das Wissen um Raum und Ewigkeit und damit das Begreifen, dass Zeit auch eine Illusion ist.

Immer mehr Menschen werden sich ihres Anschlusses an das große Bewusstseinsfeld gewahr  und auch ihren möglichen Zugriff auf das allgemeine Informationsfeld, was uns ständig umgibt. Damit in Kontakt gehen zu können, erspart jegliche Form alter, überholter Lern- und Gedächtnismethoden. Auch dieser Kontakt ist lernbar. Eine Fähigkeit die lange nur Mystikern vorbehalten war, wird immer mehr Menschen, die dazu bereit sind, zuteil. Dass immer mehr Menschen bereit sind…liegt einerseits an den bereits erwähnten Frequenzerhöhungen (die z.T. physikalisch messbar sind, z.T. bisher nur metaphysisch wahrnehmbar) und an dem Entwicklungstand des jeweiligen Menschen. Wann genau der einzelne erwachst ist wieder nur eine Frage des wann, nicht des ob.

Vielleicht vergleichbar mit – um jetzt mal ein richtig profanes Bild zu verwenden – einem Topf voller Maiskörner in Öl. Sobald das Öl die richtige Temperatur erreicht hat, beginnen die Maiskörner zu platzen und werden zu Popcorn. Manche sofort, manche etwas später, manche ganz am Ende und manche gar nicht, die werden nur schwarz…die schaffen das erst in der nächsten Inkarnation…

Doch so oder so ist das die unausweichliche nächste Etappe in unserer Evolution.

Pioniere des neuen Bewusstseins

Von jenen, die diese schon erreicht haben, bewegen sich zunehmend mehr in die Öffentlichkeit, um ihre Mitmenschen zu motivieren und mitzureißen, sich ihnen anzuschließen. Diese „Pioniere des neuen Bewusstseins“ propagieren das bewusste Leben von Liebe im Jetzt und gehen selbst mit gutem Beispiel voran. Sie vermitteln uns, dass die Liebe nicht nur ein Gefühl ist, sondern eine schöpferische Seinsweise.

Stellvertretend hier zwei dieser Pioniere, weil sie sich den Begriff Liebe deutlich auf die Fahnen ihres „Bewusstseinsfeldzüge“ geschrieben haben:

Der Anglo-Australier Michael Roads „erwachte“ mit 49 und ist seit dem seit über 25 Jahren als spiritueller Lehrer aktiv. Er spricht gerne davon, dass er „den Liebesvirus“ verbreitet und ist bekannt für sein stetes Verkünden von: „Wählt Liebe!“

Der junge Amerikaner Matt Kahn, der bereits als Kind „erwachte“ spricht gerne von der „Liebes-Revolution“ und erklärt auf seiner Webseite dezidiert dass er sich geehrt fühlt, dem Erwachen der Menschheit bewusst zu dienen und sein Credo ist: „Was immer entsteht, liebe es!“

Überhaupt ist „Love Revolution“ ein beliebter Begriff in den Programmen vieler spiritueller Aktivisten – mal enger, mal loser mal gar nicht mit dem Gottesbegriff verknüpft.

Beispielhaft für dieses allenthalben zu beobachtende Bewusstsein im sich neu entfaltenden Geist der Liebe ist ein Text des Amerikaners Brian Piergrossi, der ebenfalls als spiritueller Autor und Coach aktiv ist. Sein Blogtext vom 12. Februar 2012 macht seit seiner Existenz immer wieder die Runde durch das Internet, u.a. ist er als Youtube Filmchen umgesetzt und inzwischen auch mehrfach übersetzt worden. Er hat den passenden Titel: „Liebe ist die neue Religion“. Eine übersetzte Version auf Deutsch ist im Michael Roads Newsletter vom September 2014 zu lesen.

Ein wichtiger Protagonist dieser Bewegung ist auch der Deutsch-Kanadier Eckhart Tolle, dessen erstes Buch „Jetzt! Die Kraft der Gegenwart. Ein Leitfaden zum spirituellen Erwachen“ seit seinem ersten Erscheinen 1997 in über 30 Sprachen übersetzt wurde und auf Deutsch bereits über 20 Auflagen erreicht hat. Durch seine Zusammenarbeit mit der amerikanischen Talkshow-Queen Oprah Winfrey hat er es – und damit die Bewusstseinsbewegung des Erwachens – es in den Mainstream geschafft.

Und das sind nur einige Repräsentanten aus unserer westlichen Kultur – diesbezüglich ist uns der Osten schon lange voraus. Indien hat eine jahrtausendealte Kultur des Bewusstseinserwachens und manche der indischen Yogis waren auch berufen, ihre Lehre und ihre Frequenz im Westen zu verbreiten und haben zweifellos spürbar ihre Spuren hinterlassen, z.B. die geradezu berühmten Vorreiter dieser Lehre: Paramahansa Yogananda und Jiddu Krishnamurti.

Eine Bewegung im Aufwind

Seit Jahrtausenden hat diese Bewegung nun endlich wieder einmal Rückenwind. Einen großen Beitrag dazu leistet das Internet. Zum einen als Informationsmedium, um an die bewussten Träger dieser neuen Frequenz dranzukommen, zum anderen um sich mit Gleichgesinnten zusammen zu schließen.

Das erklärt beispielsweise die wachsende internationale Popularität von „Buddha at the Gaspump“ (Etwa: Buddha an der Zapfsäule). Der Amerikaner Rick Archer, der selbst jahrzehntelang Transzendentale Meditation betrieb, sich aber schließlich aus verschiedenen Gründen davon abwandte, kam 2011 auf die Idee, Menschen zu interviewen, die ihm in ihrer gelebten Spiritualität beispielhaft und inspirierend erschienen. Seit dem interviewt er ziemlich konstant wöchentlich einen spirituell herausragenden Zeitgenossen und das mit wachsender Popularität. Diese Interviews sind sowohl auf seiner Webseite als auch auf Youtube kostenlos für jeden anzusehen und er und seine Frau finanzieren dieses Projekt allein auf Spendenbasis. Und das funktioniert, seit fünf Jahren mit wachsender Kraft! Übrigens gehörten zu den Interviewgästen bisher auch die bereits erwähnten Bewusstseinspioniere: Penny Kelly, Matt Kahn, Brian Piergrossi und Michael Roads.

Ein Schlüsselbegriff dabei ist offensichtlich Liebe

Tatsächlich ist jedoch der Begriff von Liebe in diesem Zusammenhang ein ganz anderer, als der, der uns bisher vertraut war. Denn Liebe ist die Kraft der Schöpfung – das, was unserer Existenz in Wahrheit zugrunde liegt und das, was zutiefst zu Begreifen und auszudrücken die Bestimmung unseres Wesens ist.

Tatsache ist, wir schöpfen eh die ganze Zeit – denn das, was wir denken und fühlen und worauf wir unsere Aufmerksam richten manifestiert sich. Je bewusster wir das tun, umso näher an dem, was wir eigentlich wollen. Es ist ein eigentlich, weil viele von uns noch ein massiv unaufgeräumtes Unterbewusstsein haben, aus dem heraus die eine oder andere Schöpfungsabsicht überschrieben wird…ohne dass wir es im Prozess merken, aber halt im Ergebnis. Die amerikanische Autorin und metaphysische Forscherin Penny Kelly sagt, es gibt im Prinzip nur zwei Arten von Schöpfung – egal, ob bewusst oder unbewusst: lebensdienende und lebensfeindliche. Ziel ist natürlich eine wachstumsorientierte, lebensbejahende Schöpfung zu praktizieren – in Demut vor dem Leben und in Achtung aller Mitwesen.

Das gilt für alle

Tatsächlich kann lernen und üben, bewusst zu schöpfen – es beginnt mit der bewussten Entscheidung dafür. Techniken, wie das genau geht, werden allenthalben in der Literatur, von spirituellen Coaches und im Internet angeboten – deswegen wird hier nicht weiter darauf eingegangen. In jedem Falle gibt es für jedes Budget und jedes Charakterstrickmuster einen Weg, der verständlich und anwendbar ist.

Weil uns allen in Wirklichkeit die Fähigkeit zu lieben und geliebt zu werden zu eigen ist – manche von uns haben es nur verdrängt oder vergessen…aber es ist jederzeit wieder aktivierbar, besonders wenn man sich dazu entschließt. Denn letztlich geht es vor allem darum: bewusst Liebe zu leben…  Und je mehr und bewusster das ein jeder von uns tut…umso mehr werden andere davon berührt und von der wachsenden Strömung früher oder später mitgerissen. Irgendwann ist die kritische Masse so groß, dass Widerstände dagegen auf Dauer keine Chance haben. Und wenn sich dies schließlich durchsetzt, wird sich unsere Welt, die bisher von Machtdynamiken geprägt war, grundsätzlich verändern: es wird eine Welt der Liebe.

Eine real werdende Utopie

Das ist das goldene Zeitalter, die große Veränderung im kollektiven Bewusstsein die in diversen esoterischen Schriften für unsere Zukunft prognostiziert wird. Nur das wann…ist eine Frage, die nicht beantwortet werden kann. Denn manche praktizieren dies schon seit langem und haben sich auch ein liebevolles Umfeld manifestiert…d.h. sie leben schon in dieser neuen Frequenz…andere stoßen erst später oder viel später, manchmal sogar erst in der nächsten Inkarnation dazu.

In jedem Falle gilt: es wird geschehen, mit jedem einzelnen Menschen, vollkommen unabhängig von der aktuellen religiösen Ausrichtung die der einzelne gerade haben mag oder nicht: die Seelen aller Menschen werden sich diesbezüglich immer weiter verbinden und vereinen!  Buchstäblich eins sein in der Liebe… Und dann ist die Liebe die mächtigste Religion von allen, die in Wirklichkeit keine Religion ist – sondern eher so etwas wie ein „Einheitsbewusstseinsfeld“ mit dem die Quantenphysik schon lange operiert, vielleicht ohne wirklich zu wissen oder zuzugeben, dass dieses Einheitsfeld genau genommen aus dem Bewusstsein aller empfindungsvermögenden Wesen besteht. Esoteriker wissen das schon lange – aber weil sie eben als esoterisch verschrien sind, hat es dieses Wissen noch nicht in die physikalischen Gleichungen der Wissenschaftler geschafft. Aber auch das ist nur eine Frage der Zeit. Egal, wie man es auch dreht und meidet: am Ende siegt das Prinzip der Liebe über alle alten Glaubenssysteme die auf Macht basieren.

 

Geeigneter Gott gesucht!

Natürlich habe ich geforscht, ob es eigentlich einen Gott oder eine Göttin oder wenigstens einen Heiligen des Gleichgewichts gibt. Aber tatsächlich scheint das Gleichgewicht, sogar von Kräften keine würdige Domäne. Weder für Götter noch für Heilige.

Selbst Justitia, die mit ihrer Waage zumindest dem Anschein nach für Gleichgewicht sorgt, ist zuständig für Gerechtigkeit und das ist höchstens ein Aspekt des göttlichen Balanceprinzips.

Vielleicht hätte die griechische Göttin Harmonia (römisch: Concordia) noch eine Chance gehabt, als Göttin des Gleichgewichts. Immerhin ist sie die Tochter von Aphrodite/Venus (Liebe) und Ares/Mars (Krieg). Doch sie ist nicht einmal für das zuständig, was wir Harmonie nennen. Sondern viel mehr für Eintracht, also für Konsens und Einstimmigkeit und nicht unbedingt die ausgewogene Vereinigung von Gegensätzen.

Auch ein passender Heiliger war nicht zu finden. Dabei gibt es sogar christliche Heilige für schwierige Hochzeiten (St. Phillip Howard von Arundel), dringende Angelegenheiten (St. Expedit) und zwei(!) fürs Internet (St Isidor von Sevilla und St. Jakob Alberione.) Aber nicht mal einen für wenigstens ökologisches Gleichgewicht – am nächsten kommt dem noch Naturschutz, das Patronat von St. Franziskus und der Indianerin St. Kateri Tekakwitha. Übrigens gibt´s auch keinen für Mäßigung und Maßhalten – was zumindest etwas in die Richtung von Gleichgewicht ginge.

Es gibt jedoch durchaus anbetbare Gestalten, die das Männliche und Weibliche in sich vereinen

In der griechischen Mythologie gibt es Hermaphroditos, der nur erwähnt wird als Kind von Aphrodite und Hermes und der ein „Jüngling mit langem Haar und weiblichen Brüsten war.“ Das meiste ist beim römischen Dichter Ovid zu finden. Dieser verpasst ihm einen Mythos, demzufolge sich des unschuldigen Jünglings während eines Bades in einem Teich eine liebestolle Nymphe bemächtigte. Diese bat die Götter Hermes und Aphrodite, untrennbar mit ihm verbunden zu werden. Die Götter gewährten ihr die Bitte und die beiden verschmolzen zu einem und waren fortan eine Zwittergestalt.

Als Hermaphroditos sein Schicksal bemerkt, bittet er seine göttlichen Eltern darum, dass jeder der in demselben Teich badete wie er, sein Schicksal teilen würde. Die Eltern gewährten auch seinen Wunsch.

Durch sein Schicksal wurde er auch zum passenden Namensgeber des Phänomens, wenn Wesen weibliche und männliche Geschlechtsmerkmale aufweisen. In der Wissenschaft wird dies als Hermaphroditismus bezeichnet. Bei Menschen galt das noch bis in die jüngste Zeit als Krankheitsbild und erhält gerade erst unter der Bezeichnung Intersexualität allmählich eine gesellschaftliche Akzeptanz, die Menschen mit diesen Eigenschaften nicht mehr ohne weiteres zum Außenseiter macht.

Dieser ursprünglich negative Blick auf die „Uneindeutigkeit“ der geschlechtlichen Erscheinung ist schon bei Ovid angelegt. Denn der Dichter hätte auch die göttliche Qualität dieser machtvollen Vereinigung betonen können. Dann wäre es vielleicht keine magisch übergriffige Nymphe gewesen, sondern die Kraft der Liebe zueinander hätte sie eins werden lassen können… So aber ist Hermaphroditos kein Ausdruck der geglückten Balance, sondern eher der verunglückten Zwangsvereinigung, oder wie es bei Ovid heißt „ Er war sowohl Mann und Frau und doch weder das eine noch das andere.“ Das hat etwas von zwei Sackgassen und damit taugt er also nicht wirklich als Gott des Gleichgewichts.

Keiner der griechischen, römischen und germanischen Gottheiten ist wirklich geeignet

Die einzigen Götter, die in der germanischen Mythologie mal über die Geschlechtergrenze gehen, sind Thor und Loki und das, um Thors Hammer wiederzugewinnen. Den hatte ein gewisser Riese namens Thrym geklaut, um als Lösegeld die Liebesgöttin Freya fordern zu können, um sie zu heiraten. Freya will aber natürlich nicht und so erfordert eine List von Loki, dass Thor sich als Braut verkleidet und er selbst mimt die Brautjungfer. Gemeinsam begeben sie sich an den Hof des Riesenkönigs, der entzückt ist vom Anblick der vermeintlichen Braut. Als im Zuge der Trauungszeremonie der Hammer hervor geholt und den Schoß der Braut gelegt wird, schnappt sich Thor diese blitzschnell und zertrümmert den Schädel des Bräutigams und auch gleich die Schädel der anderen Riesen. Denn jetzt hat er die Macht über seinen Hammer wieder.

Doch diese Aktion qualifiziert Thor und Loki weniger als potentielle Götter des Gleichgewichts, als vielleicht zu Patronen der Dragqueens. Außerdem ist Thor der Gott des Donners (dafür braucht er auch den Hammer…) und im Grunde also ein gefürchteter Kampf- und Kriegsgott. Und Loki ist mit seinem Hang zum Unruhestiften eher ein Gott des Chaos und damit einer der Ungleichgewichte schafft. Das braucht es zwar auch: für das Gleichgewicht des Gleichgewichts braucht es auch das Ungleichgewicht – so paradox das klingt -, aber das alleine reicht eben auch nicht.

Eine hinduistische Gottheit ist ziemlich nah dran!

Am ehesten entspricht meiner Vorstellung eines Gott des Gleichgewichts die Gestalt des indischen Ardhanarishvara. In einer der hinduistischen Mythen wird berichtet, dass es in der Schöpfungsgeschichte eine Zeit gab, in der die Geschöpfe sich nicht vermehrten. Da teilte sich der Gott Shiva selbst und nahm mit der rechten Körperhälfte die Gestalt eines Mannes und mit der linken, die einer Frau an. Dann teilte er sich in Shiva und Parvati – die den Fruchtbarkeitsaspekt verkörpert – und schuf neue Wesen.

Dieser androgyne Shiva – der gleichzeitig Mann und Frau ist – ist ein Symbol für die Ureinheit von allem, die sich dann in ihre polaren Gegensätze spaltet. In dieser Gestalt trägt Shiva den Namen Ardhanarishvara und interessanterweise gibt es unter den vielen bildlichen Darstellungen der Gottheit auch manche, bei der die weibliche Seite rechts und die männliche links ist. (Und für jene, die spekulieren wie so eine vertikale Spaltung physisch aussehen soll: es bleibt ein müssiges Unterfangen, denn die indischen Götter werden in der Regel bekleidet dargestellt, so hat er/sie auf der einen Seite den männlichen Dhoti an, auf der anderen den weiblichen Sari…)

Durch seine Verkörperung der Einheit von Mann und Frau geht Ardhanarishvara tatsächlich über den Ausdruck des Gleichgewichts hinaus: seine Gestalt ist der Ausdruck der Verschmelzung, die absolute Einheit, aus der alles entspringt. Da muss gar kein Gleichgewicht mehr hergestellt werden…es ist längst und immer da – wenn man ALLES mit einbezieht. Doch damit Schöpfung möglich ist, wird die Spaltung in gegensätzliche Pole gebraucht…und damit beginnt das ewige Spiel der göttlichen Balance. Aus dieser Sicht ist Ardhanarishvara weniger ein Hüter als ein Erzeuger der Balance – die ohne gegensätzliche Pole nicht vorstellbar wäre.

In gewissem Sinne ist der Gott der Balance die Balance selbst!

Vielleicht ist keine einzelne Gottheit wirklich geeignet die gesamte göttliche Ordnung – quasi das metaphysische Gleichgewicht aller Kräfte und Dynamiken – zu repräsentieren. Vielleicht, weil diese göttliche Balance, die kosmische Harmonie ein Ausdruck des Göttlichen schlechthin ist – wie auch immer der einzelne das für sich bezeichnen mag – und damit sind auch alle Götter und Gottheiten ein Teil davon.

Michael Roads, der spirituelle Lehrer aus Australien, dessen Newsletter ich ein paar Mal ins Deutsche übersetzt habe, erklärt in seinem letzten Newsletter dass, einer seiner Lieblingsbezeichnungen für Gott „das endlose Lied der unendlichen Balance ist“. (Offenbar stammt diese schöne Formulierung von den Dichtern Lucille O´Dell und Robin Arnold, deren Bändchen mit Lyrik und Erzählungen den schönen Haiku-esken Titel hat: „Das endlose Lied vom unendlichen Gleichgewicht: Verwirklichung der Nicht-Kraft, die alle Kraft ist.“) Das trifft diesen Ansatz ziemlich genau.

Und weil auch jeder einzelne von uns und wir alle zusammen ein Ausdruck dieser Göttlichen Balance sind – macht es uns alle gleichzeitig auch zu Göttern dieses unendlichen Gleichgewichts. Denn ein jeder von uns ist auf seine Weise beständig bestrebt, den ihm gemäßen Platz in der kosmischen Ordnung, im sensiblen und ewig dynamischen Gleichgewicht aller Kräfte einzunehmen.